Hallo IT, Hallo Rest der Welt:)
ist es tatsächlich eine Frage nach der universalität der verwendeten
Begriffe oder geht es jetzt in Richtung Bedeutungsdarwinismus?
ich hab das mal nach meinem Verständnisvermögen untersuchen lassen und
die vorläufigen Ergebnisse
in 3 Pdfs mit "KI-Geschwurbel" gepackt.
Am 08.04.26 um 14:41 schrieb tessmann--- über PhilWeb:
> Das sind Bezüge auf die zufälligen, gewählten oder erzwungenen
Lebenspfade eines Menschen im Raum seiner Möglichkeiten. Aber wie
universell sind sie? D.h. wie geht umgangssprachliche Metaphorik in
mathematische Physik über? Und inwieweit entsprechen Metaphorik der
Lebenswelt und Mathematik dem Weltall?
keine ahnung ob ich damit dem Kern deiner Frage näher gekommen bin
oder ob es Dir nicht doch um etwas ganz anderes geht?
gruss aus der Diaspora
ingo mack
3 Anhänge 240 KB
1.:Minimalaxiomensystem für Bedeutungsdarwinismus & gekoppelte Domänen
(69,2KB)
2.:präzise formale Darstellung meines Modells – so formuliert,
dass sie vortragsfähig bleibt und nicht in reine Symbolik kippt (94,3KB)
3.:Formale Einordnung des „Bedeutungsdarwinismus“ als gekoppeltes
Systemmodell (76,4KB)
Dunkle Materie als Schatten der anderen Zweige
/Fortsetzung zu: Warum das Universum vielleicht ein Baum ist/
/Warum das Baummodell vielleicht doch falsifizierbar ist — und was das
mit den 95% des Universums zu tun hat, die wir nicht sehen können./
Im ersten Artikel habe ich eingestanden, dass mein Modell noch nicht
falsifizierbar ist. Kein Experiment, kein Test, keine Möglichkeit es zu
widerlegen — damit ist es streng genommen keine Physik. Aber dann fiel
mir etwas auf, das ich im ersten Artikel noch nicht zu Ende gedacht hatte.
01 · Das Unbehagen hinter dem Unbehagen
Karl Popper hat das Kriterium formuliert, das gute Wissenschaft von
Metaphysik trennt: Eine Theorie muss falsifizierbar sein. Sie muss eine
Vorhersage machen, die prinzipiell scheitern kann. Einsteins
Lichtkrümmung durch die Sonne war genau das — man hätte sie nicht messen
können, und dann wäre die Allgemeine Relativitätstheorie widerlegt
gewesen. Man hat sie gemessen. Sie stimmte.
Eine Theorie, die alles erklären kann, erklärt nichts. Das Universum
könnte aus einer Schildkröte entstanden sein — oder einem Elefanten,
oder einem rosa Einhorn. Plausibel im Sinne von „nicht widerlegbar“.
Aber das ist Glaube, nicht Physik.
Mein Baummodell hatte dieses Problem. Es ist konsistent mit allem, was
wir beobachten — aber es sagt nichts voraus, was die Standardkosmologie
nicht auch sagt. Andere Sprache, gleiche Ergebnisse. Das ist unbefriedigend.
„Eine Theorie, die sich allem anpasst, passt zu nichts.“
Und dann dachte ich weiter. An die Normierung. An die
Wahrscheinlichkeitssumme. Und plötzlich war da ein Gedanke, der sich
anders anfühlte.
02 · Was wir sehen — und was wir nicht sehen
Wir sehen etwa 5% des Universums direkt. Sterne, Galaxien, Gas, alles
was leuchtet oder Licht absorbiert. Die restlichen 95% sind unsichtbar:
27% Dunkle Materie, 68% Dunkle Energie. Man nennt sie „dunkel“, weil man
nicht weiß, was sie ist — nicht weil man weiß, dass sie dunkel ist.
Das ist keine Kleinigkeit. Wir haben ein Modell des Universums, in dem
wir 95% des Inhalts nicht kennen. Das sollte jeden stören.
