Am 08.03.2026 um 12:16 schrieb Rat Frag über PhilWeb <philweb@lists.philo.at>:

Am Mo., 2. Feb. 2026 um 10:10 Uhr schrieb tessmann--- über PhilWeb <philweb@lists.philo.at>:

Die Ungerechtigkeiten zwischen Männern und Frauen, Reichen und Armen, Herren und Knechten begannen mit dem Übergang vom Wildbeuter- zum Bauerntum

Wie kommen Sie auf diese Behauptung?

Wir hatten uns schon einmal geduzt, aber egal. Für den Anfang verweise ich auf das (auch schon Karl empfohlene) Buch: „Die Wahrheit über Eva“, in dem viele Quellen ausgewertet werden:

https://www.deutschlandfunkkultur.de/sachbuch-die-wahrheit-ueber-eva-wider-das-maennliche-100.html

Mir scheint, diese Behauptung ist im Lichte der Ethnologie nicht zu halten. Wir kennen Gesellschaften, die nicht vollständig als Bauern leben (kann sein, dass sie in begrenzten Umfang etwas anbauen oder so) und die trotzdem Konflikte haben.

Interessiert es dich gar nicht, wie es zu den Ungerechtigkeiten weltweit gekommen ist? Es geht nicht um individuelle Konflikte (die es mindestens solange gibt, wie es Menschen gibt), sondern um organisierte gesellschaftliche Konflikte, bspw. um Geschlechtergleichbehandlung, Eigentums- und Erbrecht.  

Dem Autoritarismus und Monotheismus

Autorität an sich hat einen gewissen Nutzen. Sie kann Konflikte verhindern oder beenden, indem sie entscheidet, wer sich durchsetzt.

Gibt es „Autorität an sich“ überhaupt? Entscheidend bleibt, wie Autorität legitimiert wird. Ich hatte einmal das Sonnenobservatorium in Goseck und das Ringheiligtum in Pömmelte erwähnt. Noch immer denke ich daran, was wohl in der Zeit zwischen dem 7000 Jahre alten Observatorium und dem 4000 Jahre alten Heiligtum geschehen sein mag. Philosophisch formuliert kommt es einem Wandel vom LOGOS zum MYTHOS gleich. 

Ich sehe eine interessante Parallele zu dem Wandel des prädynastischen Ägyptens vor 6000 Jahren bis hin zu den ersten Dynastien vor 5000 Jahren, wie Ludwig Morenz ihn in seiner Untersuchung „Vom Sternbild zum Götterbild“ beschreibt, indem er zu beantworten versucht, „wie aus der Beobachtung eines Sternbildes eine religiöse Symbolfigur entstehen konnte.“ Zentral ist ihm dafür eine jungsteinzeitliche Prunkpalette aus Girza im Niltal. „Das Artefakt zeigt einen stilisierten Kuhkopf, zwischen dessen Hörnern fünf Sterne angeordnet sind.“ Die fünf Sterne der Palette identifiziert Morenz mit dem Sternbild Orion. Damit bekommt das jungsteinzeitliche Bild von der Himmelsgöttin zwei Seiten: „den Taghimmel mit der Sonnenscheibe als 'Sonnenfrau' und den Nachthimmel als 'Sternenkuh‘.“ 

https://www.archaeologie-online.de/nachrichten/vom-sternbild-zum-goetterbild-6544/

Handelsbeziehungen zwischen Ostsee- und Mittelmeerraum bestanden schon vor 6000 Jahren. Den weiteren Wandel vom MYTHOS zum LOGOS hat es erst vor 2500 Jahren in Griechenland in der Philosophie gegeben. Und mit den Christen des Mittelalters ging es wieder zurück zum MYTHOS, den erst die Aufklärer wieder zum LOGOS wandelten. Und heute droht uns erneut ein Rückfall in den MYTHOS …  Schon den „Gotteskönigen“ des Altertums diente der Gottesbezug als Rechtfertigung ihrer autoritären Herrschaft. Und so folgte der Monotheismus in den Religionen dem Autoritarismus des Gottkönigstums der frühen antiken Dynastien. 

IT