Am Mo., 15. Dez. 2025 um 13:13 Uhr schrieb Ingo Tessmann über PhilWeb
<philweb(a)lists.philo.at>at>:
"Die Handlungen der Menschen sind die besten
Interpreten ihrer Gedanken.“ Und: „Die Beherrschung unserer Leidenschaften ist der wahre
Fortschritt in der Freiheit.“
Dem halte ich entgegen, dass die Umstände uns häufig kaum eine Wahl
lassen als zu reagieren.
Und der Versuch, alle Konflikte als Irrational, durch Gefühl her
kommend, zu fassen, greift doch zu kurz.
Zuvor lebten sie weitgehend friedlich.
Das klingt für mich so, als würden die Menschen grade in der Zeit,
über die wir kaum belastbare Aufzeichnungen haben, deiner Utopie
gefolgt sein.
Wie wissen aus Beobachtungen an Ureinwohner in allen Teilen der Welt,
dass diese durchaus bewaffnet mit anderen Gruppen aneinandergeraten.
Das ist auch keine Überraschung, denn wir finden solches Verhalten
auch bei anderen Lebewesen. Konrad Lorenzens Anthropologie, derzufolge
nur der Mensch zum Mord fähig ist, muss als Irrtum betrachtet werden.
Der theoretische Biologe Dawkins beschreibt im Buch "Das egoistische
Gen" sogar Konkurrenzverhalten zwischen Geschwistertiere (50% selbe
DNA!) im selben Nest. Einige schieben ihre ungeschlüpften oder
geschlüpften Geschwister heraus, um selbst mehr Nahrung zu kriegen.
Am Do., 20. Nov. 2025 um 08:08 Uhr schrieb Ingo Tessmann über PhilWeb
<philweb(a)lists.philo.at>at>:
Das „Nichts“ ist bloß wie so vieles Anderes ein
Sprachartefakt. Dabei zeigt die Mathematik so schön, wie nichts und alles ebenso wie
unendlich dem Horizont gleich als nie erreichbarer Grenzwert beliebig genau angenähert
werden kann.
Kannst du das näher erklären?
Identifizierst du das Nichts hier einfach mit der Null?
Am Mo., 8. Dez. 2025 um 17:17 Uhr schrieb Ingo Tessmann über PhilWeb
<philweb(a)lists.philo.at>at>:
Nietzsches literarisches Philosophieren und Rilkes
symbolistisches Dichten sagen mir eher zu als dogmatische Metaphysik.
Läufst du nicht Gefahr, "Anti-Metaphysik" in genauso ein starres
Korsett zu verwandeln wie irgendein Dogma auch?
Nur ist dein Dogma negativ. Du schließt eine bestimmte Art und Weise,
die Welt zu verstehen, aus. Nämlich die "metaphysische". Wie auch
immer die Welt sei, sie ist nicht "metaphysisch" zu verstehen.
Doch, was impliziert das eigentlich?
Am Sa., 13. Dez. 2025 um 10:10 Uhr schrieb tessmann--- über PhilWeb
<philweb(a)lists.philo.at>at>:
Ansätze eine noch offene Frage. Der Ansatz Valenkins
nimmt 1984 ein Quantentunneln buchstäblich aus dem Nichts an: CREATION OF UNIVERSES FROM
NOTHING. Um Mikro- und Makrokosmos zu überlappen, wächst das sphärische Universum aus der
fluktuierenden Vakuum-Energiedichte kontinuierlich auf die Größe an, die mindestens
erforderlich ist, um den Einstein-Gleichungen zu gehorchen. Eine Entstehung aus dem
„Nichts“ ist das natürlich nicht, aber warum wird es so umschrieben?
Erinnert mich an Krauss.
Es ist klar, dass manche Geister solches gerne hören. Damit hätte man
eine Antwort auf die lästige Frage nach dem Ursprung. Noch dazu eine
mit der Autorität der altersstarren, pardon, altehrwürdigen
Naturwissenschaften, die man den Aber-Gläubigen um die Ohren donnern
kann.
Am Mo., 15. Dez. 2025 um 01:40 Uhr schrieb Karl Janssen über PhilWeb
<philweb(a)lists.philo.at>at>:
die u.a. womöglich dem unguten geopolitischen
Geschehen geschuldet ist; Angesichts dessen scheint es bisweilen schwierig zu sein, in
philosophischen, gar metaphysischen Gedankenwelten zu schwelgen, wenn in einigen hundert
Kilometern Entfernung Menschen zu Tode kommen in einem so sinnlosen Krieg
Wenn das so ist, dann waren die geopolitischen Verhältnisse eigentlich
IMMER schlecht.
Kripke entwickelte seine Semantik während des Kalten Krieges, in
diesem Werk, wie ich betone, findet sich keine Spur einer
Auseinandersetzung mit den Blockkonfrontation zwischen den
kommunistischen Osten und Was-auch-immer der Westen damals war.
Sartre schrieb sein Werk über das Sein und das Nichts, in dem es um
phänomenologische Ontologie geht, während der Besatzung.
Russell & Whitehead schrieben ihr Werk über die Logik im Vorabend des
1. Weltkriegs; Wittgenstein lag sogar in den Schützengräben, während
er den Tractatus schrieb.
Kant entwickelte die Gedanken zu seinen Kritiken während in ganz
Europa Kabinettskriege geführt wurden. Ebenso Hume und Locke, bei
denen noch der Aufstieg des britischen Empires dazukommt.
Egal wie lange wie den Blick zurückwerfen und auf welchen Denker, man
findet immer irgendwelche politischen Wirren, aufsteigende oder
untergehende Imperien, staatliche Interessenkonflikte und
intrastaatliche Spannungen.
Mit der Philosophie (oder auch Wissenschaft oder Kunst, es ist hier
einerlei) zu warten, bis das die Verhältnisse endlich wieder ruhig
sind, bedeutet, sie für alle Zeiten auszusetzen.
Die Denker verfassen ihre Werke, entwickeln ihre Gedanken, immer
mitten in der Geschichte. Das bedeutet aber nicht, dass sie keinen
anderen Gegenstand als das offensichtliche haben dürfen.