Am 27.03.2025 um 01:07 schrieb waldemar hammel über PhilWeb <philweb@lists.philo.at>:
Am 26.03.2025 um 16:12 schrieb "Dr. Dr. Thomas Fröhlich":
== auch dies ist zum teil bzwin den grundlagen weitgehend biologisch, physiologisch usw, also physikalisch aufgeklärt, und somit keine sache der philosophie mehr
wh.
Lieber Waldemar,
mit religöser Inbrunst hältst Du die Reinheit und Alleingültigket der physikalischen Welt aufrecht - sie umgibt Dich als das „Umgreifende“, wie Karl Jaspers im positiv konnotierten Sinn Religion bezeichnete.
hallo thomas,
obiges bestreite ich garnicht, außer das physik jetzt meine quasi-ersatzreligion wäre,
es ist so, dass ich in meinem leben (viel zu spät) mir bewusst-werdend bemerkt habe, dass mich alle "künste" geistig nicht wirklich weiterbringen können,
als einzig die "harten" naturwissenschaften, und innerhalb dieser die physik als meiner ansicht nach absolute grundlage-wissenschaft, und die mathematik als ihr quasi-metaphysischer überbau,
dies vor jahren begreifend und internalisierend habe ich dann vor jahren "umgesattelt", habe nochmals "muttermilch" zu mir genommen und die schulbänke gedrückt, und bin physiker geworden,
mit dem anspruch allerdings, da ich schon in den 50gern meines lebens stand, dass die inhalte des "studium generale" + meine bis-dahin lebenserfahrung auf etwa gleicher höhe wie die eigentliche
pure physik stehen, und erst im verlauf des ganzen habe ich zusätzlich auch begreifen können, wie sehr biologie, anthropologie, informationstheoriEN, semotik, kultur- und wissenschaftsgeschiche,
und sehr vieles mehr, allesamt nur einzelne dezidierte ausarbeitungen der letztlich physikalischen grundlagen sind, obwohl die meisten dieser "seitenfächer" historisch zum teil sehr lange vor der heutigen physik dawaren,
so eben auch mit der heutigen "philosophie", die aus dem magisch-animistischen weltbild (religiöses usw) allmählich zum heutigen zustand heranwuchs, der noch immer sehr weitgehend magisch-animistisch geprägt ist
(umberto eco: "das (geistige) mittelalter liegt auch heute noch auf allen (geistigen) straßen und wegen"),
Du scheinst die physik in ihrer tragweite und ihren bedeutungen gewaltig zu unterschätzen, wenn ich deine weiteren äußerungen unten lese, während ich bei allem und jedem immer erst nach den naturwissenschaftlich-
physikalischen grundlagen frage, ehe ich dann erst weiterdenke, denn diese grundlagen sind für mich "die von der natur selbst vorgebildeten "loipen", um überhaupt auch nur einigermaßen vernünftig weiterdenken zu können,
für mich ist insofern die natur-selbst meine mutter, mein vater, mein ratgeber, meine aufklärerinstanz, und auch meine zuflucht, wenn ich selbst oft nicht mehr weiter weiß, die natur ist mein geistiger und immer zuverlässiger überbau, denn mehr habe ich nicht,
und mehr hat kein mensch, trotz allem herumhampeln und großartigem getue (auch menschen sind nur tiere im unauflösbaren zusammenhang mit allem anderen leben auf dieser planetenoberfläche, und das meine ich keineswegs negativ,
sondern als demokratische sichtweise - jede einzelne überlebensfähige lebewesenart ist zb mit genau derjenigen intelligenz begabt, nicht mehr und nicht weniger, welche sie zum weiteren überlebenkönnen mit P>0.5 braucht,
und genauso auch mensch, der also keinen grund hat, sich als "sapiens-supersapiens" über seine mitlebewesen zu stellen, im gegenteil, wenn mensch so weitermacht wie bisher, wird er als art die nächsten 10.000, 100.000, oder
1 million jahre nicht überleben, und bleibt dann ein un-fälliger versuch, eine randnotiz, im gesamtbild irdischen lebens -- also weiter so, "wat kost' die welt?" => sehr möglicherweise unsere artliche existenz!)
