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Am 28.03.2025 um 03:51 schrieb Joseph Hipp über
PhilWeb <philweb(a)lists.philo.at>at>:
Am 28.03.25 um 03:01 schrieb Karl Janssen über PhilWeb:
an Waldemar Hammel:
Gänzlich anders verhält es sich mit jenem
Themengebiet, dass die messbare, abzählbare, somit empirische Lebenswelt übersteigt.
Menschen wie Du, die keinen inneren Zugang zu dieser intelligiblen Sphäre haben, können
deren immer nur individuell wahrnehmbare Zeichenbedeutung letzlich nur als
hypersemiotisches System annehmen, da dieses aus pur positivistischer Perspektive
schlichtweg keine „Rechenschaft über sich selbst“ erkennen lässt.
In der Wendung:
"jenem Themengebiet, dass die messbare, abzählbare, somit empirische Lebenswelt
übersteigt"
ist eine Erweiterung des "messbar, abzählbar" auf "empirische
Lebenswelt". Gemäß einiger oder aller (?) Mathematiker gehört "die abzählbare
Welt" gerade nicht zu der "empirischen Welt", eventuell sogar zu einem Teil
der von dir angesprochenen metaphysischen Welt. Was sagte Aristoteles dazu?
An Aristoteles habe ich nicht gedacht, als ich diesen Passus (durchaus salopp und gewohnt
verschraubt) schrieb. Diesbezüglich bezog ich die intelligible Sphäre als jenes
Themengebiet, das sich der Gedankenwelt dieses irdischen Gegenstandsbereichs (platt
ausgedrückt: dem Umgangssprachlichlichen, dem üblichen Alltagsdenken entzieht. Somit ist
dieses Thema in der Metaphysik verortet, dem eigentlich nur gedanklich, also geistig
zugänglichen Bereich dem sog. Intelligiblen. Diese Sphäre ist demnach keinem (Er)Messen,
Abzählen, Erzählen, sondern oberflächlich nur der Vermutung und unglücklicherweise blindem
Glauben zugänglich.
Ein anderer Zugang wäre das von mir benannte „in Resonanz kommen“ durch Kontemplation, für
Christen ggf. durch Gebet, für andere durch Meditation u.ä. Vertiefungen geistiger Art.
Das wird hier nicht gerne gehört, wenn ich von Feldern spreche, mit denen man einzig durch
mentale Prozesse in Verbindung (quasi Überlagerung von Wellen) vergleichbar mit der
physikalischen sog. konstruktiven Interferenz. Umgangssprachlich sagt der Volksmund „auf
gleicher Wellenlänge sein“ wenn man sich gegenseitig versteht, wenn die „Chemie stimmt“.
Was anderes als (Informations-)Felder sollten denn die von mir benannte intelligible
Sphare konstituieren? So jedenfalls stelle ich mir diese geistige Ebene vor. Und wenn die
Menschen von einem Gott reden, sich gar als dessen Ebenbild wähnen, kann es dabei niemals
um materielle, sondern einzig um geistige Körperlichkeit, eher noch um Geist-Gestalt
gehen.
Ich höre es schon wieder: Da spricht einer von Geistern und Göttern wie der Blinde von der
Farbe. Es ist hier genug zu und über Gottesvorstellungen geschrieben worden, eigentlich
ist alles zum vielfach wiederholten Mal erörtert und diskutiert. Warum nur verfällt man
immer auf‘s Neue auf diese anthropomorphen Denkmuster?
Das wussten schon die alten Griechen: „Wenn sich Dreiecke einen Gott denken, ist er ein
Dreieck, wenn sich Ochsen diesen denken, ist er ein Ochse, wenn sich Menschen einen Gott
machen, ist er ein ..
Zu den Fremdwörtern hier: Wir haben hier doch schon so oft zu diesem Themenkreis
geschrieben und daher gehe ich davon aus, dass wir Aktiven hier durchaus mit der etwas
„spezifischen Fachterminologie“ vertraut sind.
Vielleicht eine kleine Episode hierzu: Vorzeiten kam ich nach der allerersten Vorlesung im
Fachgebiet Philosophie nachhause und las nochmal meine Mitschrift durch (damals wurde vom
Prof noch an die Kreidetafel gepinselt). Da wimmelte es nur von Fremd- und Fachwörtern und
da bringt auf Anhieb auch kein Schul-Latein Abhilfe. „Sauber, das fängt ja schon gut an“,
dachte ich mir und habe das Fremdwortlexikon meines Vaters geschnappt, um darin mühsam die
entsprechenden Übersetzungen zu suchen. Wie einfach ist es doch heute, wo uns diese Mühe
durch elektronische Medien in Sekundenschnelle abgenommen wird.
So eben auch die Möglichkeit, die Bedeutung von Transzendenz nachzulesen. Dieser Begriff
leuchtete mir sehr schnell ein, als ich ihn zum ersten Mal richtig zu verstehen hatte. Es
geht dabei um ein Übersteigen der körperlichen Gegenständlichkeit dieser realen
Lebenswelt, eben hinein oder hinaus in das benannte Intelligible.
