Am 14.03.2026 um 09:00 schrieb Rat Frag
<rat96frag(a)gmail.com>om>:
Am Mi., 11. März 2026 um 15:51 Uhr schrieb Ingo Tessmann über PhilWeb
<philweb(a)lists.philo.at>at>:
Und wieviele
Menschen äßen noch Fleisch, wenn sie selber schlachten müssten bzw. wüssten wie es in der
Massentierhaltung zugeht?
Ich sehe hier einen direkten Bezug zu meinen Beitrag über den Kult, der seinen Anhängern
keine Landwirtschaft erlaubt.
Und wie weit verbreitet ist dieser Kult?
Es geht nicht
um individuelle Konflikte (die es mindestens solange gibt, wie es Menschen gibt), sondern
um organisierte gesellschaftliche Konflikte, bspw. um Geschlechtergleichbehandlung,
Eigentums- und Erbrecht.
Das Eigentumsrecht löst aber ebenfalls gewisse Konflikte, z. B. wem der Hammer gehört,
den Schmidt oder den Zimmermann.
Schmied und Zimmermann können sich auch einfach auf eine gemeinsame Nutzung einigen. Du
vermengst wieder gesellschaftliche mit individuellen Problemen.
Soweit ich weiß gibt es Gesellschaften, die im Rahmen
der Kategorisierung der "europäischen" Wissenschaften wohl als in der Steinzeit
lebend betrachtet würden, und die denoch sowas wie Stammesfehden und Krieg kennen. Wir
lesen z. B. über die Rachekriege Papua-Neuguinea oder bei den Yanomami.
Um den Vorwurf vorwegzunehmen: Das sage ich nicht, um diese Völker oder Kulturen als
"primitiv" im Vergleich zu den Europäern darzustellen. Die europäische
Geschichte ist voll von Kriegen und Gewalt! Hier stelle ich eher gleich, was sich so sehr
ähnelt.
Du scheinst gerne mit Ausnahmen gegen die Regeln zu argumentieren; aber führt das weiter?
Entscheidend
bleibt, wie Autorität legitimiert wird.
Aus der Sicht von Intellektuellen (und Akademikern) wäre es sicherlich wünschenswert,
wenn Autorität durch Kompetenz legitimiert wird. Das ist allerdings problematisch, denn
Kompetenz allein stellt nicht sicher, dass diese Kompetenz auch im Interesse "des
Guten“ gebraucht wird.
Eine "Expertokratie" von
Wirtschaftsfachleuten, Kriminologen etc. könnte zum Beispiel auf die Idee kommen, ihre
Theorien in der Gesellschaft zu testen. Dies wäre möglicherweise nicht im Interesse der
Mitglieder der Gesellschaft, die lieber ein zufriedenes Leben haben wollen als ihre
Gesellschaft umzuformen für den Erkenntnisgewinn. Hinzu kommt, dass Kenntnisse z. B. der
Wirtschaftswissenschaften nicht alle Menschen gleichermaßen interessiert.
Die das Internet kontrollierenden Oligopole machen seit Jahren soziale Experimente zur
Steigerung ihrer Profite und die Mrd. User machen auch noch gerne dabei mit.
In der sog. "westlichen Welt" sind wir dazu
übergegangen, Herrschaft durch die Zustimmung der Beherrschten zu begründen.
Philosophisch formuliert kommt es einem Wandel
vom LOGOS zum MYTHOS gleich.
Das halte ich für den Mythos des "edlen Wilden", zurückprojeziert in die frühe
Steinzeit.
Observatorien folgen rationalem, Heiligtümer mythischem Denken, so hatte ich es gemeint.
Und welche historischen Annahmen werden nicht rückprojiziert? Historiker haben immer das
Problem, vergangene mit gegenwärtigen Denkweisen interpretieren zu müssen und sie
dialektisch anzunähern. Lorenzen hat das Verfahren ja als „historisch-faktische Genese“
ausformuliert. Und war nicht die Formulierung vom „Mythos zum Logos“ 1940 erstmals benutzt
worden von Wilhelm Nestle?
https://archive.org/details/vommythoszumlogo0000drwi
In „Nebra: Biographie eines Himmelsbildes“ schreibt H. Meller in „Vom Logos zum Mythos“
https://www.researchgate.net/publication/276266559_H_Meller_Nebra_Vom_Logos…
<https://www.researchgate.net/publication/276266559_H_Meller_Nebra_Vom_Logos_zum_Mythos_-_Biographie_eines_Himmelsbildes_In_H_MellerF_Bertemes_Hrsg_Der_Griff_nach_den_Sternen_Wie_Europas_Eliten_zu_Macht_und_Reichtum_kamen_Internationales_Symposium_in_H>
„Archäologische, technische und naturwissenschaftliche Analysen lassen fünf verschiedene
Phasen der Entwicklung der Bildwerke auf der Himmelsscheibe erkennen. In Phase 1 wurde die
Himmelsscheibe als scheinbar einfaches Himmelsbild mit 32 Sternen, Sichel- und Vollmond
bzw. Sonne geschaffen. In Phase 2 wurden am rechten Rand zwei Sterne entfernt,
anschließend seitlich die beiden Horizontbögen aufgebracht. Dabei wurde Stern 23a
beschädigt und versetzt. In Phase 3 wurde am unteren Rand der Himmelsscheibe ein Schiff
angebracht. In Phase 4 wurde die Himmelsscheibe rundum gelocht und wahrscheinlich auf
einem organischen Trägermaterial montiert. In Phase 5 wurde der linke Horizontbogen
abgerissen, die Himmelsscheibe somit disfunktionalisiert und den Göttern auf dem
Mittelberg bei Nebra geopfert."
Soweit ich weiß waren z. B. medizinische oder andere
Kenntnisse bei den alten Ägyptern eingebettet in ihre Religion. Es ist daher zu vermuten,
es war bei diesen prä-historischen Bauern wohl ebenso. Ich gehe davon aus, dass die
Priester-Astronomen damals wohl auch die ersten Astrologen war. Hintergrund war eine
Beobachtung, nämlich, dass z.B. das Erscheinen von bestimmten Sternbildern im Zusammenhang
mit Naturereignissen stehen. Die Schlussfolgerung wird dann gewesen sein, dass diese
Sternbilder auch Macht über andere Dinge haben.
Ich bezog mich auf den Übergang von der prädynastischen auf die dynastische Phase.
IT