Am 25.05.2026 um 09:48 schrieb Karl Janssen
<janssen.kja(a)online.de>de>:
> Kennst Du Statistiken darüber, was bloß moralisch oder ideologisch skandalisiert wird
im Unterschied dazu, welche echten Skandale nur noch bekannt gemacht werden? Ich vermute
ein extremes Missverhältnis zwischen Skandalisierung und Bekanntmachung.
Servus Karl,
auf diese RF gestellte Frage zur Unterscheidung von Skandalisierungen und Bekanntmachungen
antwortest Du:
Klassisch rhetorische Frage, wie ich meine: Die
Antwort kann nur ein eindeutiges Nein sein, d.h. wie sollte eine belegbare Statistik
existieren, die den Nachweis moralischer Skandalisierung erbringen würde, da es beliebige
Moralen gibt, i. Ggs. zur eineindeutigen Ethik.
Selbstredend hat damit Kants kategorischer Imperativ nicht seine Relevanz verloren,
insbes. in seiner unbedingten Konsequenz, die jede Form von Eigennutz, resp.
diesbezüglichem Kalkül ausschließt.
Kant hätte sich verwundert gefragt, was wohl mit „eineindeutiger Ethik“ gemeint sein mag.
Du meinst wohl nicht bijektive Abbildungen, aber was dann? Vielleicht, dass Moralen
beliebig und Ethiken zu begründen sind? Meine Frage ist aber nicht rhetorisch gemeint,
sondern beantwortbar durch die Unterscheidung von Skandalisierungen und Bekanntmachungen.
Als Beispiel hatte ich den bekannt gemachten Watergate-Skandal angeführt. Ein neueres
Beispiel wäre das zum „Heizungshammer“ skandalisierte Gebäudeenergiegesetz (GEG) im
Gegensatz zum bekannt gemachten Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG). Es geht also nicht
um Moral gegenüber Ethik, vielmehr um polit-ideologische vs. wiss.-neutrale
Berichterstattung. Mit dem GEG sollte mehr Effizienz durch Förderung von Wärmepumpen
herbeigeführt werden, während das GModG wieder die fossile Verschwendung erleichtert.
Nicht das GEG, sondern das GModG ist ein Skandal. Warum sollte es also zur Unterscheidung
polit-ideologischer und wiss.-neutraler Berichterstattungen keine Statistiken geben?
Ideologische Skandalisierung findet inzwischen
allerorts und zu aller Zeit statt. Bedauerlicherweise, denn Ideologie stellt sich i.W. als
ein erstarrtes System ursprünglich ideeller Werte dar, die sich letztlich als fixierte
Denkmuster individuell wie gesellschaftlich kollektiv etablieren, zumeist als ein
Konglomerat fragwürdiger Werte und Weltanschauungen, um dann unter dem Deckmantel
wohlfeiler Moralappelle postuliert zu werden.
Hältst Du etwa keine wiss.-neutralen Berichterstattungen mehr für möglich? In den ÖRM gibt
es sie noch, wie bspw. die Sendungen NANO auf 3sat, Quarks im WDR oder Terra X im ZDF.
Skandalisierung ist generell zum alltäglichen Ritual
in der Medienlandschaft geworden.
„Skandal im Sperrbezirk“ - ein harmloses Liedchen einer inzwischen verblassten Rockgruppe
- wurde nun von einer Gleichstellungsbeauftraten auf den Index verbotener Lieder gesetzt,
die auf einem überregional bekannten Volksfest nicht gesungen, bzw. musikalisch dargeboten
werden dürfen.
Beim Besuch derartiger Feste und vergleichbarer „Events“ - wie sie derzeit an allen Ecken
stattfinden - kann dem aufmerksamen Beobachter nicht entgehen, wie sich wieder einmal die
Doppelmoral in der Gesellschaft zeigt: Wiedererstandene, skandalisierende Pfaffen in neuen
Gewändern.
Nicht die Gleichstellungsstelle skandalisierte, sondern Leute wie Du skandalisieren; denn
„es handele sich nicht um eine Verbotsliste, betont die Stadt. Vielmehr sollten die
Festwirte für frauenfeindliche, sexistische oder gewaltverherrlichende Texte
"sensibilisiert" werden: "Die Liste dient der Sensibilisierung und soll
dazu beitragen, dass die Bergkirchweih ein sicheres, respektvolles und fröhliches Fest für
alle bleibt."
https://www.br.de/nachrichten/bayern/skandal-um-rosi-auf-erlanger-bergkirch…
<https://www.br.de/nachrichten/bayern/skandal-um-rosi-auf-erlanger-bergkirchweih-unerwuenscht,VKRnxnZ>
Wobei der BR eine langwierige Entwicklung von reaktionär- bis liberal-konservativ hinter
sich hat. Aufgrund des Wortes "Nutten" wurde das Lied in den 1980er Jahren von
einigen Radiosendern boykottiert,— natürlich auch vom BR und der ZDF-Hitparade.
Der wirkliche Skandal dieser Zeit, nämlich die
weltweit wiedererstarkte Kriegslüsternheit, wird durchaus zwar bekannt gemacht und als
moralische Verfehlung gebrandmarkt, was jedoch - mangels Konsequenz - allenfalls als
hypothetischer Imperativ gewertet werden kann.
Kriegslüstern sind Machthaber wie Putin, Trump, Xi sowie Warlords und
Terrororganisationen. Wer sich dagegen zu verteidigen sucht, ist es nicht.
Geistlos, gottlos das Zeitgeschehen dieser Tage und
Pfingsten als das Fest des Geistes ist längst zum bloßen Freizeit-Event verkommen.
Da sich unsere Lebenswelten kaum überschneiden, wird es Dich nicht wundern, dass ich das
Verkommen religiöser Feste nicht bedauere. Sie sollten schlicht abgeschafft und durch
neutrale Feste ersetzt werden, in denen nicht religiöse Geister beschworen, vielmehr
weltliche Naturereignisse gefeiert werden sollten.
IT