Am 09.02.2026 um 13:05 schrieb ingo_mack über PhilWeb
<philweb(a)lists.philo.at>at>:
Die anhaltende Gleichsetzung von Vektorraumnähe mit „Verstehen“ halte ich für einen
Kategorienfehler.
Arbeiten wie /The strange geometry of skip-gram with negative sampling/ zeigen gerade
nicht, dass Modelle
Semantik „abbilden“, sondern dass ihre Geometrie primär ein Artefakt der
Optimierungsdynamik ist.
Hi IM, ob Artefakt oder Möglichkeit zur Vereinfachung der Optimierungsdynamik ist noch
eine offene Frage.
Nähe im Raum bedeutet statistische Kompatibilität,
nicht Bedeutungsähnlichkeit im menschlichen Sinn.
Wer dennoch von „Verstehen“ spricht, dehnt den Begriff so weit, dass er jedes
funktionierende System einschließt –
vom Sprachmodell bis zum Thermometer, das „den Winter erklärt“.
Ich hatte nur vom anzustrebenden Verständnis der Geometrien geschrieben, nicht von
„Verstehen“ allgemein; denn LLMs ahmen Grammatik und Semantik der Umgangssprache mithilfe
mathematischer Methoden anhand viele Texte ja nur nach. Aber was machen Kinder beim
Nachplappern anfänglich anders? Wann setzt „Verstehen" ein? Wenn Kinder Sprache
verallgemeinert von ihrer Lebenswelt zu gebrauchen lernen? Gemäß KI unterscheiden
Kognitionsforschende vier Lernphasen: LLM-artige Korrelationen (6-9 Mon.),
Referenzbildungen (9-12 Mon.), Intentionen (1,5-2 Jahre), Konzeptbildungen (2-4 Jahre).
Biologisch gesehen beruht das Sprechenlernen auf dem ratiomorphen Apparat, dem auch die
LLMs nachkommen. Die Rationalität des Verstehens beginnt erst mit den Konzeptbildungen —
und deren Reflexionen.
Das Überschreiten der Lebenswelt zum Weltall hin soll erst mit 7-10 Jahren beginnen. Und
was die KI noch mitteilte: „Der Schritt vom „Hier“ zum „Kosmos“ ist wahrscheinlich
derselbe kognitive Mechanismus, der auch Mathematik ermöglicht.“ Jedenfalls ist Mathematik
die Sprache, mit der Menschen über ihre evolutionäre und lebensweltliche Reichweite
hinauszudenken vermögen. Und dann wird die KI geradezu metaphysisch: „Manche Philosophen
und Kognitionsforscher glauben, dass Sprache selbst nur ein Spezialfall dieser allgemeinen
Abstraktionsfähigkeit ist, während Mathematik deren reinste Form darstellt. Das würde
bedeuten, dass Grammatik, Zahl und Kosmos Ausdruck desselben geistigen Prinzips sind.“
IT