Am 01.02.2026 um 12:15 schrieb Rat Frag über PhilWeb
<philweb(a)lists.philo.at>at>:
Am Mo., 5. Jan. 2026 um 17:17 Uhr schrieb Ingo Tessmann über PhilWeb
<philweb(a)lists.philo.at>at>:
Da im
Kapitalismus (zumindest ideologisch) eher auf Konkurrenz denn auf Kooperation gesetzt
wird, werden die Menschen natürlich eher auf die Schimpansen bezogen; wobei die Bonbons
bereits 1929 entdeckt wurden! Zudem scheint mir die Moral eine wesentliche Rolle zu
spielen; denn Menschenaffen, die Konflikte friedfertig durch Sex beilegen, können doch
wohl für Moralisten kein Vorbild sein …
Ist das so? Also ich sehe Kapitalismus als hochkooperatives System. Nur eben eine
Kooperation auf Basis von letztlich egoistischen Interessen, mit allen damit verbundenen
Problemen.
Deshalb hatte ich ja "zumindest ideologisch" in Klammern ergänzt.
> Riedl schreibt von Lernschichten, die von der
molekularen bis zur kulturellen Ebene aus Erwartungs-/Erfahrungskreisläufen bestehen. Dir
scheint ein ähnliches Rationalitätsverständnis vorzuschweben (und Karl ein ähnliches von
Intelligenz).
Nein. Moleküle "lernen" in dem Sinne nichts.
Sie sind auch nicht rational oder irrational, jedenfalls sofern Wolfram's Ansatz nicht
bestätigt wird.
Wolfram’s Ansatz, nach dem komplexe Systeme algorithmisch nachvollzogen werden können, ist
schon vielfach bestätigt worden. Aber was soll das daran ändern, dass Moleküle nicht
lernen können?
… Der eine Satz beinhaltet einen theologisch sehr
aufgeladenen Begriff, den Begriff der "Sterblichkeit" durch den Menschen sich
von den Göttern unterscheiden. Der andere behandelt unanschauliche Objekte unseres
Denkens, Zahlen. Das Prinzip, dass diese beiden Sätze "applizieren" ist jedoch
das selbe: Der Modus Ponens …
Genau das selbe gilt auch für Spieltheorie und evolutionäre Spieltheorie. Die selben
abstrakten Prinzipien, die für rationale Agenten beim Spiel miteinander gelten, gelten
dann auch für Lebewesen, die sich in Konkurrenz fortpflanzen müssen.
Du gibst selbst gute Beispiele: Ein kluger Kaufmann folgt dem Gebot der Sparsamkeit,
deshalb sucht er für seine Logistik den kürzesten Weg. Photonen scheinen ebenfalls den
kürzesten Weg zu suchen.
Dass logische und mathematische Prinzipien auf verschiedene Gegenstandsbereiche anwendbar
sind, heißt nicht, dass die Gegenstandsbereiche außer in Hinsicht auf diese Prinzipien
vergleichbar seien. Noch viel gravierender ist die Gleichmacherei durch Worte; denn in die
wird ja hineingelegt, was immer Menschen dabei denken oder fühlen.
IT