Am 14.03.2026 um 08:07 schrieb Rat Frag <rat96frag@gmail.com>:

Am So., 8. März 2026 um 17:17 Uhr schrieb Ingo Tessmann über PhilWeb <philweb@lists.philo.at>:

Auch wenn Naturphänomene kultürlich als Spiel aufgefasst und Atome algorithmisch entsprechend simuliert werden können, hat das nichts mit dem Lernen der Atome, sondern mit dem Lernen der simulierenden Menschen zu tun.  

Gemein war eher die Variante mit den zellulären Automaten.

Daran hatte ich auch gedacht, aber t’Hooft spricht in „The Cellular Automaton Interpretation of Quantum Mechanics"

von "The Cellular Automaton Interpretation as a general doctrine“. 

Wenn wir davon ausgehen, dass in einen gegeben Bereich des Raumes, etwa einer Plank-Länge, nur ein bestimmtes Partikel sein kann, kann man sich die Welt als eine Art sehr, sehr feines Schachbrett vorstellen. Dann kann jedes Quadrat verschiedene Zustände haben, z. B. gefüllt mit Teilchen A, B, C. Das wäre dann "Anzahl der Zustände" die diese kleinste Raumeinheit einnehmen kann. 

Ausgehen können wir von Vielerlei. Aber was hat das mit der Natur zu tun und ist nicht nur Simulation? 

Es geht nicht nur um Worte. Wer formale und inhaltliche Vergleiche über einen Kamm schert, ideologisiert. Auch wenn die Evolutionsprinzipien gleichermaßen für Mensch und Tier gelten, sind Mensch und Tier nicht physisch gleich. Meinem Eindruck nach hattest Du das so gesehen.  

Kultur ist dabei natürlich nicht 100% willkürlich, sondern unterliegt selbst eine Art "Selektion". Bestimmte kulturelle Einheiten (memes) reproduzieren sich. Andere nicht. Die nichtreproduzierten spielen natürlich in der nächsten Generation (oder so) keine Rolle mehr. 

Willst Du vielleicht darauf hinaus, dass Natur und Kultur als sich koevolutiv entwickelnd verstanden werden können? Aber auch das bliebe nur eine Prinzipiengleichheit. Vor etwa 70000 Jahren begannen Menschen zu sprechen, was auch als Erste Kognitive Revolution bezeichnet wird. Beginnend vor rund 40000 Jahren entwickelten Menschen eine erste Zeichensprache, bemalten Höhlenwände, formten Venusfigurinen und Löwenmenschen. Als Abgesang auf die Wildbeuterei kann die über 10000 Jahr alte Monumentalanlage von Göbekli Tepe angesehen werden, in der neben Tier- auch Menschtier-Mischwesen verewigt wurden. Vor ungefähr 6000 Jahren begannen Menschen in Sternbildern Symbolfiguren zu sehen. Über 3000 Jahre alt ist die Alphabetschrift. Erste Buchdrucke gehen auf das 9. Jahrhundert zurück und das Internet wurde 1983 aus dem ARPANET von 1969 entwickelt. Nunmehr wird im Zuge der KI-Fortschritte von einer Zweiten Kognitiven Revolution geschrieben. Lesenswert dazu ist das Buch „Eine kurze Geschichte der Menschheit“: 


Harari sieht die Erste Kognitive Revolution mit der fiktiven Sprache einhergehen, nämlich „dass wir uns über Dinge austauschen können, die es gar nicht gibt“. Das Schwafeln und Fabulieren ist bis heute die häufigste Sprachverwendung geblieben. Menschen leben lieber in Fiktionen oder Religionen denn in Realitäten oder Formalismen. Aber welche anderen evolutionsstabilen Mutationen hätte es geben können in der Hirnentwicklung vor 70000 Jahren?    

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