*Für die Putzfrau erklärt:* Stell dir vor, du machst eine Inventur
deines Hauses und findest heraus, dass du nur 5% deiner Möbel sehen
kannst. Die restlichen 95% existieren offenbar — Wände biegen sich,
Türen lassen sich nicht öffnen, irgendetwas ist da — aber du kannst es
nicht direkt ansehen. So geht es Physikern mit dem Universum.
03 · Der Kerngedanke: Energie verteilt sich auf alle Zweige
Im Baummodell gilt an jedem Verzweigungspunkt: Die Summe aller
Wahrscheinlichkeiten ergibt 1. Die Gesamtenergie ist erhalten. Aber
diese Energie verteilt sich auf alle Zweige — auf alle möglichen
Realisierungen des nächsten Zustands.
Wir leben in einem dieser Zweige. Wir messen nur die Energie, die sich
in unserem Zweig realisiert hat. Die Energie der anderen Zweige ist für
uns nicht zugänglich — sie liegt in Realisierungen, die ebenso wirklich
sind wie unsere, aber kausal von uns getrennt.
Wenn das stimmt, dann ist die Frage nicht: Wohin ist die Energie
verschwunden? Sondern: Wie viel Energie entfällt strukturell auf unseren
Zweig?
Summe aller |psi_i|^2 = 1
→ Gesamtenergie erhalten, verteilt auf alle Zweige
E_sichtbar = |psi_unser_Zweig|^2 * E_gesamt
→ Wir messen nur unseren Anteil
E_dunkel = (1 - |psi_unser_Zweig|^2) * E_gesamt
→ Der Rest: strukturell unsichtbar
Beobachtung: Wir sehen rund 5% der Energie. Das bedeutet, unser Zweig
trägt etwa 5% des Gesamtgewichts. Die restlichen 95% verteilen sich auf
die anderen Realisierungen — die wir Dunkle Materie und Dunkle Energie
nennen, weil wir sie nicht direkt messen können.
04 · Und jetzt kommt der entscheidende Schritt
Wenn unser Zweig rund 5% des Gewichts trägt, und der Verzweigungsfaktor
b beschreibt wie viele gleichwahrscheinliche Zweige an jedem Schritt
entstehen, dann folgt eine konkrete Zahl:
1/b ungefaehr 0.05
→ unser Energieanteil
b ungefaehr 20
→ das Universum verzweigt sich in etwa 20 gleichwahrscheinliche
Zustaende pro Planck-Zeitschritt
H = log(b) ungefaehr log(20) ungefaehr 3.0
→ die daraus folgende Expansionsrate
Das ist eine konkrete Zahl. Keine freie Anpassung, kein Drehen an
Parametern. Wenn b ungefähr 20 aus der kosmologischen Expansionsrate
unabhängig bestimmbar ist — und es kommt nicht 20 heraus — dann ist das
Modell widerlegt.
*Das ist der Poppersche Test:* Das Modell macht eine Vorhersage, die
scheitern kann. Wenn die unabhängig gemessene Expansionsrate einen
Verzweigungsfaktor b ergibt, der nicht mit dem 5%-Anteil der sichtbaren
Materie übereinstimmt — Modell falsch. Wenn beides zusammenpasst —
Modell interessant.
05 · Der Haken — und warum er lösbar sein könnte
Es gibt ein ernstes Problem. Dunkle Materie wirkt gravitativ. Sie formt
Galaxien, erklärt warum sich Galaxien schneller drehen als sie dürften,
hinterlässt Spuren im kosmischen Mikrowellenhintergrund. Das setzt
voraus, dass die „unsichtbare“ Energie irgendwie in unsere Raumzeit
hineinwirkt.
Im Baummodell sind die anderen Zweige aber kausal getrennt. Keine
Verbindung, keine Wechselwirkung. Wie kann etwas gravitativ wirken, das
per Definition nicht erreichbar ist?
