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Am 18.01.2026 um 01:58 schrieb waldemar hammel über PhilWeb <philweb@lists.philo.at>:



tiefres wissen? das ich nicht lache, es gibt kein "tiefres wissen", nur tiefres und immer tieferes scheinwissen, denn das glasperlenspiel ist wirklich nur ein glasperlenspiel ist wirklich nur ein glasperlenspiel ist wirklich nur glasperlenspiel,

das wir alle seit mindestens 10.000 jahren spielen ...

schon einmal bewusst aufgefallen?

die semantizität der sprachen des schreibens, des sprechens, des denkens steht in direkter korrespondenz mit der von uns erlebten semantizität der welt, die uns umgibt,

an der wir als "puppets on strings" fest und unabänderlich aufgehängt sind,

immer und ewig nur eigenschaften = semantiken, selbst alle begriffe sind nur platzhalter/zusammenfassungen von eigenschaftensummen der sprachökonomie wegen ...


Glasperlenspiel: So will ich mich nun an Hesse erinnern, etwa seinen „Steppenwolf“,  das Buch der 60er-Jahre schlechthin, wo ich - wie viele junge Menschen in diesen Jahren des Aufbruchs - mich aus den gesellschaftlichen Normen von  Konformismus und Scheinmoral, aus diesem „man macht das so“ (Heidegger) lösen wollte. Allerdings nicht in Art der aufkommenden Studentenrevolte: ASTA-Typen stürmten die Hörsäle, protestierten gegen kapitalistische Ausbeuterei, angestiftet durch die sog. Neue Linke, den Neomarxisten, die uns die Emanzipation aller Menschen von kapitalistischer Ausbeutung versprachen und auch die Befreiung von Unterdrückung durch das herrschende politische Establishment und dementsprechender Entrechtung. 

In den naturwissenschaftlichen Fakultäten kamen sie glücklicherweise nicht so gut an (ansonsten ich mein Diplom wohl nie erwerben hätte), anders in den SoWi-Bereichen, wo sie mit ihren Thesen fruchtbarem Boden sähten. Der Neomarxismus der Frankfurter Schule (Horkheimer/Adornos „Dialektik der Aufklärung“) mit dem Leitmotiv dieser Neuen Linken, sich von den herkömmlichen Politikkonzepten der Sozialdemokratie und des Realsozialismus mit Gewalt zu lösen.

Aufklärung also, doch mit welchem Wissen sollte diese erfolgen, resp. überhaupt möglich sein. Allenfalls Oswald Kolles Wissensschatz, den er mit  populär-sexuellen Aufklärungsfilmchen verbreitete, tieferes Wissen über Sexualpraktiken, das heutzutage nur noch mildes Schmunzeln auf den ausgezehrten Gesichtern dieser rastlosen Tänzer um immer neue gold‘ne Kälber auslöst.

Eigentlich wollte ich hier nie in den misanthropischen Duktus von Waldemar verfallen, bzw. mich nicht davon anstecken lassen. Und schon gar nicht seine Meinung teilen, es gäbe kein tieferes Wissen. 

Was also ist Wissen überhaupt? Es ist die individuelle oder kollektive Kenntnis von faktenbasierten Sachverhalten und realen Gegenständlichkeiten.  Die Gültigkeit von Wissen hängt vom darauf bezogenen Grad der Gewissheit, resp. Wahrheit ab. Mit einem geringen Grad an Gewissheit geht Spekulation, resp. Mutmaßung einher. 

Gesichertes Wissen ist ausschließlich durch hinreichend kollektive Objektivierung bestätigt. Für alles andere Wissen, sei es oberflächlich, tiefergehend oder vorgeblich gilt Wittgensteins Postulat, wie im „Tractatus logico-philosophicus“ verdichtet: Sprache in üblicher Form (umgangssprachlich) kann die Komplexität der Lebenswelt nur unvollkommen und damit deren wahre Wirklichkeit nicht zum Ausdruck bringen. Hierzu weitaus mehr geeignet ist die Metaphorik. 

Soweit zur Sprache als regelbasierte Vermittlerin von gesichertem Wissen. Für alles spekulative Wissen bis hin zum Pseudo-Wissen sollte Wittgensteins Postulat gelten: Nur was sich  grundsätzlich sprachlich ausdrücken lässt, kann klar gesagt werden, wovon, bzw. worüber man nichts sagen kann, darüber muss man schweigen. So bedeuten die Grenzen der (meiner) der Sprache die Grenzen der (meiner) Welt. (Zitat sinngemäß).

Was heißt das nun in Bezug auf Waldemars „ Es gibt kein tieferes Wissen - es gibt nur Scheinwissen“? Ziemlich einfache Antwort: Waldemar hat kein tieferes Wissen, resp. tiefergehendes Wissen, das seinen Denk-Horizont über ein pur positivistisches Weltbild hinausgehend zu erfassen, bzw. zu repräsentieren vermag. Viele seiner Zeitgenossen haben jedoch dieses Vermögen und zeigen damit, dass es ein tieferes Wissen jenseits einer aus „Hammelkörnchen“ konstituierten Lebenswelt gibt: „Meta ta physica“. Dieses metaphysische Wissen speist sich aus individueller Erfahrung, die sich im Allgemeinen kaum institutionell kollektivieren lässt, paradoxerweise jedoch im Kollektiv zu hinreichend gesicherter Gewissheit werden kann. 

Denken verhilft zu Wissen, nachdenken zu tieferem Wissen.

KJ