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Am 13.05.2026 um 18:46 schrieb Ingo Tessmann über PhilWeb <philweb@lists.philo.at>:



Am 10.05.2026 um 09:10 schrieb Rat Frag <rat96frag@gmail.com>:

Es ist relativ klar, dass organisierte Kriegszüge erst möglich werden, wenn die materiellen Voraussetzungen gegeben sind. Also genug Nahrung und Logistik vorhanden ist, um große Heere zu unterstützen.

Kriege erfordern nicht nur materielle, sondern auch intellektuelle Voraussetzungen, die bei Tieren nicht vorhanden sind.

Das ist aber trivial. Mit der selben Vorgehensweise könnte man zu den Schluss kommen, dass Kulturen, die keinen Buchdruck haben, keine Schrift haben. Eben weil die Produktion von Büchern in großer Masse erst durch Buchdruck möglich wurde. Das würde aber den Fakten nicht entsprechen!

Du unterstellst mir eine Vorgehensweise, der ich nicht folgte. Damit bestätigst Du Dich nur selbst, widerlegst aber nicht mich.

Du meinst Watergate war ein Negativbeispiel, weil es um Skandalisierung geht?

Watergate war schon ein Skandal und wurde nicht skandalisiert, sondern bekannt gemacht.

Es hilft nicht, wenn man nur moralisch fragwürdige Beispiele als Manipulation nimmt.

Kennst Du Statistiken darüber, was bloß moralisch oder ideologisch skandalisiert wird im Unterschied dazu, welche echten Skandale nur noch bekannt gemacht werden? Ich vermute ein extremes Missverhältnis zwischen Skandalisierung und Bekanntmachung.  

IT


Klassisch rhetorische Frage, wie ich meine: Die Antwort kann nur ein eindeutiges Nein sein, d.h. wie sollte eine belegbare Statistik existieren, die den Nachweis moralischer Skandalisierung erbringen würde, da es beliebige Moralen gibt, i. Ggs. zur eineindeutigen Ethik. 

Selbstredend hat damit Kants kategorischer Imperativ nicht seine Relevanz verloren, insbes. in seiner unbedingten Konsequenz, die jede Form von Eigennutz, resp. diesbezüglichem Kalkül ausschließt.


Ideologische Skandalisierung findet inzwischen allerorts und zu aller Zeit statt. Bedauerlicherweise, denn Ideologie stellt sich i.W. als ein erstarrtes System ursprünglich ideeller Werte dar, die sich letztlich als fixierte Denkmuster individuell wie gesellschaftlich kollektiv etablieren, zumeist als ein Konglomerat fragwürdiger Werte und Weltanschauungen, um dann unter dem Deckmantel wohlfeiler Moralappelle postuliert zu werden.


Skandalisierung ist generell zum alltäglichen Ritual in der Medienlandschaft geworden.

„Skandal im Sperrbezirk“ - ein harmloses Liedchen einer inzwischen verblassten Rockgruppe - wurde nun von einer Gleichstellungsbeauftraten auf den Index verbotener Lieder gesetzt, die auf einem überregional bekannten Volksfest nicht gesungen, bzw. musikalisch dargeboten werden dürfen. 

Beim Besuch derartiger Feste und vergleichbarer „Events“ - wie sie derzeit an allen Ecken stattfinden - kann dem aufmerksamen Beobachter nicht entgehen, wie sich wieder einmal die Doppelmoral in der Gesellschaft zeigt: Wiedererstandene, skandalisierende Pfaffen in neuen Gewändern. 


Der wirkliche Skandal dieser Zeit, nämlich die weltweit wiedererstarkte Kriegslüsternheit, wird durchaus zwar bekannt gemacht und als moralische Verfehlung gebrandmarkt, was jedoch - mangels Konsequenz - allenfalls als hypothetischer Imperativ gewertet werden kann. 


Geistlos, gottlos das Zeitgeschehen dieser Tage und Pfingsten als das Fest des Geistes ist längst zum bloßen Freizeit-Event verkommen.


Trotz allem wünsche ich noch ein frohes Pfingstfest in diese Runde!


Karl