Hier liegt die entscheidende Weggabelung. Zwei mögliche Antworten:
*Antwort 1 — Die Hintergrundmetrik:* Die realisierten Zweige der
Vergangenheit sind zwar kausal abgeschlossen — aber ihre Struktur hat
die Geometrie des Raumes geformt, in dem wir uns bewegen. Die Dunkle
Materie wäre dann kein Objekt, sondern eine geometrische Eigenschaft des
Graphen selbst — ein Abdruck der Verzweigungsgeschichte.
*Antwort 2 — Schattenwirkung an der Verzweigungsfront:* Nur die aktive
Front des Baumes — die gegenwärtigen Verzweigungen — erzeugt Gravitation
im üblichen Sinn. Die vergangenen Strukturen bilden eine Art
Hintergrundfeld, das sich wie Dunkle Energie verhält: gleichmäßig
verteilt, nicht direkt messbar, aber in der Expansion wirksam.
*Zur Klarheit:* Diese beiden Antworten sind Skizzen, keine Beweise.
Welche davon — wenn überhaupt eine — mathematisch konsistent
ausformuliert werden kann, weiß ich nicht. Das ist die Arbeit, die ich
nicht leisten kann.
06 · Was ein Experiment messen müsste
Wenn das Modell stimmt, gibt es drei konkrete Signaturen, die es von der
Standardkosmologie unterscheiden würden:
*1. Die Verteilung der Dunklen Materie* sollte der Verzweigungsstatistik
des Graphen folgen — nicht zufällig, sondern mit einer spezifischen
Korrelationsstruktur, die aus der Graphtopologie folgt. Aktuelle Surveys
wie Euclid oder DESI kartieren genau diese Verteilung. Wenn die
Filamentstruktur des Universums eine andere statistische Signatur hat
als die Standardkosmologie vorhersagt — und diese Signatur mit einer
Graphstruktur übereinstimmt — wäre das ein Hinweis.
*2. Die Diskretisierungssignatur:* Eine diskrete Raumzeit auf
Planck-Skala sollte hochenergetische Gammastrahlen minimal
unterschiedlich schnell ankommen lassen — energieabhängige
Lichtgeschwindigkeit. Das Fermi-Teleskop sucht seit Jahren danach.
Bisher kein Befund — aber die Grenzen werden enger. Wenn das Modell eine
spezifische Dispersionsrelation vorhersagt, ist das testbar.
*3. Der Verzweigungsfaktor b aus zwei unabhängigen Messungen:* Einmal
aus der kosmologischen Expansion — wie schnell wächst das Universum?
Einmal aus dem Verhältnis sichtbarer zu unsichtbarer Energie. Wenn beide
denselben Wert b ergeben, ohne dass man einen angepasst hat, ist das
kein Beweis — aber ein außerordentlich starkes Indiz.
Der Test in Kurzform:
b aus Expansionsrate =?= b aus Energieverhältnis
log(b) = H_eff (Expansion impliziert b)
1/b = Omega_sichtbar ungefaehr 0.05 (Energieanteil impliziert b)
Wenn beide b gleich → Modell konsistent
Wenn nicht → Modell widerlegt
07 · Was das bedeutet — und was nicht
Ich behaupte nicht, dass dieses Modell richtig ist. Ich behaupte, dass
es — wenn die drei fehlenden Teile aus dem ersten Artikel ausgefüllt
werden — prinzipiell falsifizierbar wäre. Das ist der Unterschied zur
Schildkröte.
Die Schildkröte macht keine Vorhersage. Sie erklärt alles, also erklärt
sie nichts. Das Baummodell, wenn es fertig wäre, würde sagen: b muss
ungefähr 20 sein. Es würde sagen: die Verteilung der Dunklen Materie
muss diese statistische Struktur haben. Es würde sagen: die Dispersion
hochenergetischer Photonen muss diesen Wert haben.
Drei Vorhersagen. Drei Möglichkeiten zu scheitern. Das ist Physik.
„Es reicht nicht, dass eine Theorie stimmen könnte. Sie muss auch
scheitern können.“
Ob sie tatsächlich stimmt — das weiß ich nicht. Aber die Frage ist jetzt
schärfer gestellt als vorher. Und das ist, glaube ich, das Beste, was
ein Laie tun kann: eine Frage so stellen, dass sie beantwortbar wird.
