Am 20.01.2026 um 03:37 schrieb Karl Janssen über PhilWeb <philweb@lists.philo.at>:

Am 19.01.2026 um 03:09 schrieb Karl Janssen über PhilWeb <philweb@lists.philo.at>:

Denken verhilft zu Wissen, nachdenken zu tieferem Wissen.

Moin Karl, IM hatte geschrieben: „was ich will das ist nicht viel / will nur ein tief’res Wissen.“ In Gedichten wird bekanntlich die Metaphorik gefeiert. Zu Wissen verhilft nur begründendes Denken und wenn „nachdenken zu tieferem Wissen“ verhelfen soll, hilft vordenken wohl zu höherem Wissen? Begründungen können nicht hoch oder tief sein, aber lang oder kurz, nachvollziehbar oder unsinnig. Bleiben sie der Umgangssprache verhaftet, beziehen sie sich lediglich auf die Lebenswelt. Aufs Weltall hinaus reicht die Mathematik. Insofern bleibt lebensweltliches Wissen hinsichtlich des Weltalls nur Scheinwissen.  

Was willst Du mir damit sagen, Ingo? Etwa, dass Mathematik das Mass aller Dinge sei, selbst in das Weltall reichend? Die Natur - und damit selbstredend auch diese Erde als habitable  Lebenswelt - bietet uns Menschen eine Existenz als Lebewesen, die sich als denkende, fühlende Entitäten zu erkennen vermögen: „Cogito, ergo sum“ als Ausdruck rudimentärer Selbstwahrnehmung, die von ihrer essenziellen Ausprägung her jene aller anderen Lebewesen dieser Erde übersteigt. „Meta ta physika“, dieses Vermögen, das Wissen um die pure körperliche Existenz über die Grenzen der erkennbaren, messbaren, abzählbaren Lebenswelt hinaus zu erweitern, zeichnet einzig uns Menschen aus. 

Moin Karl, ich habe nicht vom Maß aller Dinge geschrieben, erinnerte nur daran, dass die Umgangssprache nicht weiter reicht als die Situationen, in denen sie eingeführt wurde. Du hattest auf Wittgenstein verwiesen und so dachte ich, Du hättest es ernst gemeint mit der Reflexion des Philosophen auf die Sprache. Was der Lebenswelt entstammt, kann nicht einfach aufs Weltall bezogen werden.  

Moderne Astrophysik bietet einen bislang unvorstellbaren Ausblick in die Struktur dieses Universums und lässt alle in früheren Epochen erworbene Kenntnis, vor allem aber jegliche metaphysische Spekulation über Gott und Götter hinter sich, wird somit zu gesichertem Wissen, quasi als ein neues, wesentlich erweitertes „Cogito, ergo sum“ als tragendes Fundament moderner, rationaler Erkenntnistheorie. Darauf bezogen ist dieses Wissen definitiv kein „Scheinwissen“ und was die Metaphysik anbelangt, gilt weiterhin uneingeschränkt, dass es kein Wissen - somit auch kein Scheinwissen - über die transzendentale Ebene des DASEINS in dieser Lebenszone geben kann. 

Es gibt sogar Gewissheit über das Dasein bzw. das jeweilige Sein in der Welt. Die entstammt den Empfindungen und Gefühlen. Aber die reichen nicht über den Organismus in der Lebenswelt hinaus — und ihre  Versprachlichungen ebenso wenig. Mathematische Modelle dagegen sind bis weit in die Mikro- und Makrowelt hinaus empirisch bestätigt — und auch intersubjektiv in der Lebenswelt in Gebrauch.  

Was nützt also das grossartige Wissen um Mathematik (als die „Programm-Sprache“ der Natur), wenn es im Sumpf des Alltags- und Scheinwissens versinkt?

Höheres vs. tieferes, d.h. tiefergehendes Wissen. Was anderes als beständiges (Hinter-)Fragen, resp. Nachdenken über die Phänomene dieser Lebenswelt führt zu diesbezüglich tiefergehendem Wissen? 

Metaphorisch kannst Du so weiter fabulieren. Warum reicht es Dir nicht aus, innenbezogen von Gewissheit anstatt von Wissen zu schreiben? Ich hatte ja schon hinsichtlich außenbezogener Wahrheit angeregt, innenbezogen von Wahrhaftigkeit zu schreiben.  

„Tieferes Wissen“ erwerben, mit diesem Anspruch konnte nur der Wunsch nach Erkenntnis bezüglich der Dinge hinter den Dingen, also Wissen hinsichtlich besagtem „Meta ta physica“ gemeint sein. Für die Positivisten dieser Welt stellt sich diese Frage selbstredend nicht, bzw. kann sie sich nicht stellen, weil sie nicht darüber nachdenken.

Nachdenken kann man über alles, die Positivisten zeichnet aus, dass sie auch das Denken bedenken und nicht nur gläubig an Worten hängen. 

IT