Lieber Arnold,

 

die von Dir angegebenen Vergleichsmaßstäbe und die gemessenen Aspekte sind sämtlich Strecken, Zeitstrecken, Raumlängen. Man kann auch Frequenzen hinzunehmen, etc.. Eine Strecke hat natürlich kein Volumen, da blüht nichts… Eine Strecke, eine Länge, ein Stab, ein Vergleichsmaßstab hat auch kein Innen.

 

Das geläufige Bild der Entfaltung als Ent-Wicklung suggeriert dagegen mindestens zwei, gerne auch drei „Dimensionen“.  Da es sich dabei um ein (von außen gesehenes) Vorgehen handelt, kommt noch die Dimension der für alles Vorgehen gleich geltenden Zeit hinzu.

 

Ist man selbst das sich Entfaltende, tritt zu dem sich selbst objektivierenden noch ein Blick von innen nach außen hinzu. Letzterer ist beschränkt, im „Standpunkt“ verwurzelt, er hat eine mitgestaltende Perspektive, und mit dem Standpunkt ein nicht willkürlich aufzuhebendes Zentrum des Blicks, und mit diesem Zentrum ein distinktes funktionales „Innen“. Zudem schreibt sich dieses Jeweilig-Sein nicht von selbst und garantiert wie eine ununterbrochene lineare Dimension fort. Es beginnt, hat eine Dauer, endet.

 

Auf dies letztere bezieht sich die Metapher oder das Bild des nicht rein räumlichen „Zeitraums“.

 

Was Du als Potenzial beschreibst, ist hier der „Standpunkt“, aus dem sich der Blick entfaltet, und dem das Wechselwirken, um mit Waldemar zu sprechen, oder das In-Resonanz-Geraten, um mit Ingo M. zu sprechen entfaltet. 

 

Viele Grüße, nochmal Danke für Deine perfekte Schilderung in der vorangegangenen E-Mail, 

 

Thomas


Am 03.03.2026 um 15:24 schrieb Arnold Schiller über PhilWeb <philweb@lists.philo.at>:

Lieber Thomas,

wenn ich 2,1 Mikrometer gemessen hätte, käme ich nicht auf den Gedanken, dieser Länge eine „Blüte“ zu verleihen. Die 7 Femtosekunden sind für mich ein ebenso nüchterner Fakt, wie wenn ich mich in einen Zug setze. Selbst wenn ich dort ganz ruhig rumsitze, weiß ich als Bestandteil des Systems Erde, dass ich mich die ganze Zeit bewege. Das weiß ich durch die Physik, aber ich „fühle“ oder „spüre“ es nicht – und es spielt für die Fahrt im Zug auch keine Rolle.

In dem Experiment werden Verhältnisse bestimmt. Niemand käme auf den Gedanken, bei einem 100-Meter-Weltrekord unter 10 Sekunden zu sagen, dass der Läufer sich in der Raumzeit organisch entfaltet hätte oder wir die Erdrotation berücksichtigen müssten. Das spielt für die Messung des Laufes keine Rolle, denn der Vergleichsmaßstab ist für alle Läufer auf 100 Meter gleich.

Das Unwichtige wird in der Physik einfach weggelassen, um die Verhältnisse klar zu bekommen. Da blüht nichts – da wird präzise verglichen.

Viele Grüße,
Arnold


--
https://arnold-schiller.de/

Am 03.03.26 um 11:33 schrieb "Dr. Dr. Thomas Fröhlich" über PhilWeb:
„..die mit der ... Messung den Zustand … herstellen“

„...zweite Messung eine Bestätigung einer Stabilität“...
 Hierzu: taugt folgende Aussage etwas? (Seid bitte gnädig mit meiner Sprache, das ist halt die, in der ich denke…).
 Messen (darunter auch das Messen einer Verschränkung) ist ja kein Rauschen, sondern ein auf vielen Ebenen in sich zusammenhängender Vorgang mit deutender Fähigkeit / Kompetenz. In unserem Zugang wäre er ein Prozessfragment, das mit einem weiteren, dem gemessenen Prozessfragment – sich wechselseitig deutend, auf kohärente und damit Kohärenz-erzeugende Weise interagiert.
 Die Interaktion zweier oder mehrerer sich wechselseitig „einvernehmender, inkorporierender“ Prozessfragment-Kohärenzen erzeugt dann ein in sich kohärierendes, sich überlagerndes, gemeinsam schwingendes sinngemäßes „Innen“, das in jedem Fall zeitlich, und nur in besonderen Fällen auch räumlich ist.
 Dieses auf jeden Fall zeitliche, gegebenenfalls auch räumliche „Innen“ ist ein zeitweilig gemeinsames Pulsieren, dessen beitragende Prozessfragmente in dieser Binnenhomogenität nicht mehr getrennt voneinander, sondern eben in aktivem Zusammentun vorliegen.
 Das gedanklich ungewöhnliche und bestreitbare, fragwürdige an unserem Zugang ist, dass wir voraussetzen, dass das zu Messende ohne Absicht, aber aus sich heraus, ihm immanent einen messbaren Aspekt anbietet und dessen Gemessen-Werden in das dann nicht mehr ganz eigene Vorgehen einbaut. Ebenso baut der Messende das am Gegenüber Gemessene (dessen dem Messen absichtslos sich anbietender Aspekt) in sein – dann nicht mehr ganz eigenes - Vorgehen ein.
 Das Schaffen eines – in jedem Fall zeitlichen „Innen“ aus wechselseitigem Einbau messender und gemessener Aspekte in das künftige eigene Geschehen schafft dessen Aspekt-Zeit als Zeitraum. Dieser wird nicht automatisch und unbedingt verlängert. Er hat stattdessen eine Begrenzung als Iterations-erzeugte oder Iterations-gestützte Dauer. Der Zeitraum öffnet sich also als kohärente Interaktion, und er schließt sich wieder mit deren Ende.
 Das Kohärent-Sein und das stets aufs Neue Kohärent-Werden entströmen dabei (gedanklich unterstellten, alle Zeitformen aufhebenden) Beständigkeiten, die wir Potenziale nennen. Durch hinreichenden Horizont ihrer Gleichzeitigkeit grundsätzlich assoziationsfähige Potenziale erzeugen die Prozessfragmente. Mit ihnen kann eine Resonanz beginnen. Deren gemeinschaftliche, sich aufeinander abstimmende und deshalb in sich stimmige Verwirklichung erzeugt dann besagtes „Innen“.
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