Am 14.03.2026 um 13:13 schrieb Ingo Tessmann über
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… Vor etwa 70000 Jahren begannen Menschen zu sprechen, was auch als Erste Kognitive
Revolution bezeichnet wird. Beginnend vor rund 40000 Jahren entwickelten Menschen eine
erste Zeichensprache, bemalten Höhlenwände, formten Venusfigurinen und Löwenmenschen. Als
Abgesang auf die Wildbeuterei kann die über 10000 Jahr alte Monumentalanlage von Göbekli
Tepe angesehen werden, in der neben Tier- auch Menschtier-Mischwesen verewigt wurden. Vor
ungefähr 6000 Jahren begannen Menschen in Sternbildern Symbolfiguren zu sehen. Über 3000
Jahre alt ist die Alphabetschrift. Erste Buchdrucke gehen auf das 9. Jahrhundert zurück
und das Internet wurde 1983 aus dem ARPANET von 1969 entwickelt. Nunmehr wird im Zuge der
KI-Fortschritte von einer Zweiten Kognitiven Revolution geschrieben.
Ließe sich hinsichtlich der Evolution des Lebens wie der Kulturgeschichte in Analogie zur
Naturentwicklung von Symmetriebrüchen schreiben? Jedenfalls vervielfachen Symmetriebrüche
Möglichkeiten, die selbststabilisierend neue Ordnungen zur Folge haben können. Top-down
beginnt die Physik mit der Supersymmetrie und endet über CPT-Invarianz,
Hintergrundunabhängigkeit, Einstein- und Lorentz- mit der Gaiilei-Invarianz. Die Biologie
beginnt mit der molekularen Chiralität und endet mit der Links/Rechts-Händigkeit.
Die Kultur knüpft als Grundlage des Humanismus an die Genom- und Linguistik-Invarianz an.
Die biologisch gebrochene Geschlechter-Symmetrie wird kulturell in der Rechtsgleichheit
wieder hergestellt. Weitere kulturelle Symmetriebrüche erfolgen durch Nationalitäten,
Sprachen, Religionen, Ethnien, Klassen, Ideologien … und haben die vielfältigen
Lebensweisen zur Folge, die allerdings zumeist in einem kofliktträchtigen Zusammenhang
stehen.
Ich erinnere noch die Benachteiligung der Linkshändigen in der Schule; dabei ist der
Anschauungsraum lokal euklidisch und irdisch projektiv eine kulturübergreifende
Invariante. Auf die Galilei-Invarianz im euklidischen folgt die Lorentz-Invarianz im
minkowskischen und die Einstein-Invarianz im riemannschen Raum. Eine Fundierung der
Händigkeit könnte in der Stringtheorie gesehen werden, die allerdings im Landscape
astronomisch viele Geometrien zulässt. Aber könnte es überhaupt so etwas wie eine
grundlegende kosmische Geometrie geben, ausgehend von der kosmischen Raumstruktur über die
Teilchen- und Molekülchiralität bis hin zur Händigkeit in der Lebenswelt, in der links und
rechts auch politische Orientierung bietet?
IT