Am 21.01.2026 um 01:44 schrieb Arnold Schiller über
PhilWeb <philweb(a)lists.philo.at>at>:
Am 20.01.26 um 09:09 schrieb Ingo Tessmann über PhilWeb:
Moin Karl, ich
habe nicht vom Maß aller Dinge geschrieben, erinnerte nur daran, dass die Umgangssprache
nicht weiter reicht als die Situationen, in denen sie eingeführt wurde. Du hattest auf
Wittgenstein verwiesen und so dachte ich, Du hättest es ernst gemeint mit der Reflexion
des Philosophen auf die Sprache. Was der Lebenswelt entstammt, kann nicht einfach aufs
Weltall bezogen werden.
Es unterschätzt imho die Kritik Wittgensteins. Jegliches mathematische Wissen ist eine
formalisierte Ableitung des sprachlichen Wissens. Tatsächlich scheitert die Mathematik
regelmässig dort, wo keine Werte sinnvoll interpretierbar werden. Im wahrsten Sinne am
Ende des Universums, wo glaube anfängt, aber kein Wissen mehr ist, weil "Vor der
Zeit" und "Keine Zeit" keine Werte sind, die mathematisch Sinn ergeben,
wenn etwas unterschiedslos zusammenfällt und eben nicht mehr logisch erschließbar und
formal abgeleitet werden kann. Das menschliche Denken an sich hat an solchen Grenzen noch
nie gestoppt. Physikalisch macht eine Berechnung an solchen Stellen teils keinen Sinn
mehr. Das unser Denken da falsch liegen kann wäre die unendliche Beschleunigung, die sich
als falsch erwies. Die Mathematik erlaubt dies durchaus, die Physik allerdings sagt da ist
c und das ist die Grenze.
Moin Arnold, Wittgenstein hat die Mathematik als Regelpraxis aufgefasst und Lorenzen
weiterführend aus dem Zählen entwickelt. Darüber haben wir hier wiederholt geschrieben.
Der konstruktiven Mathematik gegenüber outest Du Dich als Formalist, wenn Du schreibst:
„Jegliches mathematische Wissen ist eine formalisierte Ableitung des sprachlichen
Wissens.“ Formalisiert werden kann nur im Nachhinein, wenn schon gezählt werden kann. Du
verkennst die Handlungspraxis sowohl bei der Umgangssprache wie bei der Kunstsprache
Mathematik.
Mathematische Modelle des Universums können ohne Zeit auskommen, aber in ihnen gleichwohl
Zeit hervorgebracht werden. Physik schränkt Mathematik natürlich wesentlich ein, sowohl
prinzipiell wie empirisch, gleichwohl ist es sinnvoll, mathematisch über Physik
hinauszudenken. Die Quantengravitation lässt noch viele Fragen unbeantwortet, insbesondere
inwieweit die Naturkonstanten fix sind oder inwieweit die nichtlokalen Verschränkungen
kosmosweit relevant sind oder was jenseits der physikalischen Beschränkungen in höheren
Dimensionen oder jenseits des kosmischen Ereignishorizontes möglich sein mag. Bloßes
umgangssprachliches Fabulieren hilft da nicht weiter.
IT