Am Fr., 7. Nov. 2025 um 15:51 Uhr schrieb tessmann--- über PhilWeb
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versuch mal ohne Metaphysik auszukommen und Worte wie
Vernunft, Erkenntnis oder Ding zu vermeiden.
Ich bin kein Metaphysiker, jedenfalls würde ich mich nicht so bezeichnen.
Ich bin allerdings auch schon aus der Phase heraus, in der ich jeden
Verdacht der Metaphysik empört zurückweisen würde.
Etwas in Augenschein nehmen und eine Messung anstellen
sind nicht vergleichbar. Den Augenschein ermöglicht uns einfach der Sehsinn. Eine Messung
dagegen erfordert methodisches Vorgehen.
Jede Messung ist theoriegeladen, d.h. ihre Korrektheit setzt eine
bestmmte Theorie darüber, wie die Dinge funktionieren, voraus.
Ein Teleskop und ein Mikroskop etwa setzen eine Theorie der Optik,
sogar eine Theorie der menschlichen Wahrnehmung voraus. Beispielsweise
Marskanäle oder die ersten Zeichnungen von Mikroorganismen, die E.
Haeckel veröffentlichte.
Spätesntes bei so etwas wie der Messung der kosmischen
Hintergrundstrahlung oder den Nachweis von Teilchen am CERN setzt
ausgesprochen komplizierte Messstatistik voraus und bestimmte Theorien
über z. B. den Zerfall von Teilchen. Man kann nämlich beispielsweise
das Higgs-Boson einfach feststellen. Man erkennt es an bestimmten
Zerfallsprodukten, die durch eine Theorie vorhergesagt wurden und
deren "Messung" wiederum besteht darin, dass bestimmte Sensoren ein
vorhergesagtes Muster zeigen, das jedoch innerhalb einer
Fehlertoleranz.
Mit anderen Worten, was da am Cern passiert ist ziemlich "pneumatisch"
(= luftig) und abstrakt.
Augenscheinnahme dagegen ist etwas anderes.
Zwar kann man auch hier von einer Theoriegeladenheit sprechen, aber
der Fall liegt nicht mehr so klar. Es gibt natürlich Phänomene, bei
denen man sich nicht auf die Augen verlassen darf. Massenhysterien,
optische Täuschungen, absichtlicher Betrug etc.
Der Augenschein ist wesentlich näher an der Basis, davon, wie wir die
Welt sehen.
Durch Messhandlungen können übereinstimmende
Ergebnisse erzielt werden, wenn sie methodisch korrekt ausgeführt werden. Durch bloßes
Denken können weder Sinnesempfindungen noch Messergebnisse erlangt werden
Entschuldige, wenn ich darüber nur Schmunzele.
Relabilität, also die Eigenschaft, bei verschiedenen Messungen das
selbe Ergebnis zu erzielen, ist etwas anderes als Validität, also die
Übereinstimmung zwischen Messergebnis und Wirklichkeit.
Wenn die Gemeinschaft der Wünschelroutengänger verbindliche Standards
festlegt, dann könnte es sein, dass die Wünschelroutengänger auch zu
99,99% immer das selbe Ergebnis hervorbringen. Um zu testen, ob das
Ergebnis korrekt ist, müssen wir aber nachschauen ob da wirklich eine
Wasserader ist oder nicht. Und das müssten wir auf anderen Methoden
als wiederum einen anderen Wünschelroutengänger zu beauftragen.