Am 24.01.2026 um 23:53 schrieb ingo_mack über PhilWeb:
Ein wesentlicher Hintergrund dieser Grenzziehung ist für mich die
Kirchengeschichte selbst. Spätestens mit dem Konzil von Nicäa (325 n.
Chr.) wird sichtbar, wie Glauben institutionell formalisiert wird:
Nicht durch die Klärung von Texten oder Erfahrungen, sondern durch die
Festlegung ontologischer Bekenntnisse und kirchlicher Autorität. Die
spätere Kanonbildung im 4. und 5. Jahrhundert folgt dieser Logik: Sie
schafft Einheit, indem sie selektiert, privilegiert und ausschließt.
Damit entsteht ein stabiler religiöser Rahmen – aber auch ein Anspruch
auf Deutungshoheit, der über individuelle Glaubensformen hinausgeht.
Historisch hat sich gezeigt, dass dort, wo Glaube epistemisch oder
moralisch privilegiert und institutionell abgesichert wird, reale
Machtwirkungen folgen: Sakralisierung von Herrschaft, religiös
legitimierte Gewalt, Ausschlüsse und – bis in die Gegenwart –
strukturelles Versagen im Umgang mit Verantwortung und Schuld. Diese
Geschichte verstehe ich nicht als Argument gegen Glauben an sich, wohl
aber als Mahnung, ihn nicht mit Wahrheits- oder Führungsansprüchen zu
überfrachten.
Gerade deshalb ziehe ich für mich die Grenze dort, wo Glaube beginnt,
sich als Wissen, Wahrheit oder normative Instanz auszugeben. Glaube
ist für mich weder Wissen noch bloßes Nicht-Wissen, sondern eine Form
von Orientierung, die dort entsteht, wo Wissen strukturell nicht
ausreicht – ohne daraus einen allgemeinen Anspruch abzuleiten. Er ist
nicht epistemisch privilegiert, aber auch nicht notwendig irrational.
Kurz gesagt:
Du ziehst eine harte Grenze entlang der Frage nach Sinn und Unsinn von
Aussagen.
Ich ziehe eine Grenze entlang der Frage nach epistemischem Anspruch,
institutioneller Autorität und ihren historischen Folgen.
Ich sehe darin keinen Widerspruch, sondern unterschiedliche Ebenen –
und vielleicht erklärt genau das, warum wir uns in manchen Diagnosen
nahe sind, ohne dieselben Begriffe zu teilen.
hallo ingo m.,
meine ein- und an-sichten sind zum großen teil biographie-bedingt, und
da ist "glaube an was auch immer" seit aberjahren ein "rotes tuch"
geworden, und im rahmen meiner denkökonomie in der kategorie unnütz bis
schädlich. ich war ein kind der überaus braunen vergangenheit meiner
väterlichen vorfahren, und daher von anbeginn und sogar aktiv
kommunist/sozialist bis ich begriff, dass ALLE "...ismen" letztlich
ideologien sind, untauglich bis lebensgefährlich, seither hänge ich
keinem "...ismus" mehr nach
und die sozialen verwerfungen weltweit sind mir hinlänglich und mit
eigenen augen unvergesslich gesehen und miterlebt aus meinen
südamerikanischen und afrikanischen abenteuern nur zu gut bekannt,
dagegen sind übrigens deutsche problemchen derselben und ähnlicher
arten, bis heute jedenfalls, nicht der rede wert, denn wir führen
hierzulande bis heute allesamt ein über-luxus-leben, das letztlich auf
der ungenierten ausbeutung natürlicher und menschlicher ressourcen der
restlichen welt beruht, und beweis dazu: man kann das sogar direkt
messen, in form wieviel an energie jedem lebenden menschen zur verfügung
steht (Kcal, el.energie usw).
so kommts zu meiner kategorisierung zu meiner denk- und erlebens-
ökonomie: glaube = harmloser bis lebensgefährlicher blödsinn für
glaubende bis hin zu den tätern, welche andere in solche sackgassen
absichtlich hineinführen, um vorteile zu erreichen, etwa der glaube an
den kapitalismus mit stets wachsenden ökonomien, denn nur stetes
wachstum generiere eine gesunde ökonomie, dabei wäre eine gesunde eine
nachhaltige ökonomie eine mit null-wachstum, denn bäume wachsen
bekanntermaßen nicht in den himmel (in natura sind "steady-states" =
gleichgewichte angesagt, und nicht stetes wachstum, das früher oder
später immer und unausweichlich zu katastrophen führt, im ökonomischen
zu sozialen verwerfungen aller arten, kriegen, "höflicheren"
ausbeutungen, usw)
das einzige, das wir heute als wenigstens halbwegs zuverlässige
grundlage unserer existenz haben, ist wissen, glaube hingegen gehört für
mich in bausch und bogen auf den abfallhaufen der geschichte ...
wh.
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