Am 03.09.22 um 03:57 schrieb waldemar_hammel über PhilWeb:
> und holt man in schwierigen fällen nicht erst die rate mehrerer ärzte
> ein (braincluster), ehe man sich unters messer legt ?
ja,
>
> 5 köpfe sind zusammen tatsächlich schlauer als einer = diesbezüglich
> ist meine ansicht äußerst "sozial".
>
Es hängt davon ab, ob du entscheiden kannst, wer bessere Sätze sagt oder
besser tut als der andere, dann müsstest du in dem Sinne eine gute
Urteilskraft haben
Oder wenn du von ihnen als Gruppe "überzeugt" wirst, nachdem sie
abgestimmt haben, und du würdest dich ihrer Entscheidung unterordnen,
dann würdest du so tun als hätte Gustave le Bon nie gelebt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Gustave_Le_Bon
> ist meiner meinung nach auch wahrscheinlichkeit. einer kann über ein
> sich stellendes problem leichter irren als mehrere köpfe zusammen, die
> sich darüber austauschen =
> die entscheidung ist dann am ende "wasserdichter".
Das wäre wie vor gegen Le Bon
>
> (wenn ich zb eine "firma" hätte, würden alle mitarbeiter inkl mir
> selbst "das gleiche" verdienen + nicht weniger, sondern keine
> hierarchie + alle würden jeweils gemeinsam entscheiden, usw,
> aufbau wie gehirn, denn der die feile am schraubstock schwingt ist
> systemisch genauso wichtig wie der ingenieur, der ihm den bauplan dazu
> liefert)
>
Mit dem Unterschied, dass der Bauplan dann befolgt werden muss. Und wenn
ich nicht mitschwingen will, was dann? Noch eine Erhöhung: Erwin
Grochla, ein Unternehmenswirtschaftsprofessor, (er wurde nicht alt),
ging sogar so weit, zu sagen: "Einige wünschen sich eine Freudsche Couch
in jeder Firma, um Konflikte zu lösen."
>
> tieregruppen mit leithammel-funktion funktionieren intern sehr anders
> als menschgruppen, daher ist das nicht vergleichbar, oder gar 1:1 zu
> setzen, oder hättest du zb lust, wie bei wölfen,
> dass sich die leitwölfin zuerst vollfrisst, und du nur die reste bekommst?
>
Richtig, und hier setze ich an, mit meinem Laienwissen. Denn kürzlich
habe ich gelernt, dass einerseits Ziege und Schaf zwei Arten sind, und
im Film, dass Ziegen sehr intelligent sind, fast oder genauso wie Hunde:
https://www.youtube.com/watch?v=DmYg7PInEsg Ausgefuchste Ziegen |
Tierisch schlau! | ARTE. Dort habe ich auch gelernt, wie wichtig
Autorität und Hackordnung ist. In einem anderen Film über Hyänen fand
ich heraus, dass diese eine strenge Hierarchie haben, und was noch
interessanter ist: Die Frauen haben den höchsten Rang, und die
schlechtest gestellte Frau steht über dem höchsten Mann. Karl,
entschuldige für meine Anthropomorphisierung. Nachweis:
https://de.wikipedia.org/wiki/Hy%C3%A4nen ... "Die Männchen sind den
Weibchen stets untergeordnet". Ich schreibe das nur, nicht zum
Vergleich. Über Geister und Götter ist mir zu wenig bekannt, so dass ich
nicht wissen kann, ob es dort auch hierarchische Strukturen gibt, und ob
sie dort erforderlich sind. Wie ist es mit geistigen Rangordnungen?
Steht bei moralischen Entscheidungen die eine Sache über der anderen?
Statt zu denken, dass die Person A über Person B steht, ist es in
theoretischen Sachen wie Physik oder gar bei Moral so ähnlich? Muss bei
Moral eine Person fiktiv dazu gefügt werden? Oder erklärt sich Moral
dann nur besser? Das habe ich nur ohne zu denken hingeschrieben, es ist
vielleicht Geschwafel. Umgekehrt dachte Fritz Lang, als er in etwa
sagte: "Ich bin nicht besonders gläubig, aber ohne Glauben kann es keine
Moral geben." Schwafelte er auch? Ist was Wahres an Folgendem: "Gott
sieht alles, und wenn Kinder das denken, dann tun sie weniger
Dummheiten. Gott ist für Kinder so was wie die Polizei für die Erwachsenen."
