Am 04.01.2026 um 11:11 schrieb tessmann--- über
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Dein Verständnis von „rational“ ist zu eingeschränkt. Gemeinhin wird unter rational ein
Denken verstanden, das bewusst, reflexiv und sprachlich nachvollziehbar ist. Dir scheint
eher vorzuschweben, was Riedl mit „ratiomorph“ umschreibt, nämlich ein funktionales
Verhalten, das außersprachlich evolutionär bestimmt ist.
Als Beitrag zum ratiomorphen Verständnis menschlicher Gehirnaktivität können
psychophysische Experimente herhalten, bei denen zwei Schlüsselprinzipien identifiziert
werden konnten, „die das Gehirn zur Vorhersage des Zeitpunkts von Ereignissen verwendet:
Das Gehirn verwendet dieselbe grundlegende Wahrscheinlichkeitsberechnung, unabhängig
davon, ob ein Ereignis in wenigen hundert Millisekunden oder in mehreren Sekunden erwartet
wird. Das bedeutet, dass das Gehirn die Zukunft über verschiedene Zeitspannen hinweg – bis
zu mindestens drei Sekunden – auf konsistente Weise vorhersagt. Gleichzeitig schärft die
Wahrscheinlichkeit das Zeitgefühl. Denn wenn ein Ereignis zu einem bestimmten Zeitpunkt
wahrscheinlicher ist, verfolgt das Gehirn die Zeit präziser. Ist es dagegen weniger
wahrscheinlich, wird auch das Zeitgefühl ungenauer.“ Soweit aus der Pressemitteilung. Und
hier die Originalarbeit: "The anticipation of imminent events is time-scale
invariant“:
https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.2518982123
IT