Liebe Kolleg_innen,
wir möchten Sie herzlich zur nächsten Veranstaltung der *Werkstatt
Phänomenologie* einladen:
Dienstag, 13.01.26, um 18:00, Seminarraum 3A im NIG (Universitätsstraße 7,
1010 Wien), 3. Stock.
*Runder Tisch - Epoché: Zur Aktualität der Klammer*
*Beschreibung:*
Wie bei zahlreichen anderen prägenden Ereignissen unseres Lebens, können
sich die meisten von uns in die Situation zurückversetzen, in der sie zum
ersten Mal mit dem Wunder der Phänomenologie in Kontakt gekommen sind:
dominiert von Verwirrung, Unglaube, aber auch einem diffusen Versprechen,
eine neue Perspektive auf die Welt entdeckt zu haben. Die fast schon
unumgänglichen Startschwierigkeiten hängen dabei nicht zuletzt mit den
anspruchsvollen methodischen Voraussetzungen unserer Disziplin zusammen,
paradigmatisch ist dies an der Urteilsenthaltung der Epoché. Für unseren
ersten Runden Tisch der Werkstatt Phänomenologie haben wir uns daher
vorgenommen, dieses fundamentale Werkzeug ein wenig zu entzaubern und seine
Kritik und aktuellen Anwendungsfälle gemeinsam zu besprechen.
Die husserlsche Phänomenologie, wie sie in den Ideen 1 dargelegt wird,
findet ihre Grundlage in einer Geste, die genauso radikal wie umstritten
ist: der transzendentalen Epoché, d.i. der Einklammerung der Thesis
bezüglich der Existenz der natürlichen Welt. Diese zielt auf die Freilegung
des reinen Bewusstseins ab, das die Grundlage für jede neue Theorie werden
soll. Damit geht Husserl noch über den cartesischen Zweifel hinaus und
begründet eine philosophische Tradition, die diese Methode jedoch nicht
unhinterfragt übernimmt. Sowohl die bloße Möglichkeit einer solchen
Ausschaltung jeglichen Existenzurteils als auch die Reinheit des
phänomenologischen Residuums sind der Grund vielfältiger kritischer
Auseinandersetzungen.
Diese können sowohl ihre Historizität als auch ihre sozioökonomische
Situiertheit betreffen, insofern sie den Zugang zu einer reinen,
ahistorischen Transzendenz infrage stellen. Ist die Phänomenologie, wie
Adorno und Horkheimer behaupten, eine bürgerliche Philosophie? Aber auch
ihre grundlegend egologische Ausrichtung ist das Ziel bedeutender Kritiken:
Lässt sich die gesamte Phänomenalität auf eine Subjektivität reduzieren, so
transzendental sie auch sein mag, oder liegt hier nicht bereits eine
problematische Blindheit gegenüber der Irreduzibilität von
Alteritätsphänomenen, wie sie beispielsweise bei Levinas im Vordergrund
stehen? Und vergisst der Fokus auf das reine Bewusstsein nicht auch die
grundlegende Leiblichkeit jeder möglichen Erfahrung, wie sie bei
Merleau-Ponty betont wird?
Um diese und viele weitere Fragen an die Epoché zu diskutieren, möchten wir
euch am 13. Januar 2026 zu einem runden Tisch im Rahmen der
Veranstaltungsreihe Werkstatt Phänomenologie einladen. In mehreren
Beiträgen zu je zehn Minuten soll der Begriff grundgelegt und kritisch
diskutiert werden, um die Frage nach der Aktualität der Klammer im
philosophischen Tagesgeschehen zu stellen. Alle sind herzlich dazu
eingeladen, mitzudiskutieren, egal in welchem Abschnitt des Studiums ihr
euch befindet, bzw. ob und wie ihr universitär angebunden seid. Das Ziel
ist es, eine lebendige, kritische und gegenseitig wertschätzende Diskussion
zu ermöglichen, im Rahmen derer Verbindungen geknüpft und gestärkt werden
können. Für das leibliche Wohl wird gesorgt.
Für weitere Informationen und Kontaktmöglichkeiten:
https://phaenomenologie.univie.ac.at/forschung/werkstatt-phaenomenologie/
Wir freuen uns auf euch,
Claudia, Georg und Björn