Am 28.05.2026 um 19:05 schrieb ingo_mack über PhilWeb
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ich kann mir nicht vorstellen wie komplexe, universale Abhängigkeiten
"zufällig" genau zu dem Zeitpunkt "aus dem Nichts" parat waren um das
ganze Geschehen überhaupt erst zu ermöglichen. vorerst bleibt mir also lediglich die meta-
Funktion eines intelligenten Designs um Wirklichkeit von Wunschvorstellung zu
unterscheiden.
Wie soll sich ein Mensch hier auf der Erde das Universum vorstellen können? Warum dieses
Vorurteil? Und warum das Vorurteil, dass „universale Abhängigkeiten "zufällig"
genau zu dem Zeitpunkt "aus dem Nichts" parat waren“. Philosophisch geht es
darum, von unseren Vorurteilen loszukommen. Es gab keinen „Urknall-Zeitpunkt“, zu dem
etwas „aus dem Nichts“ entstand. Denn von nichts kommt nichts. Es wird menschheits- und
naturgeschichtlich rückprojiziert beginnend mit einem Bewusstsein, das schon
allmorgendlich „aus dem Nichts" zu kommen scheint. Schon das kann ich mir nicht
vorstellen, aber wiederholt staunend und erfreut erleben — bis zum jeweiligen nicht mehr
erlebten Einschlafen.
Karl gegenüber hatte ich wiederholt auf Selbstkonsistenzverfahren hingewiesen, mit denen
die Selbststabilitätsweisen vom Mikro- bis in den Makrokosmos verstehbar sind — und ebenso
die Lebensvorgänge dazwischen, worunter auch das Bewusstsein fällt. Ohne Mathematik leben
wir bloß in den Sprachkonstrukten fiktiver Welten, die unsere Lebenswelt ausmachen, uns
aber kaum etwas über das Weltall nahebringen. Gleichwohl können wir poetisch beginnen, wie
bspw. Goethe mit seinem Ausspruch im Faust angesichts eines Regenbogens: „Am farbigen
Abglanz haben wir das Leben!“, eine sinnhafte Metaphorik, die auch für das Bewusstsein
passt. Nüchtern betrachtet trifft Sonnenlicht in einer Regenwolke auf die vielen
Wassertröpfchen und wird von ihnen spektral zerlegt zu einem riesigen Bogen, vor dem ich
immer wieder beeindruckt innehalte.
Der vom Sonnenlicht getriebene Naturstoffwechsel hebt die feuchte Luft in die Höhe, wo
Wassertropfen auskondensieren, zu Boden fallen und vielfach so das Sonnenlicht brechen,
dass aus ihnen ein faszinierender Farbbogen hervorleuchtet. Und so flüchtig wie das
Farbenspiel der Sonne mit den vielen Wassertropfen in der Erdatmosphäre ist auch das
Bewusstseinsspiel des Gehirns mit den Myriaden von Neuronen im Sinnesrausch. Aber
natürlich ”spielen“ Sonne und Gehirn nicht und die Farbigkeit der aufgefächerten
Lichtwellenlängen entsteht erst im visuellen Projektionszentrum aus den nach Wellenlängen
differenzierten Rezeptionsmustern der Retina. Dennoch sind die Organisationsebenen
zwischen dem Naturschauspiel des Regenbogens und dem des hirngenerierten Selbsterlebens
zwanglos aufeinander beziehbar. Und sind die Wolken ausgeregnet, verschwindet der
Regenbogen so wie wir das Bewusstsein verlieren, wenn die Neuronenaktivitäten nicht mehr
hinreichend synchron geschehen.
Warum beginnst Du nicht mit einer so leicht vorstellbaren Szenerie, in der auch die so
nüchtern klingende Selbststabilitätsweise verstehbar wird, ohne dass mathematische
Selbstkonsistenzverfahren nachvollzogen werden müssten. Und so wie der Regenbogen nicht
nur zufällig nicht aus dem Nichts entsteht, verhält es sich auch mit dem Universum, dem
Leben, dem Bewusstsein. Philosophisch geht es darum, immer wieder die Sprache zu
hinterfragen, um nicht auf die vielen Vorurteile in ihr hereinzufallen. Wir leben geradezu
in einem sprachlichen Gefängnis, aus dem nur schwer herauszukommen ist. Das gelingt aber
schon ohne Mathematik mit Sprachkritik in der Sprache selbst, da sie auch so schön
selbstkonsistent selbststabilisierend sein kann. Aber nicht, wenn naiv Alltagsgewohnheiten
aus der Lebenswelt ins Weltall projiziert werden, wie etwa das Handlungsmodell, das nicht
einmal für das Leben passt, sondern lediglich auf das zwischenmenschliche Miteinander. Ich
versuche immer noch zu verstehen, was in Evolution und Geschichte schief gelaufen ist
seitdem Menschen mit dem Sprechen und dem damit einhergehenden Leben in fiktiven Welten
begannen, in denen sie mehrheitlich bis heute gefangen sind.
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