Tatsächlich aber beruht Physik auf dem Anlegen von das Individuelle zu Gunsten eines auf alle zu messenden Anteile aufhebendem Verfahren, eben dem Anlegen von für jedweden zu messenden, daraufhin zu befragenden Gegenstand gleich gültigen und dessen Individualität gegenüber gleichgültigen Skalen: Gewicht, Masse, räumiche Distanz, zeitliche Distanz, Graavitation, Ladung, Spin, etc.. Struktur ist dann schon mehr deskriptiv, und für alles Individuelle jenseits seiner verallgemeinerbaren Aspekte taugt dieser messende und verallgemeinernde Zugang nicht.das obige würde zutreffen, wenn physik nur eine "messende" sache wäre, das ist aber nicht der fall, als das zu bemessende (die welt erst einmal ausmessen) in der physik lediglich dazu dient, das grundlegende, die puren fakten klarzuhaben, um dann auf dieser grundlage hart-begründbar-unterlegt weiterdenken zu können (und eben nicht in quasi-beliebige hypersemiosen zu verfallen) - und beweis: 200-300 jahre physik haben der menschheit mehr gebracht, als vorher jahrtausendelanges wähnen, vermuten,
Du kannst Dich nicht erinnern, zu dieser Zeit hier auf Erden gelebt zu haben? Somit bist Du auf Überlieferung angewiesen, musst - wie alle Menschen der Jetztzeit - glauben, was Historiker aus diesen vergangenen Epochen (mehr oder weniger faktisch, etwa durch Schriftfunde) zusammengetragen haben.
Wir sollten durchaus etwas gnädiger auf die Weltsicht unseren Vorfahren blicken. Erkenntnisse aus menschlicher Forschung zu Naturphänomen, wie etwa die Entstehung von Gewittern, konnten doch selbstredend erst gewonnen werden, als hinreichend gesichertes Faktenwissen dieses furiose meteorologische Geschehen erklärbar machten und Menschen somit schrittweise vom Glauben an Donnergötter sowie anderer Gottheiten der polytheistischen Religionen ablassen konnten.
Eigentlich, möchte man sagen, denn bis heute lebt der Bezug auf den Donnergott Donar/Thor in der Namensgebung unserer Sprache für den fünften Wochentag, dem Donnerstag weiter - Im Norden ist‘s der „Türsdei“, in Bayern/Österreich der „Pfinsta“. So erhalten sich mythische Bindungen an frühere Epochen unbeschadet der an die Jetztzeit angepassten Sprache.
Hinsichtlich des von Dir angeführten Siegeszugs der Physik liegt es doch selbstredend auf der Hand, dass es bezogen auf die Faktizität dieser wissenschaftlichen Disziplin keiner weiteren, gar metaphysischen Interpretation und somit keiner infiniten Semiose im Sinne hypersemiotischer Definition mehr bedarf.
Gänzlich anders verhält es sich mit jenem Themengebiet, dass die messbare, abzählbare, somit empirische Lebenswelt übersteigt. Menschen wie Du, die keinen inneren Zugang zu dieser intelligiblen Sphäre haben, können deren immer nur individuell wahrnehmbare Zeichenbedeutung letzlich nur als hypersemiotisches System annehmen, da dieses aus pur positivistischer Perspektive schlichtweg keine „Rechenschaft über sich selbst“ erkennen lässt.
Der nur subjektiv erkennbare Sinn dieses als Transzendental zu wertenden semiotischen Systems kann ausschließlich nur von Menschen erfasst und hinsichtlich seiner Bedeutung quasi als kosmisch „kulturelle Einheit“ empfunden werden, die sich damit in eine innere Beziehung bringen können. Für Christen geschieht das im Gebet, für andere in der Meditation, für alle weiteren bleibt es unerreichbar.
KJ