Am Sa., 14. März 2026 um 13:13 Uhr schrieb Ingo Tessmann über PhilWeb <
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von "The Cellular Automaton Interpretation as a
general doctrine“.
Tausend Dank! Ehrlich.
Ausgehen können wir von Vielerlei. Aber was hat das
mit der Natur zu tun
und ist nicht nur Simulation?
Die Frage könnte man im Endeffekt auch über physikalische Modelle stellen
und in der Tat würde ich zustimmen, dass unsere Naturgesetze lediglich
Beschreibungen sind, wie sich die Natur verhält.
In Bezug auf Naturgesetze habe ich, kurz gesagt, eine machian-humeanische
Auffassung.
Willst Du vielleicht darauf hinaus, dass Natur und
Kultur als sich
koevolutiv entwickelnd verstanden werden können?
Eigentlich nicht.
Sondern eher: Unsere Kultur kann verstanden werden als eine Klasse von
Informationen. Diese Klasse wird durch Erziehung, Nachahmung etc. kopiert.
Das bedeutet aber noch nicht, dass z. B. die Gesetze der Logik nichts als
Memes oder Topi sind. Das wäre genauso wie als würde man argumentieren,
dass die Gesetze der Hydrodynamik irgendwie eingeschränkt werden, nur weil
Fische und Walrosse sich denen gemäß entwickelt haben. Die Frage, ob z. B.
Primzahlen existieren und die Gesetze der Mathematik universal sind oder
nicht, lässt sich auf dieser Basis allein nicht beantworten.
Harari sieht die Erste Kognitive Revolution mit der
fiktiven Sprache
einhergehen, nämlich „dass wir uns über Dinge austauschen können, die es
gar nicht gibt“. Das Schwafeln und Fabulieren ist bis heute die häufigste
Sprachverwendung geblieben. Menschen leben lieber in Fiktionen oder
Religionen denn in Realitäten oder Formalismen. Aber welche anderen
evolutionsstabilen Mutationen hätte es geben können in der Hirnentwicklung
vor 70000 Jahren?
Harari hat einen berechtigten Ansatz, aber er ist, meines Wissens, der
letzte "Universalhistoriker", der versucht die Geschichte von wirklich
allen zu schreiben.
Meine Grundidee war eigentlich die folgende. Wenn wir uns auf die Suche
nach menschlichen Universalien machen, dann ist es eine empirische Frage
und sollte nicht rein apriori beantwortet werden.
Wenn wir bestimmte Verhaltensweisen bei allen Epochen und Kulturen immer
wieder auftretend beobachten, können wir von einer Universalie sprechen,
andernfalls handelt es sich um etwas anderes. Etwa um Zeitgeist,
spezifische Kulturentwicklung etc.
Natürlich ist das ebenfalls nur ein Indikator.