Am 26.03.25 um 16:12 schrieb "Dr. Dr. Thomas Fröhlich" über PhilWeb:
Tatsächlich aber beruht Physik auf dem Anlegen von das
Individuelle zu
Gunsten eines auf alle zu messenden Anteile aufhebendem Verfahren,
eben dem Anlegen von für jedweden zu messenden, daraufhin zu
befragenden Gegenstand gleich gültigen und dessen Individualität
gegenüber gleichgültigen Skalen: Gewicht, Masse, räumiche Distanz,
zeitliche Distanz, Graavitation, Ladung, Spin, etc.. Struktur ist dann
schon mehr deskriptiv, und für alles Individuelle jenseits seiner
verallgemeinerbaren Aspekte taugt dieser messende und
verallgemeinernde Zugang nicht.
Moin Thomas,
Deine verengte Sicht auf die Physik habe ich wiederholt kritisiert.
Diesmal verweise ich auf die statistische Physik, aus der heraus ja die
letztjährigen Nobelpreisträger die KI vorangebracht haben. Mit der ist
es ja auch möglich ganz individuelle Gesichter und Sprechweisen durch
Nachbilden zu identifizieren. D.h. Physik ist nicht nur experimentell
messende, sondern auch mathematisch strukturierende Wissenschaft.
Die Wirklichkeit ist somit kein von Grund auf und
vorab homogenes
Universum der Allgemeingültigkeit der zur Deutung angewandten Skalen,
sondern ein heterogenes, das hinsichtlich der Individualitat aus
vielen Wlten mit je eigner Exitenz und Perspektive besteht. Hier ist
das Feld des Messbaren verlassen, man tritt in die Welt der
sprachlichen Beschreibung und des sprachgestützten Nachdenkens ein.
Über diese Welt ist auch die Welt des Fühlens und des Seins als
solchem, des Existierens zugänglich, wenngleich nie zu ersetzen und
nie vollständig zu erschließen.
Nicht nur die sprachliche Beschreibung und das
sprachgestützte Denken
geht über die homogenisierte Allgemeingültigkeit hinaus, auch die
mathematische Beschreibung und das mathematische Denken einschließlich
der technischen Simulation geht über das Feld des Messbaren hinaus. Die
Welt des Seins als solchem erreicht die Mathematik eher als die
Umgangssprache und die Welt des Fühlens ist nur erlebbar und lediglich
näherungsweise (qualitativ) versprachlich- und (quantitativ)
mathematisierbar.
Die perceptio clara et distincta setzt immer an schon
vorab gedanklich
voneinander abgesetzten „Gegenständen“ an, ein Gedankenfehler, der in
der empirischen Zugangsweise aristotelischer Philosophie vermieden
wird. Hier heißt es: Alles wird an dem eerkannt, was es zu leisten
vermag - und das bedeutet, dass es um das Erschließen einer vermuteen
Leistungs- alias Verwirklichungsfähigket für beobachtete (nicht nur
gemessene) Vorgänge geht, um das Erstellen von den Grund vermutenden
Hypothesen.
Auch mit Bezug auf Aristoteles hat sich doch gezeigt, welche produktive
Rolle in der Quantentheorie die potentielle Energie hat, wenn sie größer
als die Gesamtenergie angenommen wird und damit der intendierten
Verwirklichungsfähigkeit entspricht -- etwa beim radioaktiven Zerfall,
der ja schon durch Schwärzung von Photoplatten beobachtbar war. Die
Sinne sind nicht nur durch Sprache, sondern auch durch Mathematik und
Simulation zu erweitern. Warum verengst Du immer wieder die
offensichtliche Vierheit auf eine bloße Dualität?
IT