ZUSATZ:
Ich habe einmal geschrieben, dass Humes Argumentation in gewissermaßen
die moderne semantische Vorstellung von Folgerung vorwegnimmt.
Das ist so definiert, dass ein Satz b aus einem anderen Satz a folgt,
wenn jedes Model, das a erfüllt, auch b erfüllt.
Man kann sich das vereinfacht als Wahrheitstabelle vorstellen, wie man
sie aus der Aussagenlogik kennt.
Ebenso machte ich fälschlich den Eindruckt, Hume würde den Syllogismus
vervollständigen wollen.
(1) Wir sagen bisher immer, dass die Sonne aufgeht.
(K) Auch morgen wird die Sonne wieder aufgehen.
Beides war falsch. Ich habe die modernere Ansicht auf einen Autor des
18. Jahrhunderts zurückprojeziert.
In Wahrheit war, wie ich kürzlich gelesen habe (Millican 1996), Hume
beeinflusst von Locke. Locke wiederum nahm an, dass eine Art Beweis
die Übereinstimmung oder nicht-Übereinstimmung von Ideen anzeigt.
Locke löste den proportionalistischen Entwurf auf. Er ging also nicht
von Aussagen aus, die wahr oder falsch sein können, sondern er
analysierte diese Aussagen als Ideen und diese Ideen können
miteinander übereinstimmen und nicht.
Wenn also B aus A folgt, so heißt das, dass die Idee von Nicht-B der
Idee von A widerspricht.
Von diesem Vorverständnis scheint Hume in seiner
Schlüsselargumentation gebracht gemacht zu haben, nicht, wie ich
unterstellte, eine Art psychologistischer Modelltheorie (B folgt aus
A, wenn die Vorstellung von A mit B ausbleibend nicht möglich ist).