Soweit ich es erinnere, war es Dag Hammarskjöld (Zweiter UN-Generalsekretär), der den
Begriff des Intelligiblen populär gemacht hat. Und weil ich hier gerade an ihn denke und
glaube, dass eine Passage aus einer seiner Reden gut hier zum Thema passt, möchte ich mir
erlauben, daraus zu zitieren:
„Allzu oft beschränken sich unser Lernen, unsere Erkenntnis und unsere Meisterschaft auf
Techniken und wir vergessen darüber den Menschen als solchen. […] Wenn ich in dem
Zusammenhang von »Erkenntnis« spreche, meine ich nicht die, die wir aus Lehrbüchern
erlangen können, sondern jene Erkenntnis, die wir ausschließlich dem Studium unserer
selbst und unserer Mitmenschen verdanken, einem Studium, das inspiriert ist von
aufrichtigem Interesse und das mit Demut verfolgt wird.
Die Tür zum Verständnis des Gegenübers, mit dem Sie es vielleicht im Geschäftsleben, in
der Politik oder auf dem internationalen Parkett zu tun haben werden, besteht in einem
besseren Verständnis Ihrer selbst, denn die andere Seite ist grundsätzlich natürlich aus
demselben Stoff gemacht wie Sie.“ (D. Hammarskjöld)
Die Wendung:
"Menschen wie Du, die keinen inneren Zugang zu dieser intelligiblen Sphäre..."
enthält implizit mindestens eine Vermutung, die der sie Aussagende abweisen könnte, dass
diese Menschen jedenfalls noch nicht an der Krone der Schöpfung angelangt sind.
„Krone der Schöpfung“ - wollte man diesen Begriff wirklich ernst nehmen, ist da nich eine
Menge Luft nach obern, eben hin zur Krone. Man sollte dabei aber nicht verkennen, dass es
durchaus Menschen gab und gibt, die diesem Ideal nahe sind.
Die "intelligible Sphäre" (bei Schopenhauer
vielleicht der Intellekt)
Definitiv nicht!
ist wiederum ein Wort (nicht Einzahl von Wörtern,
sondern Einzahl von Worten), die gerade "nur" das "Hochschulwissen"
bearbeiten kann, und nicht darüber hinaus die "geistige Sphäre", die vermutlich
angesprochen wurde.
Der nur subjektiv erkennbare Sinn dieses als
Transzendental zu wertenden semiotischen Systems kann ausschließlich nur von Menschen
erfasst und hinsichtlich seiner Bedeutung quasi als kosmisch „kulturelle Einheit“
empfunden werden, die sich damit in eine innere Beziehung bringen können.
Wieder einmal: "Schade um die anderen", die nicht in den Genuss dieser Sache
kommen können.
Das muss jeder für sich sehen und reflektierend beurteilen, so wie Du es hier ja
vornimmst.
"keine „Rechenschaft über sich selbst“ erkennen
lässt"
Ich verdränge eine Vermutung, hieraus eine moralische Abwertung zu lesen.
Keinesfalls eine Abwertung, schon gar nicht moralisch!. Es ging um das Prinzip der Semiose
und diesbezüglich um den Rezipienten als eigenständige Instanz, die selbstredend keine
Rechenschaft über sich selbst erkennen lässt.
... geschieht das im Gebet, für andere in der
Meditation, für alle weiteren bleibt es unerreichbar.
Ist die Sache nur in dieser Zeit erreichbar, dann kann der Anspruch verfliegen, daran
alle Stunden, Wochen usw. teilzunehmen. Und wieder die implizite Bemerkung: "Schade
um die anderen, die das nicht tun, tun wollen oder können."
Warum beziehst Du das Geschriebene auf Dich oder andere? Ich habe diese Aussage
beispielhaft auf Christen bezogen, die sich im Gebet mit benannter intelligiblen Wesenheit
verbinden. Das entspricht meiner diesbezüglichen Vorstellung und so schreibe ich darüber,
jedoch nie im Sinne einer Aufforderung, allenfalls einer Anforderung.
So kann schließlich auch vom "Sport" gesagt
werden: " ... geschieht durch die sportliche Beschäftigung, die anderen werden kaum
zu Superagern." Insgesamt entsteht die Frage, ob die Beschäftigung mit der speziellen
Sache sich auf die andere Zeit auswirkt. Kann nicht auch gesagt werden, dass dieses
implizite Denken, gemäß dem "die anderen" noch nicht ... angelangt sind, zu
vielen Streitereien führt, die ohne dieses Denken nicht möglich wären?
Wenn Du das so interpretierst, trifft es für Dich ggf. zu. Das Problem bei dieser
Schreiberei hier ist schlichtweg, dass man sehr leicht immer vom „wir“ und „man“ und damit
immer auch verallgemeinernd schreibt. Man darf sich halt nicht gleich jeden geworfenen
Schuh anziehen.
Bester Gruß!
Karl