Am 03.03.2026 um 15:24 schrieb Arnold Schiller über
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wenn ich 2,1 Mikrometer gemessen hätte, käme ich nicht auf den Gedanken, dieser Länge
eine „Blüte“ zu verleihen. Die 7 Femtosekunden sind für mich ein ebenso nüchterner Fakt,
wie wenn ich mich in einen Zug setze. Selbst wenn ich dort ganz ruhig rumsitze, weiß ich
als Bestandteil des Systems Erde, dass ich mich die ganze Zeit bewege. Das weiß ich durch
die Physik, aber ich „fühle“ oder „spüre“ es nicht – und es spielt für die Fahrt im Zug
auch keine Rolle.
In dem Experiment werden Verhältnisse bestimmt. Niemand käme auf den Gedanken, bei einem
100-Meter-Weltrekord unter 10 Sekunden zu sagen, dass der Läufer sich in der Raumzeit
organisch entfaltet hätte oder wir die Erdrotation berücksichtigen müssten. Das spielt für
die Messung des Laufes keine Rolle, denn der Vergleichsmaßstab ist für alle Läufer auf 100
Meter gleich.
Das Unwichtige wird in der Physik einfach weggelassen, um die Verhältnisse klar zu
bekommen. Da blüht nichts – da wird präzise verglichen.
Moin Arnold,
ich teile Deine lebensweltliche Sicht im Einklang mit der alltäglichen Lebensbemeisterung.
Weg und Zeit eines 100-Meterlaufs oder einer Bahnfahrt auf das Zentrum der Milchstraße zu
beziehen, taugt als Übungsaufgabe in der Astrophysik. Blüten kämen in die Physik durch
Evolutionsgleichungen, bspw. beginnend mit den dem Licht nachwachsenden Pflanzen ergänzt
durch Koevolutionsgleichungen für Pflanzen und Insekten bis hin zur Bildung von Blüten und
Bestäubenden. Das schließt sogar (chemisch) Düfte, (elektromagnetisch) Farben und
(geometrisch) Formen ein, aber nicht deren Erleben in Menschen. Insofern blüte sogar etwas
in der Physik.
Thomas hat sich leider aus der Biologie in die Metaphysik geflüchtet, wenn er schreibt:
„Ein Werden hat „seine“ Zeit, und diese Eigenzeit ist eine Zeitraum-Blüte mit Beginn,
Dauer und Ende“. Was hat eine Zeitraum- mit einer Pflanzen-Blüte zu tun? In den
Koevolutionsgleichungen gehen natürlich Beginn, Dauer und Ende der jeweiligen Blüten und
Insekten ein, die ja den Jahreszeiten folgen. Und geometrisch können der Form nach auch
Zeitraum-Blüten formuliert werden. Wie die mit den Pflanzen-Blüten zusammenhängen könnten,
machten nur mathematische Präzisierungen klar, die Thomas mit seiner Metaphorik allerdings
vernachlässigt. Insofern lässt er sehr viel mehr weg als die Physik.
IT