Am 06.02.2026 um 17:44 schrieb ingo_mack über PhilWeb
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Im Vergleich zur Technik sehe ich Mathematik ähnlich wie Dessauer: Sie ist eine Schöpfung
aus menschlichem Denken, aber in einer abstrakteren, formaleren Dimension. Technik wendet
Ideen auf die physische Welt an, Mathematik hingegen fungiert oft als formales, ideales
System, das durch menschliches Denken und Struktur gestaltet wird, ohne direkt an
physische Realitäten gebunden zu sein.
Mathematik „ist eine Schöpfung aus menschlichem Denken“. Das ist mir zu pathetisch, wenn
nicht religiös formuliert. Mathematik kann nach dem Vorbild der Technik konstruiert
werden. Aber geht die Mathematik der Technik nicht systematisch voran? Was war zuerst da,
der Faustkeil oder die Zahl? Die Zahl natürlich. Mit der Physik wird dann an Mathematik
und Technik angeknüpft, so dass erdachte mathematische Strukturen in physischen Realitäten
gesehen werden können, ohne an einen platonischen Ideenhimmel glauben zu müssen.
Zentraler Streitpunkt bleibt also: „ohne direkt an
physische Realitäten gebunden zu sein.“ („Qui bono?“ ist hier eine sinnvolle Frage: Auch
wenn Mathematik formal und ohne direkten Bezug zur physischen Realität existiert, dient
sie als Werkzeug zur Erkenntnis, zur Modellierung der Welt und zur Schaffung von
Innovation. Ihr Nutzen liegt weniger in der materiellen, sondern in der epistemischen und
kulturellen Wirkung.)
Als Kunstsprache müsste Mathematik auch analog zur Umgangssprache bedacht werden können.
Zahlen, Terme, Theoreme, Beweise, Theorien entsprächen dann Buchstaben, Worten, Sätzen,
Geschichten, Romanen. Aber inwiefern gingen Grammatik und Semantik mit Logik und Struktur
parallel?
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