Am 03.11.2025 um 10:10 schrieb Ingo Tessmann über PhilWeb:
Am 02.11.2025 um 17:46 schrieb Claus Zimmermann
über PhilWeb
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Aus der Unverständlichkeit. Was ist bspw. mit
„objektiven Gründen“
gemeint? Sind Gründe nicht subjektiv und Ursachen objektiv?
Das ist doch mit einem ganz kleinen bisschen guten Willen
verständlich. Ein subjektiver Grund zum essen wäre, daß ich Hunger
habe. Ein objektiver Grund, A etwas zu essen zu geben wäre, daß er,
für mich Objekt unter Objekten, Hunger hat. Objektive Gründe sind
solche, die von meiner persönlichen Befindlichkeit unabhängig sind.
Man kann sagen: die subjektive Seite besteht in der Bedeutung, die
das für mich und mein Handeln hat. Gut, falls es so gemeint ist, kann
man es wie jede Ausdruckskonvention akzeptieren.
Moin Claus,
ja, so könnte gedacht werden. Aber gehören Gründe nicht zu
Begründungen und ist objektivierter Hunger nicht Ursache im
Organismus, der zum Essen drängt? Gründe sind im Sprachhandeln
intersubjektiv, während Ursachen im Stoffwechsel des Organismus
objektivierbar sind. Gründe und Ursachen bzw. Intentionen und
Kausalitäten gehen über in die Unterscheidung von Verstehen und
Erklären bzw. Handlung und System. Aber Handlungstheorien gibt es
viele. Wie wäre es mit einem axiomatischen Ansatz, wie von Lagier
vorgeschlagen, auf den Bezug genommen wird in:
https://opendata.uni-halle.de/bitstream/1981185920/94353/1/sachunterricht_v…
(i) Handlungen sind Vorkommnisse in der physischen Welt und können sie
beeinflussen.
(ii) Handlungen werden relevant beschrieben.
(iii) Handlungen können als Körperbewegungen identifiziert werden.
(iv) Gleiche Körperbewegungen können je nach vorliegenden Umständen zu
unterschiedlichen Handlungen gehören.
(v) Realisationen derselben generischen Handlung können durch
unterschiedliche Körperbewegungen erfolgen.
(vi) Akteure besitzen über Handlungen, die sie selbst ausführen,
privilegiertes Wissen.
(vii) Normalerweise fällt es einem Akteur leicht zu erkennen, welche
Handlungen Andere ausführen.
(viii) Akteure attribuieren Handlungen Anderer meist ohne
Berücksichtigung von deren eigenen Beweggründen und schreiben ihnen
Verantwortlichkeit zu.
(ix) Eine Handlung ausführen heißt, eine Veränderung in der
physischen Welt hervorbringen.
(x) Überwiegend führen Handlungen zu multiplen Folgen, die weitgehend
für einen Akteur unvorhersehbar sind.
Das Fazit: „Zwei Argumentationslinien scheinen sich nach der von uns
vorgelegten Inspektion handlungstheoretischer Ansätze abzuzeichnen:
(1) Es ist bislang nicht gelungen, Handlungen zu individuieren. (2)
Alle Vorschläge zur Lösung dieses Problems wandeln es in ein
Mehrskalenproblem, das die Differenz von Mensch und Tier in Hinsicht
auf das Handeln einebnet."
IT
Tag Ingo,
Das kommt mir so vor, als ob Handlungen untersucht würden wie
Meteoriten. Dabei wissen wir doch, was wir damit meinen. Die Bedeutung
des Worts "Handeln" ist ja nicht vom Himmel gefallen, sondern unser
Werk. Wie bei den meisten umgangssprachlichen Ausdrücken ist sie nicht
eindeutig, biegsam, keine Zwangsjacke und kann der Gesprächssituation
angepasst werden.
Wir würden sie vor allem als Gegensatz zum Geschehen auffassen, das
einfach ohne unser Zutun passiert (Verdoppelung), ohne dass jemand dafür
verantwortlich gemacht werden kann. Die Lawine wäre ein Geschehen, die
Sicherung oder ihre bewusste Unterlassung eine Handlung. Zur Handlung
gehört eine Absicht, vielleicht ein Plan oder Intentionalität,
akademisch ausgedrückt. Man nimmt in Gedanken ein Ziel vorweg und
realisiert es dann physisch. Die Absicht bezieht sich dann nur aufs
Ziel, nicht auf die einzelnen Realisierungsschritte. Bei einfachen
Handlungen wie Körperbewegungen unterscheiden wir nur ausnahmsweise
zwischen wollen und tun (steht, glaube ich, sinngemäß irgendwo bei
Wittgenstein). Wenn jemand sagen würde "Ich wollte die Hand heben und
war weder gefesselt, noch gelähmt, noch sonst in einer
Ausnahmesituation, aber es gelang mir nicht" würden wir das nicht
verstehen. Während es völlig verständlich ist, zu sagen, daß das Ziel
verfehlt wird. Dennoch bleibt auch die einfache Körperbewegung als
Handlung zurechenbar, wenn sie der Realisierung eines Ziels diente. Im
Gegensazu zu einem Reflex z.B.
Claus
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