hallo RatFrag,
Mit der Frage nach der „Entkopplung“ habe ich gemeint, ob wir bereit
sind, den Begriff des Verstehens von zwei traditionellen Bedingungen zu
lösen:
vom Weltbezug und von normativer Geltung. Weltbezug heißt, dass
sprachliche Ausdrücke auf Dinge, Sachverhalte oder Praktiken in der Welt
referieren.
Beispiel: wir füttern hier täglich ca 5,5 KG Streu und Fettfutter
(eine eigene Herstellung bestehend aus 4 Teile Haferflocken, 1 Teil
geschälte Sonnenblumenkerne, 1 Teil Mehlwürmer, 2 Handvoll Rosinen,
0,75 Teil geschälte Erdnüsse << = Streufutter (wird noch mit 250 ml
sonnenblumenöl gemischt); Fettfutter wird zusätzlich mit 2KG erhitztem
Frittierfett versetzt.)
unsere Hauptabnehmer sind 20 Amseln, 4 Buntspechte, 2 Baumläufer, 4
Schwanzmeisen, 8 Kohlmeisen, 3 Haubenmeisen, 6 Blaumeisen, 1 Grünspecht,
1 Mittelspecht, 4-6 Heckenbraunellen, 2 Goldhähnchen,1 Zaunkönig, 2
Rotkehlchen, 2 ziemlich freche Kleiber <-- die beiden klopfen neuerdings
morgens gegen 8:15Uhr immer an die Küchenfensterscheibe, 2 Eichelhäher
(stehen auf Erdnüsse in Schale), dazu kommen noch 4 Eichhörnchen, 4
Waschbären (nachts zwischen 22:00 und 2:00 Uhr), und als abrundendes
Tüpfel auf dem I ca 20-25 Wanderratten unterschiedlichsten Alters.
<---- das ist mit meinem "Weltbezug" semantisch "Füttern" im Detail
gemeint und soll für meine Art von Ausdrücken für angekoppelte
Begrifflichkeit , also Weltbezug herhalten.
Normative Geltung heißt, dass Aussagen innerhalb eines Rahmens von
Gründen bewertet werden können – also als richtig oder falsch,
gerechtfertigt oder ungerechtfertigt. (wobei das füttern von Ratten und
Waschbären in unseren Breitengraden nicht bei jedem "normativen
Charakter" auf Gegenliebe stößt,
oder aufgrund epistemischer Narrativen bei diesen zu Gewaltphantasieen
führen?)
In der philosophischen Tradition (etwa bei Sellars oder Brandom) gehört
beides konstitutiv zum Verstehen: Wer etwas versteht, bewegt sich im
„Raum der Gründe“ und steht mit seinen Aussagen in einer Praxis von
Rechtfertigung und Kritik.
Die von mir hier aufgeworfene Frage ist daher weniger empirisch als
begrifflich: Wenn wir bei KI-Systemen von „Verstehen“ sprechen, obwohl
weder ein eigener Weltbezug noch eine Teilnahme an normativen
Begründungspraktiken vorliegt – sind wir dann bereit, den Begriff des
Verstehens entsprechend zu schwächen
(= zu entkoppeln)? Und falls ja: Wodurch unterscheidet sich dieses
„Verstehen“ dann noch grundsätzlich von bloßer statistischer
Musterverarbeitung?
gruss aus der Diaspora
ingo mack
Am 08.03.26 um 12:16 schrieb Rat Frag über PhilWeb:
Die zentrale
Frage ist nicht, wie nah KI an menschliche Semantik
herankommt, sondern ob wir bereit sind,
den Begriff des Verstehens von Weltbezug und normativer Geltung zu
entkoppeln.
Weltbezug verstehe ich, aber normative Geltung?