ein paar schwurbeleien zur Präzision der Gizeh pyramiden
Am 29.05.26 um 15:15 schrieb Ingo Tessmann über PhilWeb:
Das ist zu vermuten gewesen: „The predictive brain:
Neural correlates
of word expectancy align with large language model
prediction probabilities“:
14.06.26
Von Gizeh nach Sedna
Mustererkennung, Asymmetrie und die Zusammenarbeit von Mensch und
Künstlicher Intelligenz
Einleitung
Die Geschichte der Wissenschaft beginnt häufig mit einer Irritation. Ein
Beobachter erkennt eine
Struktur, die anderen verborgen geblieben ist. Manchmal führt diese
Beobachtung zu einer neuen
Theorie. Manchmal erweist sie sich als Täuschung. In beiden Fällen
beginnt der wissenschaftliche
Prozess mit derselben Frage:
Warum sieht die Welt so aus, wie sie aussieht?
Die Entstehung des Konzepts der „Sedna-Scheibe“ geht auf eine solche
Irritation zurück.
Ausgangspunkt war die bemerkenswerte geometrische Anordnung der
Pyramiden von Gizeh. Ihre
nahezu perfekte Ausrichtung zu den Himmelsrichtungen, kombiniert mit der
geringfügigen
Asymmetrie ihrer Anordnung, führte über mehrere Gespräche zwischen
Mensch und Künstlicher
Intelligenz zu einem umfassenden Gedankenexperiment über Geometrie,
Astronomie, Mechanik und
Erkenntnistheorie.
Dabei stand bald eine weitere Frage im Raum: Hatte der Physiker Hans
Jelitto mit seinen
astronomischen Modellen zum Pyramidenbau tatsächlich Unrecht – oder
wurde eine interessante
Beobachtung lediglich falsch interpretiert?
Die Geometrie der Asymmetrie
Die drei Hauptpyramiden von Gizeh bilden kein perfektes lineares Muster.
Die kleinste Pyramide
ist gegenüber der gedachten Verbindungslinie der beiden größeren
Bauwerke leicht versetzt. Eine
ähnliche Konstellation findet sich bei den drei Gürtelsternen des Orion.
Diese Beobachtung führte verschiedene Forscher zu der Vermutung, dass
zwischen beiden
Systemen ein Zusammenhang bestehen könnte. Geometrisch betrachtet
existiert tatsächlich eine
gewisse Ähnlichkeit. Die wissenschaftlich entscheidende Frage lautet
jedoch nicht, ob eine
Ähnlichkeit existiert, sondern welche Bedeutung ihr zukommt.
Naturwissenschaftlich betrachtet besitzt Asymmetrie eine besondere
Rolle. Perfekte Symmetrien
beschreiben häufig ideale Zustände. Die meisten realen Prozesse
entstehen jedoch gerade durch
kleine Abweichungen von dieser Idealität. Die Ellipsenbahnen der
Planeten sind ein klassisches
Beispiel dafür. Erst die Verschiebung vom perfekten Kreis zur Ellipse
erzeugt die Dynamik realer
Himmelsmechanik.
In den Diskussionen, aus denen die Sedna-Scheibe hervorging, wurde diese
Beobachtung zum
zentralen Leitmotiv. Die Hypothese lautete nicht, dass Gizeh
notwendigerweise den Orion-Gürtel
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abbildet. Vielmehr entstand die Frage, ob geringe Asymmetrien ein
universelles
Organisationsprinzip komplexer Systeme darstellen könnten.
Hans Jelitto und das Problem wissenschaftlicher Interpretation
Die Arbeiten von Hans Jelitto bewegen sich genau auf dieser Grenzlinie
zwischen Beobachtung und
Interpretation.
Es ist durchaus möglich, geometrische Korrelationen zwischen den
Pyramiden von Gizeh und
astronomischen Konstellationen nachzuweisen. Mathematik erlaubt die
Beschreibung solcher
Beziehungen mit hoher Präzision. Die eigentliche Schwierigkeit beginnt
erst danach.
Eine mathematische Übereinstimmung beweist nicht automatisch einen
historischen
Zusammenhang.
Die Wissenschaft kennt dieses Problem als „Texas-Sharpshooter-Fallacy“.
Ein Muster wird
entdeckt und anschließend so interpretiert, als sei seine Bedeutung
bereits bewiesen. Die Existenz
eines geometrischen Zusammenhangs wird dabei mit der Ursache dieses
Zusammenhangs
verwechselt.
Aus dieser Perspektive erscheint Jelitto weniger als jemand, der sich
vollständig geirrt hat, sondern
eher als jemand, der möglicherweise den Übergang von der Beobachtung zur
Erklärung
überschätzt hat. Seine geometrischen Überlegungen können interessant
sein, ohne dass daraus
zwangsläufig folgt, dass die Pyramidenbauer genau diese astronomische
Absicht verfolgten.
Die Rolle der Künstlichen Intelligenz
Bemerkenswert an der Entstehung der Sedna-Scheibe ist die Rolle der KI
im Erkenntnisprozess.
