Am So., 8. März 2026 um 17:17 Uhr schrieb Ingo Tessmann über PhilWeb <philweb@lists.philo.at>:
Auch wenn Naturphänomene kultürlich als Spiel aufgefasst und Atome algorithmisch entsprechend simuliert werden können, hat das nichts mit dem Lernen der Atome, sondern mit dem Lernen der simulierenden Menschen zu tun.  


Gemein war eher die Variante mit den zellulären Automaten.

Wenn wir davon ausgehen, dass in einen gegeben Bereich des Raumes, etwa einer Plank-Länge, nur ein bestimmtes Partikel sein kann, kann man sich die Welt als eine Art sehr, sehr feines Schachbrett vorstellen. Dann kann jedes Quadrat verschiedene Zustände haben, z. B. gefüllt mit Teilchen A, B, C. Das wäre dann "Anzahl der Zustände" die diese kleinste Raumeinheit einnehmen kann.
 
Es geht nicht nur um Worte. Wer formale und inhaltliche Vergleiche über einen Kamm schert, ideologisiert. Auch wenn die Evolutionsprinzipien gleichermaßen für Mensch und Tier gelten, sind Mensch und Tier nicht physisch gleich. Meinem Eindruck nach hattest Du das so gesehen.  


Das Verhalten des Menschen scheint mir nicht einem reinen Vernunftwesen zu entsprechen. Wie ich schon einmal schrieb, denke ich, dass Freud hier an dieser einen Stelle schon den richtigen Riecher hatte.
Der "default" des menschlichen Geistes ist in der Naturgeschichte zu suchen. Die Kulturgeschichte schließt daran an und "programmiert" davon ausgehend. Solche Dinge wie Lächeln, Zeigen etc. sind wahrscheinlich hardcodiert. Darauf aufbauend wird dann durch Lernmechanismen wie Konditionierung (und andere) unsere komplexeren Verhaltensweisen gebildet.

Kultur ist dabei natürlich nicht 100% willkürlich, sondern unterliegt selbst eine Art "Selektion". Bestimmte kulturelle Einheiten (memes) reproduzieren sich. Andere nicht. Die nichtreproduzierten spielen natürlich in der nächsten Generation (oder so) keine Rolle mehr
Es gibt Kulte, die es ihren Anhänger z. B. verbieten, in der Landwirtschaft zu arbeiten. Da die Ernährung von der Landwirtschaft abhängt, sind diese Kulte also darauf angewiesen, dass andere Menschen diesen Job erledigen; das heißt, dieser Kult limitiert seine eigene Ausbreitung effektiv, wenn er keine Wege drum rum findet.
Genau das selbe gilt für einen reinen Mönchskult. Da die Mönche die Güter, die zur Erhaltung ihres materiellen Lebens notwendig sind, zumeist nicht selbst oder nicht vollständig herstellen, sind sie auf eine Art Arbeitsteilung angewiesen. Die Mönche leisten "geistige" Dienste für die Gesellschaft, geben gutes Karma, Beten gegen Dämonen und/oder kopieren Bücher, während die Laien die Mönche mit Nahrung, Möbeln und so weiter versorgen.

Das, was oben für Mönche gesagt wurde, gilt natürlich in Prinzip auch für andere Gruppierungen, die nicht zwingend religiös sind. Beispielsweise Anhänger einer bestimmte Ethik.
Man könnte sich eine bestimmte Gruppe von Menschen vorstellen, deren Ethik es ihnen strikt untersagt, selbst für die Einhaltung von Gesetzen zu sorgen. Diese Gruppe könnte innerhalb einer Gesellschaft durchaus florieren, wäre aber, sofern sie Verhaltensregeln durch Sanktionen durchsetzen muss, auf externe Kräfte angewiesen.