Waldemar, bitte korrigiere mich, wenn das nicht genau richtig ist. Karl
kann mich selbstverständlich auch kritisieren. Und Ingo seine
Paper-Links mitteilen. Das Thema Konkurrenz ist ja auch noch da. Wenn KI
mit anderer KI konkurriert, was dann?
JH
Die große Hitzewelle ist vorbei – zumindest in unserem Landstrich. Sie scheint nicht nur ganze Regionen in Wüsten verwandelt zu haben, sondern auch die Gehirne. „Geist als Anordnung von Neuronen“ heißt es im laufenden Thread und wen sollte es dann wundern, wenn rundum derzeit nur eher spärliche Geistesleistungen im gesellschaftlichen wie politischen Alltag zu erkennen sind.
Können Neuronen vertrocknen? Im weiteren Sinne offenbar sehr wohl, nämlich bei extensiver Nichtnutzung.
Geist und Neuronen, wie geht das überhaupt zusammen? Geist als Ansammlung sensorischer, motorischer oder sonstiger Interneuronen? Wenn dieses zuträfe, müssten augenblicklich die Fakultäten der Philosophie des Geistes schließen, da Neurowissenschaften das „Geheimnis“ des Geistes und mit ihm sogleich jenes des Bewusstseins und den damit in Verbindung stehenden Psychologismen bereits gelüftet hätten.
So könnte es allenfalls nur heißen: Gehirn als Ansammlung von Neuronen, was gleichwohl nach heutigem Wissensstand der Neurologie einer „Binsenweisheit“ gleichkommt, über die nicht mehr diskutiert werden muss. „Muss nicht – aber kann“, heißt es so oft und man könnte nun die Frage stellen:
Was stellt das Gehirn als Ansammlung von Neuronen an, damit es als Ort mentaler Prozesse eben diese zu verarbeiten vermag. Etwa hinreichende Aufmerksamkeit zu erzeugen, um das alltägliche Leben zu meistern.
„Wer ist aufmerksam“, fragte kürzlich Joseph hier in die Runde und gab zugleich die in eine Frage gekleidete Antwort: „Das Gehirn“.
Für mein Teil spreche ich diesbezüglich eher von Gehirn und ZNS (zentrales Nervensystem).
Es ist aber nicht das Gehirn/ZNS (als Ansammlung von Neuronen) an sich aufmerksam. Aufmerksamkeit eines Lebewesens kann immer nur durch mentale Interaktion mit der Außenwelt gegeben sein. Es ist also Waldemars perrenierendes Credo von der Wechselwirkung schlechthin. Umso mehr verwundert es, wenn er im gleichen Atemzug von der Welt und der diese bewohnenden Lebewesen als selbstreferentielle, quasi hermetisch von jeglichen Außeneinflüssen abgeschlossene Gebilde spricht, die sich aus Grundelementen gemäß einer Planck-Größe konstituieren. Alles Entwicklungsgeschehen wird als rein mechanistische Angelegenheit definiert - zufällig, sinnfreie Wechselwirkung zwischen materiellen Substanzen, allenfalls den (wo oder wie auch immer herrührenden) Gesetzen der Evolution (als dem „göttlichen Gesetz“ der Atheisten und Mechanisten) folgend. Das klingt zwar in einer Art plausibel, direkt so, als wäre das Phänomen Leben endgültig verstanden; doch im Ergebnis ist man weit davon entfernt.
Es ist schlichtweg die enorme Komplexität biologischer Systeme, die hier immer noch einem abgeschlossenen und vor allem ganzheitlichen Verständnis der Körperlichkeit und der damit verbundenen mental prozessualen Vorgänge in ihrer Ganzheit entgegen steht.
Nichtsdestoweniger sollte die Menschheit die Erforschung ihrer Lebenswelt und vor allem auch des Phänomens von Leben schlechthin weiter betreiben und sich nicht auf ideologisch festgezurrte Denkmodelle resp. Dogmen festlegen, was auch für kümmerliche Weltbilder des Reduktionismus und Konstruktivismus gilt; denn es bleibt dabei: reduziert man das Phänomen Leben auf seine molekularen Bestandteile, entschwinden alle wesentlichen Eigenschaften, die seine Eigentlichkeit, seine Vitalität und seine essentiell erforderliche Aufmerksamkeit für sein Umfeld ausmachen.
Bester Gruß in die Runde! - Karl