Ideologische Skandalisierung findet inzwischen
allerorts und zu aller Zeit statt. Bedauerlicherweise, denn Ideologie stellt sich i.W. als
ein erstarrtes System ursprünglich ideeller Werte dar, die sich letztlich als fixierte
Denkmuster individuell wie gesellschaftlich kollektiv etablieren, zumeist als ein
Konglomerat fragwürdiger Werte und Weltanschauungen, um dann unter dem Deckmantel
wohlfeiler Moralappelle postuliert zu werden.
Der Skandal hat aber seine legitimation in einer freien Republik.
Wenn zum Beispiel eine Regierung öffentliche Gelder veruntreut, indem
sie Posten für gute Parteisoldaten und Freunde der Minister erschafft,
dann reich es nicht, wenn man das publik macht.
Das kann zum Beispiel in einem Bericht des Rechnungshofes (oder
vergleichbarer Institutionen) drinstehen. Aber wer schaut sich den
schon genau an? Und wer erkennt, dass "Ausgaben für Beratung von
Minister" oder dergleichen ein Fall von Korruption und kein legtimier
Beratungsbedarf ist?
Genauso ist es, wenn sowas einmal auf Seite 4 der Seite auftaucht und
dann nie wieder irgendwo erwähnt wird.
Das Mittel der Wahl ist es, die Öffentlichkeit zu alarmieren. Immer
und immer wieder über den Misstand zu berichten und öffentlich
Anzuklagen. Am Besten mit Hilfe von Prominenten, seien es irgendwelche
Intellektuelleen oder Leute aus dem Boulevard-Bereich.
Und natürlich kann es sein, dass dann ein "elder statesman" dann
irgendwann in seiner Autobiographie oder in einem Interview "dropt":
"Ja, das war ein Kuhhandel. Wir haben die Angehörigen der
(parteiinternen) Opposition für ihre Zustimmung zum Reformpaket XY mit
Sinekuren auf Kosten der Öffentlichkeit ausgestattet. Das war aber
leider notwendig, denn hätten wir XY damals nicht durchgekommen, dann
wäre uns der Himmel auf den Kopf gefallen".
Es ist nun mal nicht so, dass man einen Misstand einfach sachlich
kommuniziert und die Öffentlichkeit dann damit reagiert, dass sie
wütend aufsteht und seine Abstellung verlangt.
Erstens gibt es Anzeichen dafür, dass man die Öffentlichkeit schon
immer mobilisieren musste, zweitens ist spätestens seit dem 19.
Jahrhunderts viel zu abgebrüht ist.
Für ersteres führe ich als Argument an, dass schon in der Antike
begabte Redner, sog. Demagoge oder "Volksleiter" , in öffentlichen
Sitzungen das Wort führten. Mit dem Buchdruck ist das dann Zeitungen
übergegangen.
„Skandal im Sperrbezirk“ - ein harmloses Liedchen
einer inzwischen verblassten Rockgruppe - wurde nun von einer Gleichstellungsbeauftraten
auf den Index verbotener Lieder gesetzt, die auf einem überregional bekannten Volksfest
nicht gesungen, bzw. musikalisch dargeboten werden dürfen.
Davon ist mir nichts bekannt.
Ich kann mir schon vorstellen, dass ein Lied mit dieser Thematik nicht
unbedingt zu jedem Anlass gespielt werden sollte. Aber ein allgemeines
Verbot? Das Internet scheint davon nichts zu wissen. Es berichtet nur
von einem Volksfest, auf dem es nicht gespielt werden sollte...
Der wirkliche Skandal dieser Zeit, nämlich die
weltweit wiedererstarkte Kriegslüsternheit, wird durchaus zwar bekannt gemacht und als
moralische Verfehlung gebrandmarkt, was jedoch - mangels Konsequenz - allenfalls als
hypothetischer Imperativ gewertet werden kann.
Würde in eine andere Debatte führen...
P.S.: Meine Mails werden vom Server abgewiesen. Warum?