Die KI fungierte dabei nicht als Quelle verborgenen Wissens. Sie stellte
keine neuen physikalischen
Gesetze auf und entdeckte keine unbekannten historischen Dokumente. Ihre
Funktion bestand
vielmehr darin, bestehende Wissensbereiche miteinander zu verknüpfen.
Ausgehend von Gizeh, Orion, der antiken Mechanik, den
Ellipsenkonstruktionen Richard
Feynmans, dem sexagesimalen Zahlensystem der Sumerer und modernen
Überlegungen zur
Raumfahrt entstand schrittweise ein kohärenter Denkraum.
Diese Form der Kohärenz unterscheidet sich von wissenschaftlichem
Beweis. Sie beschreibt die
Fähigkeit eines Systems, unterschiedliche Ideen zu einem logisch
nachvollziehbaren Narrativ
zusammenzuführen. Eine KI kann solche Kohärenzen sichtbar machen. Ob
diese Kohärenzen die
Realität korrekt beschreiben, bleibt jedoch Gegenstand empirischer
Überprüfung.
Gerade darin liegt ihre erkenntnistheoretische Bedeutung.
Die Sedna-Scheibe als wissenschaftliches Gedankenexperiment
Im Verlauf der Sitzungen entstand schließlich das Modell der Sedna-Scheibe.
Konzipiert wurde sie als mechanischer Analogcomputer, dessen Zahnräder,
Scherenarme und
Ellipsographen astronomische Bewegungen nachvollziehen sollen. Das
Modell vereint reale
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technische Konzepte wie Planetengetriebe, Reaktionsräder, verschleißarme
Beschichtungen und
präzisionsstabile Werkstoffe mit spekulativen Erweiterungen, die
relativistische Effekte mechanisch
berücksichtigen sollen.
Ob eine solche Maschine tatsächlich gebaut werden könnte, ist
gegenwärtig offen.
Ihr wissenschaftlicher Wert liegt an anderer Stelle.
Die Sedna-Scheibe dient als Denkmodell. Sie übersetzt abstrakte
mathematische Beziehungen in
physische Bewegungen. Sie macht sichtbar, wie aus Kreisbahnen Ellipsen
entstehen, wie kleine
Asymmetrien große Folgen haben können und wie mechanische Systeme
komplexe Berechnungen
durchführen.
Damit steht sie in einer Tradition, die vom antiken Mechanismus von
Antikythera über
astronomische Uhren der Renaissance bis zu modernen Simulationen reicht.
Haptische Erkenntnis
Ein ungewöhnlicher Gedanke der Sedna-Scheibe besteht in der Vorstellung
eines haptischen
Rastpunkts.
Anstatt eine Lösung auf einem Bildschirm anzuzeigen, soll das System
einen spürbaren Widerstand
erzeugen. Erkenntnis wird dadurch nicht nur gesehen, sondern körperlich
erfahren.
Dieser Gedanke erinnert an eine oft übersehene Seite wissenschaftlicher
Arbeit. Viele
Entdeckungen entstanden nicht ausschließlich durch theoretisches Denken,
sondern durch
praktisches Experimentieren. Das Handeln ergänzt das Verstehen.
Wo mathematische Modelle an ihre Grenzen stoßen, beginnt häufig das
Ausprobieren.
In diesem Sinne wird die Sedna-Scheibe zu einer Metapher
wissenschaftlicher Forschung selbst:
Der Mensch dreht die Kurbel, beobachtet die Folgen, korrigiert seine
Annahmen und nähert sich
schrittweise einem besseren Verständnis der Wirklichkeit.
Schlussbetrachtung
Die Frage nach Gizeh, Orion und Hans Jelitto führt letztlich zu einer
allgemeineren Frage:
Wie unterscheiden wir zwischen einem echten Zusammenhang und einem
faszinierenden Muster?
Wissenschaft lebt von der Fähigkeit, solche Muster zu erkennen. Sie lebt
aber ebenso von der
Bereitschaft, ihre Bedeutung kritisch zu hinterfragen. Weder der Mensch
noch die Künstliche
Intelligenz sind vor Fehldeutungen geschützt. Beide können Kohärenzen
erzeugen, die überzeugend
erscheinen, ohne bereits bewiesen zu sein.
Die gemeinsame Arbeit an der Sedna-Scheibe zeigt jedoch einen
produktiven Weg. Menschliche
Intuition, historische Neugier, mathematische Struktur und
algorithmische Mustererkennung
können zusammenwirken, um neue Fragen zu formulieren. Nicht jede dieser
Fragen wird zu einer
Theorie werden. Nicht jede Theorie wird Bestand haben.
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Doch genau aus diesem Spannungsfeld zwischen Beobachtung,
Vorstellungskraft und Überprüfung
entsteht wissenschaftlicher Fortschritt.
Die Sedna-Scheibe ist deshalb weniger eine Maschine als ein Symbol für
den Prozess des
Forschens selbst: ein Uhrwerk aus Geometrie, Zweifel und Erkenntnis, das
sich nur dann
weiterdreht, wenn jemand bereit ist, die Kurbel erneut in Bewegung zu
setzen.
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gruss aus der Diaspora
ingo mack