Zunächst stellt sich die Frage "existieren Werte als Eigenschaften von
Objekten oder Handlungen?", ist, mit anderen Worten, "x ist moralisch
erstrebenswert" eine vergleichbare Aussage zu "x ist 10 kilo schwer".
Nehmen wir an, jemand würde diese Frage verneinen.
In dem Fall bliebe der betroffenen Person im Grunde drei Strategien,
mit moralischen Sätzen umzugehen.
Die ersten beiden Alternativen versuchen im Grunde, moralische Sätze
zu analysieren; die letzte Variante wird sie gewissermaßen "für bare
Münze" nehmen.
Die erste Strategie stellt den Versuch dar, moralische Aussage in eine
Art und Weise zu analysieren, die sie als vernünftige Konvention im
langfristigen rationalen Interesse jedes beteiligten Individuums
erscheinen lässt. "x ist gut" bedeutet dann in Wahrheit "rationale
Egoisten würden einen Gesellschaftsvertrag eingehen, der x fördert,
maximiert oder vorschreibt".
Hier anschließend ergeben sich eine Reihe von Problemen:
1. Im Alltag versteht eigentlich niemand moralische und wertende
Aussagen auf diese Weise. "Lügen ist (moralisch) falsch" bedeutet für
die meisten Leute eben nicht "die Gesellschaft funktioniert für dich
langfristig besser, wenn wir uns alle an die Regel halten, nicht zu
lügen".
2. Diese Position setzt voraus, dass das Individuum an seinem
Wohlergehen in der Zukunft genauso oder mehr interessiert ist als in
der Gegenwart. Für ein Individuum, dass seinen Vorteil im Hier und
Jetzt seinem langfristigen Wohlergehen vorzieht, gilt das nicht.
3. Die Behauptung, dass die Übertretung einer Norm dem Individuum
langfristig schadet, ist häufig genug auch falsch. Wenn sich jemand
durch Lügen Vorteile verschafft, geht er ein gewisses Risiko ein. Wird
dieser jemand erwischt, so folgt in der Regel eine Sanktion.
Behauptet eine Person, eine Ware jetzt mitzunehmen und morgen zu
bezahlen und bezahlt dann nicht, führt das in der Tat zu langfristigen
Schäden. In Zukunft wird der Verkäufer eine Sicherheit verlangen oder
so ein Geschäft überhaupt nicht mehr eingehen. Es kann aber durchaus
sein, dass für die Person der Nutzen schlicht überwiegt.
Die zweite Strategie besteht darin, normative Aussagen als Bekundungen
von Zustimmung oder Ablehnung zu analysieren. Man bezeichnet dies als
"Non-cognitivism".
Daraus ergeben sich eine Reihe weitere Probleme, wie das
"Frege-Geach-Problem" und das "Jørgensen-Dilemma".
Kurz gesagt, aus der Aussage, dass jemand sagt "x ist gut" folgt
nichts weiteres normatives. Denn es ist klar, dass aus Zustimmung zu x
nicht auch automatisch eine Zustimmung zu jeder Implikation von x
folgt. Zustimmung zu einem x ist jeweils ein eigener psychologischer
Akt.
Die letzte Strategie ist es, Aussagen wie "x ist gut" als gewöhnliche
Aussagen wie "x ist 10 Kilo schwer" zu behandeln. Nur, dass es mit der
Schwerkaft in unserem Universum eine Eigenschaft gibt, mit der wir x
ein Gewicht zuweisen können, jedoch "zufällig-empirisch" keine solche
Eigenschaft existiert, die eine moralische Qualifizierung erlaubt. "x
ist gut" verweist amit auf gar nichts und ist leer.
Diese Strategie, man bezeichnet sie als "Irrtumstheorie", hat, so
seltsam es klingen mag, gegenüber den ersten beiden Strategien einen
gewissen Charme.
Erstens setzt sie keine besonderen psychologischen Dispositionen als
Grundlange von Moral voraus, wie es die erste Strategie tut.
Zweitens erlaubt sie im Gegensatz zur zweiten Strategie echte
Schlussfolgerungen, wenn auch als hypothetische oder kontrafaktische
Konditional.
Wenn nämlich aus einer Menge von Normen P sich die konkrete
Handlungsanweisung q folgern lässt, so gilt (gemäß Deduktionstheorem)
"P -> q".
Das Problem ist jedoch, dass P im Rahmen dieser Strategie eine falsche
Aussage ist. Ein Modus Ponens ist damit im Grunde nie sinnvoll
möglich. Man kann sich P nur als (kontrafaktische) Annahme vorstellen.
Was sagt ihr dazu?