Am 01.03.2026 um 12:30 schrieb Dr. Dr. Thomas Fröhlich
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eine naive Frage: die „Position“ z. B. eines Atoms wird ja an einer fixen Referenz
gemessen - dasselbe gilt für den Wechsel der Position als Bewegung: er erfolgt in einem
festen räumlichen Rahmen, nun hinzugenommen die Zeit.
Moin Thomas,
die Position wird zumeist an einer fixen Referenz gemessen, nicht aber im Relationalismus,
wie bspw. Rovelli ihn seit den 1990er Jahren verfolgt: „All systems are assumed to be
equivalent, there is no observer-observed distinction, and the theory describes only the
information that systems have about each other; nevertheless, the theory is complete“,
zitiert aus „Relational Quantum Mechanics“ von 1997. Andererseits kann Position auch im
Schwerpunktssystem ohne fixe Referenz bestimmt werden.
Mittel- und Einzelwerte unterscheiden ja auch Tsitsonis et al. hinsichtlich
achiral/chiral: "The phenomenon of being achiral on average but chiral at the level
of individual molecules is general to most prochiral molecules and is a consequence of the
three-dimensional zero-point delocalization of the nuclei in the vibrational ground
state."
Was aber, wenn die künstliche Trennung in zwei
Einheiten, den Raum, die Zeit zu Gunsten eines genuin einheitlich agierenden Zeitraums
aufgehoben wird? Dieser Zeitraum müsste, da er ja von vornherein Zeit beinhaltet in sich
dynamisch und in der Dynamik dennoch bleibend sein, etwa als Pulsieren in gleichbleibender
Frequenz.
In sich dynamisch und zugleich bleibend ist ja das durch den Minkowskiraum beschriebene
Blockuniversum, in dem die Weltlinien nur noch geometrisch dargestellt werden. In der
Lebenswelt werden Raum und Zeit aber nicht als Einheit erfahren. Relational können aber
Schwingungen aufeinander bezogen werden, so wie Uhren ja auf Erdrotation und Sonnenumlauf
oder Atom- bzw. Kernschwingungen bezogen werden.
Mir sind die Minkowski-Modelle etc. oberflächlich
vertraut, aber meine Frage zielt vermutlich nicht in eine Richtung, die durch dieses
Modell beantwortbar wäre - was sagen die Physiker und weiteren Denkakrobaten unter uns zu
meiner naiven Frage?
Minkowsk-Modelle beziehen sich aufs Weltall und nicht auf die Lebenswelt.
Und gleich noch eine daran anschließende Frage: welche
„Geometrie“ hätte ein solcher Zeitraum? Dabei würde ich Zeit nicht als verräumlichte
Dimension akzeptieren. Stattdessen müsste es eine beständig sich wiederholende Entfaltung
in einen aaufgeschlossenen und sich dann wieder schließenden Zeitraum hinein sein -
spekulativ, falsch, unsinnig?
Lebensweltlich denke ich auf- bzw. abgeschlossene Zeitintervalle geschichtlich als
Zeiträume etwa in Baumquerschnitten, Felsablagerungen, Bohrkernen, Ausgrabungen,
Schrifttafeln, Dokumenten … oder erinnernd auf das Gedächtnis bezogen in Lebensepisoden.
Und die Geometrie dabei sehe ich nicht euklidisch, sondern riemannsch. So wie es sich ja
schon Christopher Clark in „Von Zeit und Macht“ metaphorisch im Anschluss an Einstein
gedacht hat. Hinsichtlich alter Schrifttafeln bin ich auf eine interessante Arbeit
gestoßen, nach der Schriftlichkeit frühe Vorläufer hat; denn „Humans 40,000y ago developed
a system of conventional signs“:
https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.2520385123
<https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.2520385123>
IT