Hi IM,
Hans Wehrli schreibt in seinem Buch „Metaphysik. Die Chiralität als Grundprinzip der
Physik“:
„Die Metaphysik ist eine Disziplin der Philosophie. Für die Metaphysik gelten die
folgenden drei Feststellungen:
1. Die Metaphysik will zu Erkenntnissen gelangen, die über die Wirklichkeit oder über
bestimmte Teile der Wirklichkeit informieren. Sie macht also Aussagen, die synthetisch und
nicht analytisch sind – mindestens ist das die Absicht. Allerdings gibt es auch
Philosophen, für welche diese Unterscheidung irrelevant ist.
2. Die Thesen und Aussagen der Metaphysik lassen sich nicht empirisch, das heisst durch
Beobachtungen oder Experimente nachprüfen. Es handelt sich also um synthetische Aussagen
apriori. Das bedeutet, dass es Aspekte der Wirklichkeit gibt, die nicht direkt
wahrgenommen werden, sondern die Bedingung für die Wahrnehmung sind.
3. Die Metaphysik soll mit ihren Resultaten über das hinausführen, was auf
einzelwissenschaftlichem Weg prinzipiell erreichbar ist. Sie befasst sich mit den Dingen,
die ”jenseits der Physik“ sind. Sie strebt nach Ergebnissen, die in Bezug auf Sicherheit
oder Allgemeinheit den einzelwissenschaftlichen Erkenntnissen weit überlegen sind.
Die Metaphysik beginnt also dort, wo die einzelwissenschaftliche Forschung mit ihrem
Latein am Ende ist. Das ist ein stolzer Anspruch, der die Metaphysik (und zum Teil auch
die Mathematik als Teilwissenschaft der Metaphysik) während 2000 Jahren zur Königin der
Wissenschaften machte. Doch mit dem Fortschritt der Naturwissenschaften wurde die
Metaphysik immer weiter zurückgedrängt. Es gab immer weniger Fragen, die noch ”jenseits
der Physik“ gestellt werden konnten. Naturwissenschafter und zunehmend auch die
Philosophen selbst fragten sich, ob die Metaphysik mehr sei, als blosses Herumtappen, ob
man die Metaphysik überhaupt brauche.“
Einstein war auch Metaphysiker, indem er Invarianzforderungen zu Grundprinzipien der
Physik erklärte. Bei Görnitz ist die Protyposis grundlegend und Wehrli erhebt die
Chiralität zu einem Grundprinzip.
IT
Am 17.03.2025 um 19:19 schrieb ingo_mack über PhilWeb
<philweb(a)lists.philo.at>at>:
… diese „MetaPhysik in der Philosophie wird vermutlich "ewig" weitergehen:).
hier ein Ansatz:
Wir beginnen mit der Betrachtung zweier gängiger Weisen, kritische Metaphysik zu
begreifen. Laut der ersten (und polemischen) Konzeption analysiert kritische Metaphysik
nichts anderes als die Form des Denkens und verpasst damit den eigentlichen Punkt der
Metaphysik, nämlich die Form der Realität zu untersuchen. Laut der zweiten (und
affirmativen) Konzeption geht kritische Metaphysik von der angenommenen Einsicht aus, dass
die Form der Realität nicht anders sein kann als die Form des Denkens, und es daher nicht
notwendig ist, etwas anderes als diese Form zu analysieren. Wir argumentieren, dass die
erste Konzeption zu schwach und die zweite zu stark ist. Anschließend skizzieren wir eine
alternative Konzeption der kritischen Metaphysik, die sowohl in Kants B-Deduktion als auch
in der Art und Weise zu finden ist, wie Barry Stroud kürzlich die Möglichkeiten der
Metaphysik untersucht hat. Laut dieser Konzeption muss eine richtig verstandene kritische
Metaphysik in zwei Schritten vorgehen: Erstens muss sie die allgemeinste und notwendige
Form jeglichen Denkens untersuchen, das überhaupt auf eine objektive Realität gerichtet
ist; zweitens muss sie untersuchen, wie diese Form des Denkens zu der Realität in
Beziehung steht, die sie zu repräsentieren beansprucht. Im Gegensatz zu Kant bleibt Stroud
jedoch skeptisch gegenüber der Möglichkeit eines zufriedenstellenden Übergangs vom Denken
zur Realität in der Metaphysik. Wir argumentieren, dass diese Unzufriedenheit auf einer
Vorstellung von Objektivität und Realität als vollständiger Unabhängigkeit vom Geist
zurückgeführt werden kann. Dann skizzieren wir eine alternative Vorstellung von
Objektivität und Realität als Unterscheidbarkeit von Subjekten und Denkvorgängen und
argumentieren, dass es diese Vorstellung ist, die es Kant mit seinem Transzendentalen
Idealismus ermöglicht, den für jede zufriedenstellende Metaphysik notwendigen Übergang zu
vollziehen, nämlich den Übergang von der Form des Denkens zur Realität.
(Quelle:
https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/dzph-2019-0006/html?lang=de)