Am 30.03.2025 um 03:47 schrieb Karl Janssen über
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Mathematik als sog. Hilfswissenschaft reicht nicht in den Bereich des Intelligiblen. Das
kann schon deshalb nicht sein, weil Mathematik als Hilfswissenschaft eben von Menschen
erdacht und eingeführt wurde. Bezüglich der ihr innewohnenden Axiome werte ich Mathematik
jedoch gleich einem grundlegenden, also naturgesetzlichem Prinzip.
Das ist sehr salopp gesagt und entspricht meiner Sichtweise auf dieses grossartige
Werkzeug, welches auch Ingenieure mit zwei linken Händen und zehn Daumen benutzen können.
Glücklicherweise haben wir auch die Gesetzmäßigkeit der Chiralität, derer sich alle
erfreuen können, die ihre beiden Hände tagtäglich zum Einsatz bringen können:-))
Moin Karl,
gibt es in den Wiederholungen unseres Mailaustausches überhaupt noch eine Variabilität,
die weitere Diskussionen sinnvoll erscheinen lassen? Du beschränkst Mathematik immer
wieder auf eine Hilfswissenschaft, um sie dann nicht fürs Intelligible hineinreichend
ansehen zu können. Merkst Du gar nicht mehr, dass Du Dich damit gleich einer
selbsterfüllenden Beschreibung bloß selbst bestätigst? Ich hatte ja auf Wittgensteins
Empfehlung verwiesen, Metaphysisches möglichst auf Umgangssprachliches zurückzuführen. Und
Lorenzen hat dann ja ausgehend von der Alltagspraxis nicht nur die Philosophie, sondern
auch die Wissenschaften methodisch rekonstruiert.
Methodisch konstruktiv werden Sprache und Mathematik gleichursprünglich und
nachvollziehbar aus der Alltagspraxis entwickelt. Natürlich kannst Du beide im
Handlungsschema als Hilfsmittel betrachten. Warum aber die Einschränkung auf die
axiomatische Mathematik und nicht erst einmal mit der konstruktiven beginnen? Zudem ist
nicht nur die Kunstsprache Mathematik, sondern auch die natürliche Sprache
menschengemacht. Mit Bezug auf Wittgenstein hatte ich ja darauf verwiesen, dass Mathematik
und experimentelle Wissenschaften zeigten, wovon nicht mehr gesprochen werden könne.
Wenn wir nun „intelligibel" vom traditionellen Bildungsbalast befreien und schlicht
umgangssprachlich als denkbar auffassen, was bleibt dann von Deinem Ansinnen, die
Mathematik, aber nicht auch die Umgangssprache in ihre Schranken zu verweisen? Und zum
Denken kommt ja noch das Fühlen und beide sind sowohl umgangssprachlich wie mathematisch
nur annäherbar. Die Umgangssprache ist begrenzt durch ihr Hervorgehen aus dem alltäglichen
menschlichen Umgang. Die Mathematik beginnt auch in der Alltagspraxis, wird dann aber über
die ersten zählenden Anfänge hinaus bis ins quantitative Unendliche erweitert.
Was sprachlich alles denkbar ist, halte ich weitgehend für phantastisch oder mystisch;
denn Worte, die keinen Bezug zu der von allen Menschen teilbaren Außenwelt haben, bleiben
nur selbstbezogen. Mit ihnen gebildete Sätze machen Literatur und spezieller literarische
Philosophie aus, über die endlos palavert werden kann. Die lese ich auch, beharre aber
nicht auf ihre Gültigkeit, sondern lasse mich bloß anregen oder unterhalten. Anders geht
es in der methodischen Philosophie zu, wie sie bspw. vom frühen Wittgenstein und späten
Lorenzen betrieben wurde. Die beharrt nicht auf Selbstgewissheit, sondern kann prinzipiell
auf Gültigkeit überprüft und wie die Wissenschaften verbessert werden.
Bei Dir scheint es mir metaphorisch und phantastisch nahezu beliebig durcheinander zu
gehen im literarischen Philosophieren. Und wenn es an Nachvollziehbarkeit mangelt,
versteigst Du Dich darauf, dass es womöglich an mangelndem Talent oder Vermögen liege, Dir
nicht folgen zu können. Da es aber kein besonderes philosophisches Talent oder Vermögen
gibt, halte ich Dein Festhalten daran lediglich für Selbstschutz oder Immunisierung. In
der Literatur ist das unproblematisch, der Philosophie aber unzuträglich.
IT