------------------------------------------------------------------------
/Dies ist die Fortsetzung von Warum das Universum vielleicht ein Baum
ist
<https://arnold-schiller.de/warum-das-universum-vielleicht-ein-baum-ist/>.
Die formalen Grundlagen finden sich im Addendum des ersten Artikels.
Rückmeldungen von Menschen mit Hintergrund in Quantengravitation,
Kosmologie oder Graphentheorie sind ausdrücklich willkommen./
--
https://arnold-schiller.de/
Hallo,
wieder eine summarische Antwort:
Am Mo., 5. Jan. 2026 um 17:17 Uhr schrieb Ingo Tessmann über PhilWeb
<philweb(a)lists.philo.at>:
>Da im Kapitalismus (zumindest ideologisch) eher auf Konkurrenz denn auf Kooperation gesetzt wird, werden die Menschen natürlich eher auf die Schimpansen bezogen; wobei die Bonbons bereits 1929 entdeckt wurden! Zudem scheint mir die Moral eine wesentliche Rolle zu spielen; denn Menschenaffen, die Konflikte friedfertig durch Sex beilegen, können doch wohl für Moralisten kein Vorbild sein …
Ist das so?
Also ich sehe Kapitalismus als hochkooperatives System.
Nur eben eine Kooperation auf Basis von letztlich egoistischen
Interessen, mit allen damit verbundenen Problemen.
> Riedl schreibt von Lernschichten, die von der molekularen bis zur kulturellen Ebene aus Erwartungs-/Erfahrungskreisläufen bestehen. Dir scheint ein ähnliches Rationalitätsverständnis vorzuschweben (und Karl ein ähnliches von Intelligenz).
Nein.
Moleküle "lernen" in dem Sinne nichts. Sie sind auch nicht rational
oder irrational, jedenfalls sofern Wolfram's Ansatz nicht bestätigt
wird.
Es ist nun mal so, dass die selben abstrakten Prinzipien in zwei
verschiedenen Gebieten gelten können:
"Alle Menschen sind sterblich; Sokrates ist ein Mensch; Sokrates ist sterblich".
und
"Alle Primzahlen sind Natürliche Zahlen; 7 ist eine Primzahl; 7 ist
eine natürliche Zahl".
Das sind sehr, sehr unterschiedliche Sätze, auch über völlig andere
Gegenstandsbereiche. Der eine Satz beinhaltet einen theologisch sehr
aufgeladenen Begriff, den Begriff der "Sterblichkeit" durch den
Menschen sich von den Göttern unterscheiden. Der andere behandelt
unanschauliche Objekte unseres Denkens, Zahlen.
Das Prinzip, dass diese beiden Sätze "applizieren" ist jedoch das
selbe: Der Modus Ponens Die Aussage, dass ein Element einer Menge, die
eine echte Teilmenge einer anderen Menge ist, damit auch Element der
anderen Menge ist -- sozusagen.
Genau das selbe gilt auch für Spieltheorie und evolutionäre
Spieltheorie. Die selben abstrakten Prinzipien, die für rationale
Agenten beim Spiel miteinander gelten, gelten dann auch für Lebewesen,
die sich in Konkurrenz fortpflanzen müssen.
Du gibst selbst gute Beispiele:
Ein kluger Kaufmann folgt dem Gebot der Sparsamkeit, deshalb sucht er
für seine Logistik den kürzesten Weg. Photonen scheinen ebenfalls den
kürzesten Weg zu suchen.
Am Mo., 19. Jan. 2026 um 03:09 Uhr schrieb Karl Janssen über PhilWeb
<philweb(a)lists.philo.at>:
> Glasperlenspiel: [...]
