Lieber Thomas,
ich nehme die Welt so wie sie ist, wohl wissend, dass sie nie so ist.
Mein Indeed war spontan in der Erinnerung an Anton Zeilinger, den ich
mal, als die "Teleportation" neu war, an der LMU hörte und sein
Experimentatorendillema der Beeinflussung durch Messung. Mögen es hier
nur 7 Femtosekunden sein, die mit der ersten Messung den Zustand erst
herstellen, stellt die zweite Messung eine Bestätigung einer Stabilität
her. Das verursachte mein "Indeed".
Viele Grüße,
Arnold
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https://arnold-schiller.de/
Am 02.03.26 um 11:02 schrieb "Dr. Dr. Thomas Fröhlich":
Deine Resonanz (um mit Ingo M. zu sprechen, dem ich
auch für seine letzte -E-Mail herzlich danke) trifft und belebt genau das Potenzial, um
das es mir geht, herzlichen Dank dafür!
Unerwarteterweise machst Du in Deiner Antwort zugleich eine zentrale Erfordernis klar,
nämlich die, für ein tieferes Verständnis des Naturgeschehens das Konzept der Potenz (Du
schreibst sogar ausdrücklich, der Potenz im Aristotelischen Sinn) einzuführen. Im Versuch,
ein Natur- und Geisteswissenschaften überbrückendes Modell von fokussierter Dynamik zu
entwickeln, haben meine Mitstreiter und ich vor Jahren hierzu für unsere
englischsprachigen Veröffentlichungen auf das potentia / dynamis-Analog „provider of
dynamic coherence“ zurückgegriffen.
Dieser Rückgriff wiederum stützte sich auf die Forschungsergebnisse des Altphilologen
Arbogast Schmitt, der später mit uns publizierte. Sein Buch „Denken und Sein bei Platon
und Descartes“ hatte mich begeistert, wobei ich es anders ausgelegt und genutzt habe, als
dem Autor bewusst war – aber hat meiner Akzentsetzung in der Folge uneingeschränkt
zugestimmt.
Ein Potenzial hat, wie Du zu Recht anmerkst, keinen fixen Ort und keine fixe Zeit. Es ist
nicht als Gegenstand dingfest zu machen. Es „öffnet“ sich, wobei die Öffnung keine im
fixen Raum ist, sondern stattdessen die Raumzeit gleich mit generiert.
Das Zusammengehen von Potenzialen ist dann keine Addition von festen Brocken, sondern
eine Topologie von über Resonanz vergemeinschaftetem Sich-Öffnen als Zeitraum-Entfaltung.
Diese zusammenströmend sich entfaltende gemeinsame Verwirklichung erfasst in Resonanz
geratende topologische „Aspekte“ der sich entfaltenden Potenzial-Verwirklichungen, sie
fußt auf diesen.
Die Topologie (dieser von Dir genutzte Begriff ist präziser als der der „Geometrie“) des
pulsierenden, Zeitraum-Volumina schaffenden Sich-Öffnens und Schließens ist nach unserem
Entwurf im derzeitigen Stand eine jeweils alleine qua „Geometrie“ (jetzt doch…) ein Innen
im Außen schaffende Potenzial-/ Quellen-zentrierte, also „sphärische“. Hierbei ist nicht
nur die Unterscheidung Innen versus Außen „naturgegeben“, sondern auch deren beibehaltene
bzw. fortgeführte Gleichzeitigkeit im Sinn der Resonanz.
Somit sind die Entfaltungsdynamiken immer in einem Zusammengehen im Gleichzeitigen bzw.
in einer gemeinsamen Erstellung von Gleichzeitigkeit gegründet. Wir bezeichnen die
gedanklich vereinzelten Prozesse, die „einem“ Potenzial entspringen als Prozess-Fragmente.
Erst im Zusammengehen entfaltet sich der Zeitraum und mit ihm die (jeweilige)
Wirklichkeit.
Und, wie Du weiter richtig schreibst: Die Entfaltung ist eine Entstehung, und daher mehr
und anders als ein einfaches Fort- und Weiterlaufen. Ein Werden hat „seine“ Zeit, und
diese Eigenzeit ist eine Zeitraum-Blüte mit Beginn, Dauer und Ende. Diese Form der Zeit
hat somit eine organische Gestalt, sie ist eine aufblühende und wieder zurücksinkende
zeitweilige Fülle, kein Faden, keine Linie, keine durchgängige, monolineare Dimension.
Ihr Innen wird, wie Du schreibst durch ein Sich-aufeinander-Beziehen, sprich durch
Korrelationen erstellt. Der sich öffnende Zeitraum ist ein Gemeinschaftsraum, er besteht
aus Aspekt-gestützter Interaktion von Prozessfragmenten.
Die Korrelationen „kreisen um ein gemeinsames Thema“, könnte man in einem der sphärischen
Geometrie angemessenen Bebilderung sagen. Wir geben dem Kreisen der Prozessfragmente, wenn
es sich um zwei handelt die Gestalt einer sich aufweitenden Doppelhelix, wobei zusätzliche
Fragmente dadurch eingebunden werden, dass die Doppelhelix mit dem weiteren
Prozessfragment ein weiteres Kreisen bildet.
So viel speziell zu Deiner Antwort auf die Schnelle – Du hast das angedachte Modell in
Deinen Worten so beschrieben, wie es treffender nicht sein könnte – daher nochmal
herzlichen Dank dafür.
Thomas
PS: zum „Wir“: das ist aktuell, wie, glaube ich berichtet, eine sowohl in westlicher als
auch chinesischer Philosophie und Denktradition bewanderte Philosophin – wir sind in
kontinuierlichen Austausch.