Am 19.07.2022 um 11:58 schrieb Joseph Hipp <info@weltordnung.de>:

Was Ingo schriebt, ist so vieldeutig, dass ich nichts dazu sagen kann. Ich erinnere mich: Wenn errechnet wird, bei welcher Temperatur eine chemische Verbindung zu Stande kommt, gibt die größer werdende Entropie nach der Reaktion, mathematisch einfach errechnet, die Prognose, ob eine Reaktion geschieht oder nicht. Sogar wie stark sie ist. Demnach ist es nicht die Energie, die irgend etwas bewirkt. Energie ist eher etwas Statisches, in einer bestimmten Form. Nun gehe ich nicht so weit, zu sagen: Die immateriellen Gesetze, in diesem Fall die "Naturgesetze", begriffsgymnastich rundherum der Entropie wirken auf die Materie, so dass diese sich in eine andere Form bringt. Wäre das nicht auch fabuliert?


Hi JH, 

was hatte ich denn über chemische Reaktionen geschrieben? Dass die Reaktionskinetik der Theorie Dynamischer Systeme unterfällt, wie alle quantitativen Theorien von Systemen, deren Zustände sich zeitlich ändern. Damit umfasst sie einen gigantischen Anwendungsbereich. Aber welche Rolle spielen in den chemischen Reaktionsgleichungen Temperatur, Energie und Entropie? 

In der Quantenchemie geht es darum, aus den Energiedifferenzen der Elektronenzustände der beteiligten Atome ihre Reaktionswahrscheinlichkeiten zu berechnen. Das wird aber erst mit Quantencomputern hinreichend gelingen. 

In der Physikalischen Chemie werden phänomenologische Reaktionsgleichungen formuliert und zu lösen versucht, was zumeist wenigstens numerisch befriedigend gelingt. Dazu wird in Lehrbüchern häufig von der ARRHENIUS-Gleichung ausgegangen, „nach der die Reaktanten bei ihrer Umbildung in Produkte einen aktivierten Zustand durchlaufen müssen, dessen Bildung eine charakteristische Energie erfordert. Dies war der Ausgangspunkt für die beiden wichtigsten Theorien zur Reaktionsgeschwindigkeit, die Stoßtheorie und die Theorie des Übergangszustandes.“ 

In einer Chemie für Ingenieure werden die chemischen Reaktionen in der Thermochemie bzw. der chemischen Thermodynamik behandelt, an die Du Dich wohl mit obiger Bemerkung erinnerst. Dabei geht es aber lediglich um phänomenologische und nicht um grundlegende Betrachtungen wie in der Quantenchemie. Dort ist letztlich die Schrödinger- bzw. die Dirac-Gleichung zu lösen, in die lediglich die Energien aller an den Reaktionen beteiligten Elektronen-Zustände eingehen. 

Begriffsgymnastisch formuliert gilt wiederum: Die Energie ist es bei chemischen Reaktionen, die die atomare Materie in molekulare Form bringt. 

Aber wie könnten „Naturgesetze" oder bescheidener ausgedrückt Physiker-Regeln immateriell sein, wenn sie stets in Hirnen bedacht, auf Papier geschrieben oder in Computern gespeichert werden? Und gilt das nicht für die Umgangssprache und die Mathematik insgesamt? Denn wie sollte etwas Immaterielles auf Materielles einwirken können in der zirkulären Folge Mensch - Theorie - Formel - Simulation - Experiment - Natur? Begriffsgymnastisch hoch lebe der Monismus!?  

IT