In Hesses Utopie gibt es 5 Schulen in der Gelehrtenprovinz Kastalien:
Jeweils eine Schule für Musik, Altphilologie, Mathematik und
"aristotelisch-scholastische Denkmethoden" (Hesse scheint die damals
aktuelle Entwicklung der Algebraisierung der Logik nicht mitgemacht zu
haben). Die 5. Schule war dem geheimnisvollen "Glasperlenspiel"
zugeordnet. Wobei die Glasperlen nur ein Platzhalter für eine
Abstraktion sind.
Das Glasperlenspiel scheint aber Konzepte nicht selbst zu
konstruieren, sondern fügt neue Spielsteine nach Entscheidung des
Direktoriums hinzu.
Am Do., 22. Jan. 2026 um 20:02 Uhr schrieb tessmann--- über PhilWeb
<philweb(a)lists.philo.at>:
> Ja, wann und warum hat es wesentliche Fehlentwicklungen gegeben in der Menschheitsgeschichte?
Hier sieht man das ideologische Moment der Idee des Fortschritts.
Theorien beschreiben normalerweise nur, wie eine Sache ist.
Beispielsweise beschreibt die Evolutionstheorie, wie verschiedene
Lebensformen durch einen Prozess der natürlichen Selektion entstanden.
Auf der anderen Seite haben wir normative Aussagen, deren Wahrheit
oder Geltung wesentlich schwammiger sind.
Die Idee des Fortschritts jedoch vermengt diese beiden Bereiche. Sie
wird von Beschreibung zur Ideologie.
Anstatt also nur zu sagen, dass ein gesellschaftlicher Zustand, eine
Epoche 1 zu einer anderen Epoche 2 geführt hat, dann der Gläubige des
Fortschritts behaupten, dass eine bestimmte Entwicklung oder ein
bestimmtes Ereignis EIGENTLICH ein Rückschritt war. Damit ist der
Progressive dann nicht unähnlich den Dekadenztheoretiker. Beides
Geschichtsphilosophien. Beide unterliegen der selben elementaren
Kritik, die sich auf die Frage "woher weiß ich, ob das stimmt?"
reduzieren lässt.
Die Fortschrittsideologie hat ihre Wurzeln im 18. Jahrhundert und wird
aktuell besonders in ihrer marxistischen Form vertreten, jedenfalls im
Mainstream. Auch wenn konservative oder liberale Autoren den Marxismus
arg beuteln, um ihn in "Passform" zu kriegen.
Man sieht an dieser Ideologie sehr schön, zu welchen Absurditäten sie führt.
Marx & Engels haben beispielsweise Kinderarbeit als historischen
notwendigen Entwicklungsschritt in der Entwicklung der Produktivkräfte
gewesen. Ihnen war nämlich klar, dass sie zugleich einen tatsächlichen
Ablauf und eine normative Wünschbarkeit beschreiben.
Ihr Modell war klar, vom matriarchischen Urkommunismus, über die
verschiedenen Stufen wie Sklavenhaltergesellschaft, Feudalismus und
endlich Kapitalismus wieder hin zum eigentlich Kommunismus, in dem die
Produktionskräfte dann endlich befreit und zum Wohle der Menschheit
arbeiten. (Ist es nicht ein komischer Zufall, dass wir ausgerechnet am
Ende dieser Entwicklung uns befinden sollen, wo wir das alles dann
"erkennen"?)
Wir stellen also fest, dass eigentlich skandalöse Zustande mit der
Idee des Fortschritts gerechtfertigt werden kann, sofern er im
Ergebnis zu einem besseren Zustand führt.
Fortschritt ist damit hochgradig normativ.
Doch wie stellt der Anhänger der Fortschrittsidee fest, welche
Entwicklung eigentlich "progressiv" und welche "regressiv" sind?
Die üblichen Kriterien, wie Gefühle oder eine rationale Grundlage
fallen im Grunde aus. Eine z. B. kantische oder utilitaristische Ethik
würde ihre Werturteile nicht in Abhängigkeit von Zeitumständen
verändern.
Für den Anhänger des Fortschritts ist dieser so etwas wie die
Vorsehung Gottes. Mystisch und nicht vollständig rational
rekonstruierbar.
Es verbleibt,
der Ratlose.