Am Sa., 24. Jan. 2026 um 23:53 Uhr schrieb ingo_mack über PhilWeb
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danke für deine Klarstellung. Ich glaube, unser
Dissens liegt weniger in
einzelnen Folgerungen als in den Axiomen, von denen wir jeweils
ausgehen. Vielleicht hilft es, diese explizit zu machen.
Das ist, glaube ich, wirklich der Weg.
Wenn zwei Personen unterschidlicher Meinung sind, dann können sie sich
treffen, indem sie immer weiter "du bist der Meinung x, weil y, weil
z, ich glaube nicht-z" zerlegen.
In diesem
Sinn interessiert mich weniger die Wahrheit metaphysischer Aussagen als
ihre Funktion, ihre Grenzen und ihre Folgen.
Darunter hätte ich jetzt mehr sowas verstanden wie Kant. Also die
Untersuchung, ob unsere alltäglichen Auffassungen und/oder die
Erkenntnisse der Wissenscahft irgendwelche metaphysischen
Implikationen haben und, falls ja, welche.
Man kann das Ganze natürlich auch "soziologisch" untersuchen. Dann
landet man bei der Frage, welche Rolle bestimmte metaphysische
Überzeugungen für die Gesellschaft spielen. Beispielsweise hätten die
Ägypter ihre Pyrammiden wohl nicht gebaut, wenn sie nicht an eine
bestimmte Seelenlehre und Theologie geglaubt hätten.
Sakralisierung von Herrschaft, religiös
legitimierte Gewalt, Ausschlüsse und – bis in die Gegenwart –
strukturelles Versagen im Umgang mit Verantwortung und Schuld.
Die Christenverfolgung fand in einen Umfeld statt, das in dem Sinne
noch keine Legitimierung für bestimmten Glauben kannte.
Gerade deshalb ziehe ich für mich die Grenze dort, wo
Glaube beginnt,
sich als Wissen, Wahrheit oder normative Instanz auszugeben. Glaube ist
für mich weder Wissen noch bloßes Nicht-Wissen, sondern eine Form von
Orientierung, die dort entsteht, wo Wissen strukturell nicht ausreicht –
ohne daraus einen allgemeinen Anspruch abzuleiten. Er ist nicht
epistemisch privilegiert, aber auch nicht notwendig irrational.
Was aber bringt dir diese Orientierung, wenn du sie niemals einsetzen
kannst, weil beinahe alle Entscheidungen auf gesellschaftlicher Ebene
getroffen werden und du dort wiederum jenseits des Glaubens
argumentieren musst?