Hallo IT,
Deine Aussage:
(..)Die Kultur knüpft als Grundlage des Humanismus an
die Genom- und
Linguistik-Invarianz an.
Die biologisch gebrochene Geschlechter-Symmetrie wird
kulturell in
der Rechtsgleichheit wieder hergestellt.(..)
beinhaltet (auch), daß jegliche Beherrschbarkeit (Kontrolle)
epistemischer, ontologischer und sonstiger
kultureller antropogener Errungenschaften jederzeit gegeben war (und ist).
mit meiner Provokation "Es gibt keinen Kontrollverlust, sondern nur eine
Illusion davon"
unterstelle ich dieser These, daß eine wirkliche Kontrolle über
beherrschbares Wissen
und voll verantwortliche Tat-Folgen zu keinem Zeitpunkt tatsächlich
gegeben war und ist.
Also im Grund genommen: Es war schon immer eine Illusion, evolutionäre
Entwicklungen
auf diesem Globus durch menschlichen Einfluß wirklich auf Dauer
nachhaltig beeinflussen zu können.
"Wir" benutzen und formen diesen Planeten lediglich nach unseren
imaginierten Leidenschaften,
dass das "Kleinere Übel" immer noch besser ist als eine radikale
Unterwerfung unter
bestehende "Naturnotwendigkeiten".
etwas detaillierter:
Deine These, dass Kultur auf Invarianzen aufbaut und gebrochene
Symmetrien etwa durch Rechtsgleichheit wiederherstellt,
setzt stillschweigend voraus, dass solche Invarianzen nicht nur
erkennbar, sondern auch hinreichend kontrollierbar sind,
um stabile Ordnungen gezielt hervorzubringen.
Genau hier setzt meine Provokation an. Wenn ich sage, es gebe keinen
Kontrollverlust, sondern nur die Illusion davon,
bestreite ich nicht die Existenz funktionierender, reproduzierbarer
Praxisformen – Experimente und Technik zeigen eindeutig,
dass es operative, lokale Kontrolle gibt.
Was ich bestreite, ist, dass diese jemals auf einer vollständig
symmetrischen Beziehung zwischen Bedingungen,
Operationen und Ergebnissen beruhte, also auf der Idee, Prozesse
prinzipiell vollständig rekonstruieren und beherrschen zu können.
Diese Vorstellung ist eine epistemische Idealisierung. Betrachtet man
komplexe Systeme, wie sie etwa in der Chaos Theory,
in Konzepten von Emergence oder im Spontaneous Symmetry Breaking
beschrieben werden, dann zeigt sich, dass Stabilität
gerade nicht aus vollständiger Kontrolle hervorgeht, sondern aus
irreversiblen, pfadabhängigen Prozessen, in denen sich
bestimmte Zustände durchsetzen und verfestigen.
„Kontrollverlust“ erscheint vor diesem Hintergrund als Fehlbegriff, weil
er einen ursprünglichen Zustand totaler Kontrolle
unterstellt, den es nie gegeben hat. Was wir tatsächlich beobachten,
sind lokal stabile und funktional hinreichende
Formen von Kontrolle innerhalb grundsätzlich asymmetrischer, nur
partiell durchschaubarer Dynamiken.
Auch kulturelle Symmetrieherstellungen wären dann nicht Ausdruck
souveräner Beherrschung, sondern
kontingente Stabilisierung in einem offenen Möglichkeitsraum. Generative
KI macht diese Struktur lediglich sichtbar,
indem sie kohärente Ergebnisse ohne vollständig rekonstruierbare Genese
erzeugt und damit die klassische
Symmetrie von Grund und Folge unterläuft.
Kontrolle ist daher kein ontologischer Zustand, sondern eine situative
Praxis unter Bedingungen struktureller Intransparenz.
gruss Ingo mack
Am 25.03.26 um 17:17 schrieb Ingo Tessmann über PhilWeb:
Am 25.03.2026
um 11:33 schrieb ingo_mack über PhilWeb <philweb(a)lists.philo.at>at>:
Am 25.03.26 um 08:08 schrieb Ingo Tessmann über PhilWeb:
> Die Kultur knüpft als Grundlage des Humanismus an die Genom- und Linguistik-Invarianz
an. Die biologisch gebrochene Geschlechter-Symmetrie wird kulturell in der
Rechtsgleichheit wieder hergestellt. Weitere kulturelle Symmetriebrüche erfolgen durch
Nationalitäten, Sprachen, Religionen, Ethnien, Klassen, Ideologien … und haben die
vielfältigen Lebensweisen zur Folge, die allerdings zumeist in einem kofliktträchtigen
Zusammenhang stehen.
Meine These war: Symmetriebrüche vervielfachen Möglichkeiten,
die selbststabilisierend neue Ordnungen zur Folge haben können.“ Das zeigt sich bspw. in
physikalischen Theorien. Du schreibst demgegenüber: "Es gibt keinen Kontrollverlust,
sondern nur eine Illusion davon“. Und wie hilft mir das beim Verstehen oder Formulieren
physikalischer, biologischer oder kultureller Theorien?
IT
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