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Am 24.01.2026 um 14:11 schrieb waldemar hammel über PhilWeb <philweb@lists.philo.at>:




Am 24.01.2026 um 03:35 schrieb Karl Janssen über PhilWeb:
Am 23.01.2026 um 04:25 schrieb Karl Janssen über PhilWeb <philweb@lists.philo.at>:

Welch geistiges Agens steht hinter diesem „potentia ad actum“? „Warum ist überhaupt etwas und vielmehr nicht Nichts? fragte Leibniz und wir Heutige können fragen, warum sich nach dem angenommenen Urknall vor ca. 14 Milliarden Jahren nicht ausschließlich nur wahllos im Universum herumfliegende Gesteinsbrocken ergeben, sondern sich habitable Zonen im Umkreis eines Zentralgestirns mit Planeten entwickelt haben, die mit ausgesprochen präziser Feinabstimmung dort geltender Naturkonstanten primordiale Voraussetzung für alles Leben sind. 

 

Alles nur Zufall oder Schöpfungsakt eines Gottes? In meiner Vorstellung - philosophisch gesehen - eher die Umsetzung einer potentiellen Idee: Potentia ad actum. Ähnlich der schöpferischen Idee eines Steinmetzen, der aus Urgestein formgebend Gestalt erschafft. Idee aus Intuition oder Inspiration gewonnen und intelligent in Form gebracht. Geist, Ideen, getragen durch morphische Felder als in den Weiten des Kosmos verschränkte Quantensysteme. 


nachtrag: und wie kann man bis heute noch immer der idee nachhängen, die welt sei (als passivum)  "geschöpft" (aus einer ursuppe zb), mir völlig unverständlich, weil sie doch von anbeginn und bis heute und nachweislich selbst-evolutionierend ist, sich quasi selbst immer weiter "schöpft" -- die schöpfung der welt durch eine höhere entität war eine vorstellung der alten, unserer vorfahren, die eine hilfserklärung für das damals ihnen unverständliche des realen existierens der welt suchten und eben im schöpfungsmythos fanden, was nichts anderes bedeutet als, sie hatten das problem des realen existierens der welt auf eine höhere instanz ausgelagert/verschoben, wie ganz viel anderes auch (zb "schicksal")


„Causa sui“ gewissermaßen, Du glaubst wohl auch noch an Märchen: Etwa an jenes des Freiherrn von Münchhausen: Der noble Herr vermag es demnach, sich selbst samt seinem Pferd aus dem Sumpf zu ziehen, in den er geraten ist.

Dieses Trilemma hat jedoch einen Haken: Es setzt zu seiner Begründung ein semantisch angelegtes Konzept voraus, das an der deduktiven Relation ihrer Aussagen ausrichtet ist, d.h. dass das Münchhausen-Trilemma nur Geltung hat, wenn es auf analytischer, resp. tatsächlicher Wahrheit mit rational existierenden Voraussetzungen gründet. Wie willst Du also die Kriterien für den Anbeginn des Universums und damit auch dieser Lebenswelt benennen, wenn schlichtweg die Voraussetzungen dafür fehlen? Damit scheitert auch eine deduktivistische Begründungserzählung vom Ursprung, resp. Anbeginn, weil sie schlichtweg weder auf letztbegründeten Deduktions- oder Deduktionskriterien, noch auf Universalisierungsgrundsätzen aufbauen kann. 

Damit ist jedoch nicht gesagt, dass die Suche, resp. die Frage nach dem Anbeginn dieses Universums und unserer Lebenswelt zu keinen Erkenntnissen führt, sie sind nur noch nicht wissenschaftlich falsifizierbar, da verschiedene Thesen, bzw. Theorien existieren, allen voran bekanntlich die Urknall-Theorie (allgemein angenommen, von der ich allerdings nicht mehr überzeugt bin).

Hawkings These eines zyklischen Universums, ebenso von Penrose vertreten, womöglich aber auch Everetts „Viele Welten Theorie“, wie auch das Multiversum-Modell, das zufolge der exakten Feinabstimmung der Naturkonstanten mit deren grundsätzlichen Kombinationsmöglichkeiten die Idee vom „Mathematischen Universum“ entstehen ließ. 

Die Natur ist in der Sprache der Mathematik geschrieben, sagt man. Daher liegt Ingo T. fast richtig, wenn er sagt, die Mathematik reicht ins Weltall hinaus, erstaunlich ist, dass er sich dabei der antiken Vorstellung eines geozentrischen Weltbilds bedient. Spaß beiseite: Er und wir wissen alle, dass Mathematik von uns irdischen Geschöpfen nicht erfunden, sondern deren Regeln und Algorithmen (heraus-)gefunden und sprachlich entsprechend definiert wurden. 

Ebenso wurden im Laufe der Menschheitsgeschichte weitere grundlegende, quasi primordiale Prinzipien entdeckt, was eben dazu geführt hat, dass man die Phänomene von Welt und Kosmos nicht mehr dem Wirken von Naturgeistern und -göttern zuschreiben muss, sondern eine klare Unterscheidung, resp. Trennung zwischen der erkennbar physischen, somit empirischen und einer überempirischen Ebene vornehmen kann. 

Wer nun aber den Blick ausschließlich auf die real physische Lebenswelt richtet und sein Weltbild danach ausrichtet, kann und wird alle anders gearteten Weltsichten unbeachtet lassen. Jeder nach seinen Möglichkeiten, seiner Façon.

Wer in der Lage und befähigt ist, über die pure Physis von Welt und All hinauszudenken, somit sich dem „meta ta physika“, eben der Metaphysik zu öffnen, wird die Sphäre des nicht beschreibbaren transzendenten Intelligiblen geistig ergreifen, wenngleich niemals begreifen können. Und soweit letzteres ausschließlich gegeben ist, bleibt nur, alle Metaphysik als Unsinn abzutun.

KJ