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Am 25.05.2026 um 12:12 schrieb Ingo Tessmann über
PhilWeb <philweb(a)lists.philo.at>at>:
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Da sich unsere Lebenswelten kaum überschneiden, wird es Dich nicht wundern, dass ich das
Verkommen religiöser Feste nicht bedauere. Sie sollten schlicht abgeschafft und durch
neutrale Feste ersetzt werden, in denen nicht religiöse Geister beschworen, vielmehr
weltliche Naturereignisse gefeiert werden sollten.
Moin, moin Ingo
Wir knüpfen nahtlos an unsere hier jahrelang geführten Dispute an, die in erster Linie
durch eine sehr unterschiedliche gesellschaftspolitische Sicht auf das Weltgeschehen
geprägt waren und die ganz offensichtlich bis dato vorherrscht.
Moralen gibt es beliebig viele, aber nur eine Begrifflichkeit von Ethik. So habe ich das
vor vielen Jahrzehnten gelernt. Erstere beziehen sich auf tradierte intersubjektive
Handlungsweisen und können daher sehr unterschiedliche Ausprägungen haben, insbes. in
sozialen und religiösen Kollektiven. Daraus ergeben sich zwangsweise unterschiedliche
Vorstellungen und Definitionen von Moral, kurzum beliebige Moralvorstellungen, i.W.
abhängig vom diesbezüglich jeweiligen gesellschaftlichen Konsens hinsichtlich
lebenspraktischer Gesellschaftsnormen.
Missbräuchliches Handeln, so u.a. eben auch geschehen im benannten Watergate-Skandal, was
quasi seither als „Mutter aller Skandale“, gleichsam für die Praxis von Vertuschung
skandalösen Handelns steht.
Wenn ich Dich richtig verstanden habe, bezieht sich Deine o.a. diesbezügliche Frage
darauf, welche Skandale als jeweils konkret anstößiges Ereignis noch aufgearbeitet,
anstatt nur bekannt gemacht werden.
An sich ist es durchaus interessant, sich einmal mehr mit dem Innbegriff von Skandal
auseinanderzusetzen. Der Skandal als eine Verwerfung moralischer Ordnung, zumeist
reduziert auf das (ggf. auch nur vermeintliche) Fehlverhalten einzelner Personen oder
Gruppierungen, insbesondere spektakuläre Handlungen, die dann als Skandal inszeniert
werden und nicht selten als skurrile Erzählungen (u.a. Verschwörungstheorien) verbreitet
werden.
Ich denke, insoweit sollten wir Konsens über die Begrifflichkeit von Skandal haben.
Nochmal lebenspraktisch auf benanntes Party-Liedchen „Skandal um Rosi“ im Sperrgebiet
(draußen vor der großen Stadt), wo sich „Nutten“ die Füße plattstehen zurückkommend, wird
in dieser rockenden Erzählung doch geradewegs das Skandalon um Rosi als Ausdruck von
Scheinmoral aufgezeigt: Man entrüstet sich ob Rosi‘s Fehlverhalten als Nutte,
gleicherweise jedoch täglich dutzende Autos in den an diese Straße grenzenden Nischen für
ein Schäferstündchen parken.
Nun gut, Du hast hier im Forum ja auch für das Aufführen von Pornofilmen im
Schulunterricht plädiert; selbes Thema - anderer Ort. Müssig eigentlich dieses Thema, wo
doch eigentlich das Postulat des Preußenkönigs Friedrich II. gelten sollte: „Jeder nach
seiner Façon“, solchermaßen königlicher Appell für Toleranz; Gesellschaftliches wie
individuelles Geltenlassen anderer Überzeugungen, Handlungsweisen auf Basis
unterschiedlicher Moralen, jedoch basierend auf eine diese begründende Ethik.
Unter diesem Aspekt könntest Du Dein Plädoyer für die Abschaffung religiöser Feste nochmal
überdenken.
Modulo beliebig missbräuchlicher Religionspraktiken bleibt wirklichen Christen das
Erlebnis von Gemeinschaft im Sinne eben dieses Christus, was sich in diesbezüglichen
Festen, insbesondere das Fest des Geistes zu Pfingsten ausdrückt. Doch nicht nur an
Festtagen gilt das Jesuswort: Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da
bin ich mitten unter ihnen. In seinem Sinne, in seinem Geiste also Gemeinschaft erleben.
So möchte ich nochmal eine junge Muslima zitieren, wo es hier auch um Kriegslüsternheit
ging: Im Namen Gottes, resp. Allahs werden Kriege geführt und Unheil angerichtet, was in
dessen wirklicher Bewusstwerdung nie geschehen würde (sinngemäß).
Verhärtete, entartete Ideale verkommen zur Ideologie, welcher Art auch immer. Das gilt
auch für entartete Religion, dort wo sie weder als ein Regelwerk, noch als Rückbindung an
eine intelligible Wesenheit verstanden und gelebt wird. insoweit kann man Religionskritik
üben, hingegen kaum von Menschen vorzubringen, denen das geistige Element dieser
Lebenswelt fremd geworden ist, resp. dieses nie erspürt haben.
Cave! This talk was not for atheists.
Karl