Lieber Thomas, ich nehme die
Welt so wie sie ist, wohl wissend, dass sie nie so ist.
Mein Indeed war spontan in der Erinnerung an Anton
Zeilinger, den ich mal, als die "Teleportation" neu war,
an der LMU hörte und sein Experimentatorendillema der
Beeinflussung durch Messung. Mögen es hier nur 7
Femtosekunden sein, die mit der ersten Messung den Zustand
erst herstellen, stellt die zweite Messung eine
Bestätigung einer Stabilität her. Das verursachte mein
"Indeed". Viele Grüße, Arnold
-- https://arnold-schiller.de/
Deine Resonanz (um mit Ingo M. zu sprechen, dem ich auch für seine letzte -E-Mail herzlich danke) trifft und belebt genau das Potenzial, um das es mir geht, herzlichen Dank dafür! Unerwarteterweise machst Du in Deiner Antwort zugleich eine zentrale Erfordernis klar, nämlich die, für ein tieferes Verständnis des Naturgeschehens das Konzept der Potenz (Du schreibst sogar ausdrücklich, der Potenz im Aristotelischen Sinn) einzuführen. Im Versuch, ein Natur- und Geisteswissenschaften überbrückendes Modell von fokussierter Dynamik zu entwickeln, haben meine Mitstreiter und ich vor Jahren hierzu für unsere englischsprachigen Veröffentlichungen auf das potentia / dynamis-Analog „provider of dynamic coherence“ zurückgegriffen. Dieser Rückgriff wiederum stützte sich auf die Forschungsergebnisse des Altphilologen Arbogast Schmitt, der später mit uns publizierte. Sein Buch „Denken und Sein bei Platon und Descartes“ hatte mich begeistert, wobei ich es anders ausgelegt und genutzt habe, als dem Autor bewusst war – aber hat meiner Akzentsetzung in der Folge uneingeschränkt zugestimmt. Ein Potenzial hat, wie Du zu Recht anmerkst, keinen fixen Ort und keine fixe Zeit. Es ist nicht als Gegenstand dingfest zu machen. Es „öffnet“ sich, wobei die Öffnung keine im fixen Raum ist, sondern stattdessen die Raumzeit gleich mit generiert. Das Zusammengehen von Potenzialen ist dann keine Addition von festen Brocken, sondern eine Topologie von über Resonanz vergemeinschaftetem Sich-Öffnen als Zeitraum-Entfaltung. Diese zusammenströmend sich entfaltende gemeinsame Verwirklichung erfasst in Resonanz geratende topologische „Aspekte“ der sich entfaltenden Potenzial-Verwirklichungen, sie fußt auf diesen. Die Topologie (dieser von Dir genutzte Begriff ist präziser als der der „Geometrie“) des pulsierenden, Zeitraum-Volumina schaffenden Sich-Öffnens und Schließens ist nach unserem Entwurf im derzeitigen Stand eine jeweils alleine qua „Geometrie“ (jetzt doch…) ein Innen im Außen schaffende Potenzial-/ Quellen-zentrierte, also „sphärische“. Hierbei ist nicht nur die Unterscheidung Innen versus Außen „naturgegeben“, sondern auch deren beibehaltene bzw. fortgeführte Gleichzeitigkeit im Sinn der Resonanz. Somit sind die Entfaltungsdynamiken immer in einem Zusammengehen im Gleichzeitigen bzw. in einer gemeinsamen Erstellung von Gleichzeitigkeit gegründet. Wir bezeichnen die gedanklich vereinzelten Prozesse, die „einem“ Potenzial entspringen als Prozess-Fragmente. Erst im Zusammengehen entfaltet sich der Zeitraum und mit ihm die (jeweilige) Wirklichkeit. Und, wie Du weiter richtig schreibst: Die Entfaltung ist eine Entstehung, und daher mehr und anders als ein einfaches Fort- und Weiterlaufen. Ein Werden hat „seine“ Zeit, und diese Eigenzeit ist eine Zeitraum-Blüte mit Beginn, Dauer und Ende. Diese Form der Zeit hat somit eine organische Gestalt, sie ist eine aufblühende und wieder zurücksinkende zeitweilige Fülle, kein Faden, keine Linie, keine durchgängige, monolineare Dimension. Ihr Innen wird, wie Du schreibst durch ein Sich-aufeinander-Beziehen, sprich durch Korrelationen erstellt. Der sich öffnende Zeitraum ist ein Gemeinschaftsraum, er besteht aus Aspekt-gestützter Interaktion von Prozessfragmenten. Die Korrelationen „kreisen um ein gemeinsames Thema“, könnte man in einem der sphärischen Geometrie angemessenen Bebilderung sagen. Wir geben dem Kreisen der Prozessfragmente, wenn es sich um zwei handelt die Gestalt einer sich aufweitenden Doppelhelix, wobei zusätzliche Fragmente dadurch eingebunden werden, dass die Doppelhelix mit dem weiteren Prozessfragment ein weiteres Kreisen bildet. So viel speziell zu Deiner Antwort auf die Schnelle – Du hast das angedachte Modell in Deinen Worten so beschrieben, wie es treffender nicht sein könnte – daher nochmal herzlichen Dank dafür. Thomas PS: zum „Wir“: das ist aktuell, wie, glaube ich berichtet, eine sowohl in westlicher als auch chinesischer Philosophie und Denktradition bewanderte Philosophin – wir sind in kontinuierlichen Austausch.