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Am 08.09.2022 um 07:05 schrieb Joseph Hipp über PhilWeb <philweb@lists.philo.at>:

Am 06.09.22 um 00:58 schrieb Karl Janssen über PhilWeb:

> Es geht auch nicht darum, einen „Mittelweg des Gott-Glaubens“ zu finden oder anzubieten: Entweder man glaubt an einen Gott oder eben nicht; hier gilt tatsächlich „tertium non datur“, da kein Mensch Wissen von einem Gott haben kann.

... kein "tertium non datur", führt das nicht zurück zur Pascalschen Wette, die zudem auch diesen Ausgangspunkt hatte? Das heißt, der Streit geht nicht über die Existenz, das Wissen, sondern über den Glauben.


Exakt das führt auf Pascal zurück, wir hatten hier schon darüber geschrieben und ich habe mich darüber ereifert, dass man quasi prophylaktisch einen Gottesglauben für den Fall hegt, dass es tatsächlich einen Gott gibt. 
Wer nur deshalb glauben und dafür ohne Sünde sein will, weil er sich den dafür verheißenen Platz zur Rechten eines Gottes sichern möchte, kann in keines Gottes Absicht resp. Willen handeln. Gutes Tun im Sinne ethischen Handelns kann nur aus dem eigensten Inneren und nicht durch ein jämmerliches Kalkül auf „jenseitige Belohnung“ motiviert sein.

Also, entweder man glaubt an einen Gott, weil man sich mit ihm (auf welche Weise immer) verbunden fühlt oder eben nicht.
Waldemars „es gibt Gott UND es gibt ihn nicht“ kann diesbezüglich nicht gelten. Es mag in Bonhoeffers Sicht gelten: „Den Gott, den es gibt, den gibt es nicht!“, was nichts anderes heißt, als „den Gott, den ihr Menschen euch erdenkt und schafft, den gibt es nicht!“
Es kann kein Wissen über Gott als die angenommene übernatürliche, also diese Lebenswelt transzendierende Wesenheit und daher keine andere Voraussetzung, keine andere Möglichkeit geben, als an diese zu glauben. Dessen ungeachtet geht Pascal davon aus, dass es einen Gott gibt (exclusives) ODER eben nicht.

Pascal sagt genau dieses: „Ihr sagt also, daß wir unfähig sind zu erkennen, ob es einen Gott giebt. Indessen es ist gewiß, daß Gott ist oder daß er nicht ist, es giebt kein Drittes.“ (aus Wikip, wie Du weißt)

Was Umweltzerstörungen anbelangt scheint hier analog dazu Einigkeit zu bestehen, jedoch nicht über die Hoffnung, den Fortschritt, oder und damit um die innere Einstellung, zudem um das Verhalten des Einzelnen. Dürfte Descartes nicht sagen: "Moment man, das wollen wir erst mal alles getrennt bedenken, wenn ihr das alles miteinander vermischt, könnt ihr nur streiten." Und dann höre ich Sätze wie: "Wir fangen mal klein an, jeder bei sich. Und wenn alle so tun wie wir, mit gutem Vorsatz, dann gelingt es auch." Geht das? Mit einigem ja, …

Also rechtfertigt und erzwingt  das doch geradewegs eine schon von jedermann zu übernehmende Verantwortung  (üblicherweise im Kleinen der Familie etc.) für umweltverträgliches Handeln.

mit allem geht das nicht.

Selbstredend! Aber, leger gesagt: Kleinvieh macht auch Mist, wenngleich als ziemlich untaugliche Metapher dahergebracht.

Wenn alle sagen: "Wir wollen alle unseren Urlaub auf dem Mond verbringen, irgendwann, wenn nicht wir, dann unsere Nachfahren, also fangen wir doch bitte damit an, etwas dafür zu tun." Und nicht alle wollen, können mitmachen.


So richtig habe ich diese Analogie nicht verstanden. Du willst damit wohl sagen, dass heutige Menschen es nicht ihren Nachfahren überlassen dürfen, sich mit der akuten Umweltproblematik auseinander zu setzen, sondern damit heute anfangen müssen, egal, ob alle wollen oder können.
D‘accord - selbstverständlich!

Bester Gruß!  - Karl
JH

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